Eltern­geld Special

Eltern können nach der Geburt ihres Kindes Eltern­geld beantragen. Es beträgt meist etwa 65 Prozent des Netto­einkommens vor der Geburt. Eltern können wählen – zwischen bis zu 14 Monaten Basis­eltern­geld (maximal 1 800 Euro pro Monat) oder Eltern­geld Plus (maximal 900 Euro pro Monat) für maximal 28 Monate. Dazu winken weitere finanzielle Hilfen. Hier lesen Sie, für wen welche Eltern­geld­variante die beste ist – und was wichtig ist rund um Eltern­geld und Eltern­geldbe­rechnung.

Das Wichtigste in Kürze

Part­nermonate nicht verschenken. Paare haben Anspruch auf zwölf Monate Eltern­geld („Basis­eltern­geld“). Zwei weitere Monate („Part­nermonate“) bekommen sie, wenn nicht nur die Mutter des Kindes, sondern auch der Vater für wenigs­tens zwei Monate Eltern­geld beantragt und für die Kinder­betreuung im Job kürzer tritt. Eine Anspruch auf eine bis zu dreijäh­rige Eltern­zeit (Reduzierung der Arbeit auf null) hat jeder Arbeitnehmer.

Schwanger? Sofort zum Finanz­amt! Ehepaare können sich ein riesiges Plus beim Eltern­geld sichern, wenn derjenige recht­zeitig vor der Geburt in die Steuerklasse III wechselt, der später die meisten Monate Eltern­geld beantragen wird. Das sind in der Regel die Mütter. Der Wechsel muss beim Finanz­amt gestellt werden. Wenn Mütter hohes Eltern­geld nach Steuerklasse III wollen, müssen sie den Antrag dort in der Regel sieben Monate vor dem Kalendermonat stellen, in dem ihr sechs­wöchiger Mutter­schutz vor der Geburt beginnen wird. Sobald das Ehepaar von der Schwangerschaft weiß, ist also Eile geboten (Details im Special Elterngeld – Steuerklasse wechseln).

„Eltern­geld Plus“ lukrativ für Eltern in Teil­zeit. Eltern können wählen zwischen bis zu 14 Monaten vollem Eltern­geld („Basis­eltern­geld“) oder 28 Monaten halbem Eltern­geld („Eltern­geld Plus“). Das Eltern­geld Plus lohnt sich besonders für Mütter und Väter, die früh nach der Geburt wieder in Teil­zeit im Job anfangen. Es bringt ihnen dann mehr staatliche Förderung als das Basis­eltern­geld.

Früh planen. Das Thema Eltern­geld ist kompliziert. Beschäftigen Sie nicht erst nach der Geburt ihres Kindes damit. Dann haben Sie Wichtigeres im Kopf. Besorgen Sie sich früh den Eltern­geld­antrag und füllen ihn aus, soweit es geht. Dann müssen Sie nach der Geburt nur noch unter­schreiben und die notwendigen Unterlagen dazu­legen (Details zum Antrag im Special Elterngeld beantragen).

Wer hat Anspruch auf Eltern­geld?

Anspruch auf Eltern­geld haben Mütter und Väter, die nach der Geburt ihres Kindes nicht mehr als 30 Stunden in der Woche erwerbs­tätig sind. Auch arbeits­lose Eltern bekommen Eltern­geld. Eltern­geld kann nur beantragen, wer mit seinem Kind in einem Haushalt lebt. Bei getrennt lebenden Eltern, die sich die Kinder­betreuung teilen, kann das zum Problem werden. Nach einer Formel des Bundesfamilienministeriums lebt das Kind nur noch bei einem Eltern­teil, wenn es sich dort „mehr als circa“ 70 Prozent der Zeit aufhält. Umge­kehrt formuliert: Ein Eltern­teil, bei dem das Kind zu weniger als circa 30 Prozent lebt, ist in der Regel nicht berechtigt, Eltern­geld zu beziehen. Neben den leiblichen Eltern können auch andere Personen berechtigt sein, Eltern­geld zu bekommen:

Adoptiv­eltern. Personen, die mit einem Kind in einem Haushalt leben, dass sie adoptiert oder mit dem Ziel der Adoption in ihren Haushalt aufgenommen haben.

Stief­eltern. Ehegatten des leiblichen Eltern­teils, die mit dem Kind zusammenleben. Das gilt auch für einen gleich­geschlecht­lichen Lebens­partner des leiblichen Eltern­teils, sofern er mit ihm die Lebens­part­nerschaft nach dem Lebens­part­nerschafts­gesetz einge­gangen ist („Homo-Ehe“).

