Eltern­geld Plus Special

Paare erhalten einen Part­nerschafts­bonus, wenn sie für vier Monate eine Tandem-Teil­zeit nehmen.

Das neue Eltern­geld Plus fördert Eltern, die nach der Geburt ihres Kindes früh wieder arbeiten. Tausende Euro mehr sind oft drin.

Familien­ministerin Manuela Schwesig hat Eltern­geld und Eltern­zeit neu geregelt. Mit dem neuen Eltern­geld Plus können Eltern nun ihre Bezüge verdoppeln, wenn sie nach der Geburt ihres Kindes schnell wieder arbeiten gehen. Zusätzlich Geld gibt es für Paare, die für vier Monate gemein­sam Teil­zeit arbeiten. Neu ist auch: Eltern können zwei von ihren drei Jahren Eltern­zeit auf die Phase nach dem dritten Geburts­tag des Kindes verschieben.

Wer von den neuen Regeln profitieren will, muss früh mit dem Partner planen.

Basis­eltern­geld und Eltern­geld Plus

Bei einer Geburt ab dem 1. Juli 2015 haben Eltern die Wahl zwischen zwei Arten des Eltern­geldes. Es gibt das Basis­eltern­geld und das Eltern­geld Plus. Das Basis­eltern­geld entspricht dem bisherigen Eltern­geld und beträgt meist 65 Prozent des Durch­schnitts­netto­einkommens vor der Geburt. Es gibt mindestens 300 Euro, maximal 1 800 Euro. Ein Eltern­teil kann bis zu zwölf Monate Basis­eltern­geld beziehen. Über­nimmt auch der Partner für wenigs­tens zwei Lebens­monate des Kindes die Betreuung, kommen zwei Monate dazu (Part­nermonate).

Reduziert ein Eltern­teil seine Arbeits­zeit und beantragt Eltern­geld, berechnet sich das Basis­eltern­geld nach seiner Einkommens­einbuße:

Beispiel: Ein Vater verdient 3 000 Euro netto vor der Geburt. In den ersten beiden Monaten nach der Geburt reduziert er auf halb­tags und verdient 1 500 Euro netto. Seine Einkommens­einbuße beträgt 1 500 Euro. 65 Prozent davon, also 975 Euro, bekommt er als Basis­eltern­geld ausgezahlt.

Mehr Auszahlung mit Eltern­geld Plus

Ganz neu ist das Eltern­geld Plus. Eltern können einen Monat Basis­eltern­geld in zwei Monate Eltern­geld Plus umwandeln. Da einem Paar bis zu 14 Monate Basis­eltern­geld zustehen, kann es daraus bis zu 28 Monate Eltern­geld Plus machen.

Arbeitet derjenige nicht, der Eltern­geld bezieht, wird die Auszahlung damit nur gestreckt. Eltern, die Teil­zeit arbeiten, bekommen dagegen mit Eltern­geld Plus mehr Unterstüt­zung als mit dem Basis­eltern­geld, weil anders gerechnet wird. Sogar eine Verdoppelung ist möglich (Wie Eltern die neuen Leistungen am besten ausschöpfen).

„Für Eltern, die in der Eltern­zeit arbeiten, ist das Eltern­geld Plus immer die lohnendere Variante“, sagt Manfred Cirkel, Eltern­geldexperte und ehemaliger Mitarbeiter im Familien­ministerium Rhein­land-Pfalz.

Mütter und Väter können Basis­eltern­geld und Eltern­geld Plus auch kombinieren. Im Beispielfall (Wie Eltern die neuen Leistungen am besten ausschöpfen) macht die junge Mutter Marie für sechs Monate nach der Geburt ihrer Tochter Paula zunächst Pause im Job. So lange bekommt sie monatlich 1 560 Euro Basis­eltern­geld. Danach arbeitet sie wieder und bezieht zwölf Monate lang Eltern­geld Plus. Das bringt ihr 3 510 Euro mehr, als wenn sie weiter Basis­eltern­geld bezogen hätte.

Wird das Eltern­geld Plus ein Erfolg?

Ob die Mütter wegen des Eltern­gelds Plus nun früher wieder in den Beruf zurück­kehren, bleibt abzu­warten. Wie eine Studie des Rhei­nisch-West­fälischen Instituts für Wirt­schafts­forschung im Jahr 2008 gezeigt hat, arbeiten viele Mütter zehn Monate nach der Geburt ihres Kindes noch nicht.

Für Männer ist das neue Eltern­geld Plus auf jeden Fall eine Chance. Reduzieren sie nach der Geburt ihre Arbeits­zeit, etwa für vier statt nur für zwei Monate, können sie mit dem neuen Eltern­geld Plus künftig mehr für die Familie heraus­holen als bisher.