„Noch-Nicht-Väter“. Wer ein Kind zeugt und zum Zeit­punkt der Geburt nicht mit der Kinds­mutter verheiratet ist, ist recht­lich noch kein Vater, bis er die Vaterschaft etwa beim Standes­amt freiwil­lig anerkannt hat. Kommen mehrere Männer als Erzeuger in Frage, wird die Vaterschaft im Verfahren vor dem Familien­gericht fest­gestellt. In beiden Fällen müssen die „Noch-Nicht-Väter“ nicht warten, bis die Anerkennung beim Standes­amt wirk­sam geworden oder das Familien­gericht entschieden hat. Sie können auch vorher schon Eltern­geld beantragen, sobald sie das Verfahren zur Anerkennung bzw. Fest­stellung der Vaterschaft einge­leitet haben.

Härtefälle. Können sich die Eltern wegen einer schweren Krankheit, Schwerbehin­derung oder gar einem Tod nicht um ihr Kind kümmern, sind ausnahms­weise Verwandte bis zum dritten Grad und ihre Ehegatten berechtigt Eltern­geld zu beantragen. In einem solchen Ausnahme­fall können also etwa Groß­eltern, Onkel, Tanten und Geschwister des Neugeborenen anspruchs­berechtigt sein.

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Eltern­geldbe­rechnung für Eltern in Teil­zeit

Auch Eltern, die nach der Geburt ihre Arbeits­zeit nicht ganz auf null reduzieren, sondern Teil­zeit arbeiten, bekommen Eltern­geld. Allerdings darf die Arbeits­zeit 30 Wochen­stunden nicht über­schreiten. Wer mehr arbeitet, bekommt gar kein Eltern­geld. Die Eltern­geld­stelle über­prüft das auch. Wer Teil­zeit arbeitet, muss der Eltern­geld­stelle nach dem Ende der Eltern­geld­phase eine Arbeits­zeit­bescheinigung vom Arbeit­geber vorlegen. Über­schreitungen der Grenze in einzelnen Wochen sind unschädlich, solange inner­halb eines Lebens­monat des Kindes im Monats­schnitt nicht mehr als 30 Stunden die Woche gearbeitet werden. Mehrere Beschäftigungen werden zusammenge­rechnet. Teil­zeit arbeitende Arbeitnehmer müssen bei der Eltern­geld­stelle eine Arbeits­zeit­bescheinigung vorlegen. Selbst­ständige müssen gegen­über der Behörde selbst glaubhaft erklären, wie viel sie arbeiten und welche Maßnahmen sie getroffen haben, um ihren Arbeits­ausfall (etwa durch die Einstellung einer Aushilfe) auszugleichen.

So lange bekommen Sie Eltern­geld („Bezugs­zeitraum“)

Bei der Frage, wie lange Eltern­geld maximal gezahlt wird, ist zu unterscheiden, ob es um das Basiseltergeld oder das Eltern­geld Plus geht:

Basis­eltern­geld. Für das „normale“ Eltern­geld gilt die grobe Faust­regel: Das Basis­eltern­geld beträgt 65 Prozent des Netto­lohns vor der Geburt des Kindes. Beide Eltern­teile haben zusammen Anspruch auf zwölf Monate Basis­eltern­geld in Höhe von maximal 1 800 Euro. Die kann das Eltern­paar ganz beliebig unter­einander aufteilen. Zum Beispiel können Mann und Frau gleich­zeitig nach der Geburt für sechs Monate Basis­eltern­geld beantragen. Es ist auch möglich, dass die Frau die ersten acht Lebens­monate Basis­eltern­geld beantragt und dann der Mann für die anschließenden vier Monate. Der Gesetz­geber belohnt Paare mit zwei weiteren Monaten Basis­eltern­geld, wenn wenigs­tens ein Partner für mindestens zwei Monate durch die Kinder­betreuung Gehalts­einbußen hat. Part­nermonate nennt das Gesetz diese beiden Zusatz­monate. Das heißt: Bei einer klassischen Rollenverteilung, bei der nur die Mutter in Eltern­zeit geht und Eltern­geld beantragt und der Vater des Kindes arbeitet, verschenkt das Paar zwei Monate Basis­eltern­geld. Väter sollten über­legen, ob sie nicht wenigs­tens für zwei Monate Basis­eltern­geld beantragen − etwa im Anschluss an die Eltern­geldbe­zugs­zeit der Frau für die Lebens­monate 13 und 14 des Kindes. Sie müssen dafür nicht zwangs­läufig ganz im Job pausieren. Basis­eltern­geld gibt es ja auch für Teil­zeit­mit­arbeiter, sofern sie während der Eltern­geld­phase im Schnitt nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten (siehe oben „Eltern­geld für Eltern in Teil­zeit“).