Länger kranken­versichert

Egal ob Mütter oder Väter Eltern­geld Plus oder Basis­eltern­geld wählen: Solange Eltern­geld fließt, sind sie beitrags­frei gesetzlich kranken­versichert. Diesen Vorteil können zum Beispiel Eltern für sich nutzen, die nach dem ersten Baby­jahr ohne Job dastehen und Krankenkassenbeiträge aus eigener Tasche zahlen müssten. Beantragen sie für 24 Monate Eltern­geld Plus statt nur für 12 Monate Basis­eltern­geld, sind sie länger beitrags­frei kranken­versichert.

Achtung: Arbeitnehme­rinnen und Beamtinnen beziehen nach der Geburt in der Regel acht Wochen lang Mutter­schafts­geld. Lebens­monate des Kindes, in denen Mutter­schafts­geld fließt, gelten als Basis­eltern­geld-Monate.

Zwei der zwölf Monate Basis­eltern­geld, die diesen Müttern zustehen, sind durch das Mutter­schafts­geld also schon verbraucht. Folge: Diese Frauen können in der Regel nur 10 Monate Basis­eltern­geld zu 20 Monaten Eltern­geld Plus umwandeln.

Vier Monate Part­nerschafts­bonus

Eltern­geld Plus Special

Wer in der Eltern­zeit früh Teil­zeit arbeitet, sollte das Eltern­geld Plus beantragen. Das lohnt sich.

Paare, die sich in vier aufeinander­folgenden Monaten die Baby­betreuung teilen und Teil­zeit arbeiten, erhalten zusätzlich vier Monate Eltern­geld Plus (Part­nerschafts­bonus). Den Bonus bekommt nur, wer Teil­zeit nicht weniger als 25 und nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeitet. Eltern haben einen Anspruch darauf, ihre Arbeits­zeit zu reduzieren (Was beim Antrag wichtig ist).

Achtung: Eltern­geld wird stets für Lebens­monate des Kindes ausgezahlt, nicht für Kalendermonate. Wurde ein Kind am 4. August 2015 geboren und wollen die Eltern den Part­nerschafts­bonus nach den ersten 14 Lebens­monaten (LM) des Kindes nehmen, dann müssen sie die Vorgabe für ihre Arbeits­zeit (25 bis 30 Wochen­stunden) in folgenden Phasen einhalten: 4. Oktober bis zum 3. November 2016 (15. LM), 4. November bis zum 3. Dezember 2016 (16. LM), 4. Dezember 2016 bis 3. Januar 2017 (17. LM) und 4. Januar bis 3. Februar (18. LM).

Sach­bearbeiter prüfen Arbeits­zeit

Die Eltern­geld­stellen lassen sich am Ende der Eltern­geld­phase Bescheinigungen über die tatsäch­lich geleistete Arbeits­zeit vorlegen. Arbeitet ein Partner zu viel oder zu wenig, müssen Paare den Bonus zurück­zahlen. Einfacher haben es Selbst­ständige: Sie regeln ihre Arbeits­zeit selbst. Es reicht, wenn sie diese glaubhaft versichern.

Achtung: Frauen, die in der Eltern­zeit nur 20 Stunden pro Woche oder weniger arbeiten, müssen für den Part­nerschafts­bonus ihre Arbeits­zeit erhöhen. Den dadurch höheren Netto­lohn sollten sie der Eltern­geld­stelle sofort mitteilen. Denn stellt der Sach­bearbeiter im Amt den Lohn­anstieg erst am Ende der Eltern­geld­phase fest, kann es zu Rück­forderungen kommen.

Mütter und Väter müssen im Antrag auf Eltern­geld angeben, wie lange sie Basis­eltern­geld und Eltern­geld Plus möchten. Die Angaben können sie aber später noch ändern. Nur rück­wirkende Änderungen für bereits ausgezahlte Eltern­geld-Monate sind in der Regel nicht mehr möglich.

Eltern­geld­stellen beraten

Die neuen Regeln zu Eltern­geld und Eltern­zeit sind kein leichter Stoff. Selbst Fachleute haben zu kämpfen. Dirk Dau, ehemaliger Richter am Bundes­sozialge­richt, sagt zur Einführung des Eltern­gelds Plus: „Die gesetzliche Komplexität hat einen Grad erreicht, der eine Anwendung durch die Betroffenen selbst nahezu unmöglich macht.“

Hilfe finden Eltern auf einer neuen Seite des Bundes­familien­ministeriums im Internet (Elterngeld-plus.de). Und keiner sollte sich scheuen, die Eltern­geld­stellen mit seinen Fragen zu löchern.

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