Mehr­lings­zuschlag. Eltern, die Mehr­linge bekommen, erhalten außerdem einen Zuschlag in Höhe von 300 Euro für das zweite und jedes weitere Kind.

Geschwisterbonus. Einen Geschwisterbonus von 10 Prozent des Eltern­geldes (wenigs­tens 75 Euro) gibt es für Eltern, die neben dem Neugeborenen schon ein weiteres Kind unter drei Jahren oder zwei oder mehr ältere Kinder haben, die noch nicht selbst Jahre alt sind.

28 Monate Eltern­geld Plus statt 14 Monate Basis­eltern­geld

Eltern­geld Plus. Statt vierzehn Monate Basis­eltern­geld (12 Monate plus zwei Part­nerschafts­monate; monatlich maximal 1 800 Euro) kann ein Eltern­paar auch 28 Monate Eltern­geld Plus wählen. Das Eltern­geld Plus bedeutet für Eltern eine Verlängerung des Auszahlungs­zeitraums. Statt einem Monat Basis­eltern­geld kann das Paar zwei Monate Eltern­gelde Plus beantragen. Die Eltern­geldbehörde zahlt maximal 900 Euro pro Monat als Eltern­geld Plus aus. Eltern können die beiden Formen des Eltern­gelds auf verschiedenste Arten kombinieren.

So kann kombiniert werden. Welche Möglich­keiten sich für Eltern bieten, zeigt ein Beispiel: Marie und Sebastian sind Eltern einer Tochter (Paula) geworden. Sebastian will seine Frau direkt nach der Geburt für zwei Monate bei der Baby­betreuung unterstützen. Bei seinem Arbeit­geber beantragt er für die ersten beiden Lebens­monate von Paula Eltern­zeit und bei der Eltern­geld­stelle für diese beiden Monate (Part­nermonate) Basis­eltern­geld. Marie will nach der Geburt von Paula in ihrem Job erst einmal sechs Monate ganz pausieren und anschließend erst einmal auf Teil­zeit gehen, 25 Stunden pro Woche. Daher beantragt sie für die ersten sechs Monate Lebens­monate von Paula erst einmal Basis­eltern­geld. Acht von 14 Basis­eltern­geldmonaten hat das Paar bis zu diesem Zeit­punkt verplant, sechs stehen ihm noch zu. Daraus macht Marie zwölf Monate Eltern­geld Plus. Ab Lebens­monat sieben von Paula bis zum Ende des 18. Lebens­monat von Paula bezieht Marie also Eltern­geld Plus.

Halber Eltern­geld­betrag. Für Antrag­steller, die vor der Geburt kein Einkommen hatten und nur Anspruch auf das Mindest­eltern­geld von 300 Euro haben, bedeutet die Wahl von Eltern­geld Plus natürlich auch eine Halbierung dieses Betrages auf monatlich 150 Euro. Dasselbe gilt für den Mehr­lings­zuschlag und den Mindest-Geschwisterbonus.

Vorteile des Eltern­geld Plus für Eltern mit Teil­zeitjob

Warum sollte ein Paar 28 Monate Eltern­geld Plus in Höhe von monatlich 900 Euro wählen statt 14 Monate Basis­eltern­geld in Höhe von 1 800 Euro wählen? Die Summe der der staatlichen Unterstüt­zung ist doch am dieselbe. Oder nicht? Tatsäch­lich stimmt das nur für Eltern, die in ihrer Eltern­zeit gar nicht arbeiten. Für diese Gruppe bedeutet das Eltern­geld Plus tatsäch­lich nur eine Verdopp­lung der Bezugs­zeit bei halbem Basis­eltern­geld. Anders ist es aber für Mütter und Väter, die nach der Geburt wieder früh in ihrem Job mit Teil­zeit­arbeit anfangen. Denn sie können durch die Wahl von Eltern­geld Plus unter dem Strich viel mehr staatliche Unterstüt­zung heraus­holen als beim Basis­eltern­geld (Details im Special Teilzeit und Elterngeld - doppelt so viel rausholen, Finanztest 8/2015).

Part­nerschafts­bonus bei Tandem-Teil­zeit

Eine zusätzliches Bonbon hat sich der Gesetz­geber für Paare ausgedacht, dies in vier aufeinander­folgenden Monaten gemein­sam die Kinder­betreuung über­nehmen und im Job nur Teil­zeit arbeiten. Diese Paare bekommen noch weitere vier Monate Eltern­geld Plus geschenkt. Das Gesetz nennt diese Monate Part­nerschafts­bonus (nicht zu verwechseln mit den Part­nermonaten). Den Bonus bekommt aber nur, wer in diesen vier Lebens­monaten des Kindes nicht weniger als 25 und nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeitet. Dieser Zeitkorridor ist streng einzuhalten. Den Part­nerschafts­bonus zu erhalten, erfordert von einem Paar also sorgfältige Planung und Absprache mit den jeweiligen Arbeit­gebern. Arbeitet nur ein Partner zu viel oder zu wenig, müssen beide den an sie ausgezahlten Bonus zurück­zahlen. Die Part­nerschafts­bonusmonate müssen nicht zwingend nach dem Bezug der „normalen“ Monate Basis­eltern­geld oder Eltern­geld Plus liegen. Er kann auch davor liegen.

Der Part­nerschafts­bonus – ein Beispiel

Eine Mutter bezieht für die Lebens­monate eins bis sechs ihres Kindes Basis­eltern­geld. In den Monaten sieben bis zehn bezieht sie mit dem Vater des Kindes den Part­nerschafts­bonus. Vom elften bis zum 14. Lebens­monat bezieht dann der Vater Basis­eltern­geld. Vom 15. bis zum 22. Lebens­monat bezieht die Mutter dann Eltern­geld Plus.

Achtung: Besonders aufpassen müssen Eltern, die vor Beginn der geplanten Part­nerschafts­monate schon wieder mit Teil­zeit ange­fangen haben und dann in die Part­nerschafts­bonus-Monate gehen. Für die Phase des normalen Eltern­geldbe­zuges gibt das Eltern­geldgesetz zwar eine Maximal­arbeits­zeit vor (maximal 30 Stunden pro Woche), aber keine Mindest­arbeits­zeit. Für die Bezugs­phase der Part­nerschafts­bonus-Monate Eltern­geldes allerdings gibt es eine Mindest­arbeits­zeit: Die Eltern müssen in dieser Zeit mindestens 25 Stunden arbeiten, dürfen aber nicht mehr 30 Stunden pro Woche arbeiten. Eine junge Mutter, die zum Beispiel ab Lebens­monat sieben ihres Kindes wieder 15 Stunden die Woche arbeiten geht (und nebenher Eltern­geld Plus bezieht), muss ihre Arbeits­zeit ab Lebens­monat 13 des Kindes auf 25 Wochen­stunden anheben, um den Anspruch auf die Part­nerschafts­monate von Lebens­monat 13 bis 16 nicht zu verlieren.

Für viele Mütter faktisch oft nur zehn Monate Eltern­geld

Viele Mütter rechnen irrtümlich so: Ich erhalte zwei Monate Mutter­schafts­geld nach der Geburt plus anschließend zwölf Monate Basis­eltern­geld beziehungs­weise 24 Monate Monate Eltern­geld Plus. Für Arbeitnehme­rinnen, Beamtinnen und Soldatinnen ist diese Rechnung aber falsch. Faktisch haben Sie nur Anspruch auf zehn Monate Basis­eltern­geld beziehungs­weise 20 Monate Eltern­geld Plus. Das sollten die Betroffenen bei ihren Planungen berück­sichtigen. Die Lebens­monate des Kindes, in denen diese Mütter Mutter­schafts­leistungen bekommen haben, gelten recht­lich als Eltern­geldmonate, obwohl das Geld faktisch als Mutter­schafts­geld von der Krankenkasse fließt. Besonders gravierend ist das für Arbeitnehme­rinnen, die Frühchen gebären. Die vorgeburtlichen Mutter­schutz-Zeit, die sie wegen der Früh­geburt nicht nehmen konnten, wird der nachgeburtlichen Mutter­schutz­zeit, die eigentlich nur acht Wochen beträgt, dran­gehängt.

Beispiel Früh­geburt: In Extremfällen kann es sein, dass die Mutter eines Frühchens bis zu 18 Wochen nachgeburtlich Mutter­schafts­geld von der Krankenkasse erhält. Diese 18 Wochen Mutter­schafts­geld gelten als Eltern­geldbe­zugs­zeit. Die Betroffene erhält also 4,5 Lebens­monate ihres Kindes Mutter­schafts­geld und dann faktisch nur noch maximal 7,5 Monate Basis­eltern­geld. Eltern­geld Plus kann sie frühestens ab dem sechsten Lebens­monat für 14 Lebens­monate bekommen.

Höhe des Basis­eltern­geldes: So viel zahlt die Eltern­geld­stelle

Das Basis­eltern­geld wird in Höhe von 67 Prozent (Lohn­ersatz­rate) des vor der Geburt erzielten Einkommens aus Erwerbs­tätig­keit gezahlt. Für Eltern, die vor der Geburt mehr als 1 200 Euro verdient haben, sinkt die Ersatz­rate aber auf 65 Prozent. Hat eine Frau vor der Geburt durch­schnitt­lich etwas 2 000 Euro netto verdient, beträgt ihr Eltern­geld 1 300 Euro. Für Gering­verdiener mit einem Einkommen unter 1 000 Euro steigt die Ersatz­rate auf bis 100 Prozent. Wer gar kein Einkommen hatte, bekommt den Mindest­satz von 300 Euro Basis­eltern­geld beziehungs­weise 150 Euro Eltern­geld Plus. Bei Eltern, die in der Eltern­zeit arbeiten, beträgt das Basis­eltern­geld in der Regel 65 Prozent der Lohn­einbuße, die nach der Geburt durch die Kinder­betreuung entstanden ist.

Beispiel: Wer vor der Geburt für einen Voll­zeitjob netto 2 500 Euro bekommen hat und danach netto 1 250 Euro als Teil­zeit­lohn verdient, bekommt 812,50 Euro Eltern­geld (65 Prozent der Einkommens­differenz von 1250 Euro).

Eltern­geld-Netto ist Bezugs­größe für Eltern­geldbe­rechnung

Die Faustformel für die Eltern­geldbe­rechnung lautet: Das Basis­eltern­geld beträgt 65 Prozent vom vorgeburtlichen Netto­lohn der Mutter oder des Vaters. So rechnen auch viele Eltern­geld­rechner im Internet. Das ist auch schön einfach, weil jeder Arbeitnehmer seinen Netto­lohn aus seinem Lohn­zettel ersehen kann. Aber wie das bei Faustformeln so ist: Sie stimmen oft nur grob. Tatsäch­lich zahlt die Eltern­geld­stelle nicht 65 Prozent des Netto­lohns, sondern 65 Prozent von einer fiktiven Größe, dem sogenannten Eltern­geld-Netto. Der Netto­lohn ist Brutto­gehalt minus Steuern und Sozial­abgaben. Zur Ermitt­lung des Eltern­geld-Netto zieht die Eltern­geld­stelle vom Brutto­gehalt außerdem noch 83,33 Euro ab. Das entspricht einem Zwölftel des steuerrecht­lichen Arbeitnehmer-Pausch­betrages. Das Eltern­geld-Netto ist also kleiner als der tatsäch­liche Netto­lohn. Wer mit der Faustformel sein Eltern­geld berechnet, liegt also immer etwas über der Summe, die die Eltern­stelle ihm später tatsäch­lich auszahlen wird.

Guter Eltern­geld­rechner im Netz

Einen guten Eltern­geld­rechner, der das Eltern­geld-Netto seiner Berechnung zugrunde legt, finden Interes­sierte auf der Internetseite des kommerziellen Eltern­geldberaters elterngeld.net. Die Nutzung des Rechners ist kostenfrei.

Dieser Einkommens­zeitraum zählt für Eltern­geld­stelle

Um den vorgeburtlichen Durch­schnitts­lohn zu ermitteln, lässt sich die Eltern­geld­stelle bei Arbeitnehmern und Beamten die Lohn­zettel aus der Zeit vor der Geburt zeigen.

Arbeitnehme­rinnen. Bei Arbeitnehme­rinnen ist die Berechnungs­grund­lage fürs Eltern­geld der Durch­schnitts­lohn der zwölf Gehälter vor Beginn des Mutterschutzes („Bemessungs­zeitraum“). Der Mutter­schutz beginnt bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft sechs Wochen vor dem prognostizierten Geburts­termin. Beispiel: Eine Arbeitnehmerin ist seit dem 17. März 2017 in Mutter­schutz und bringt ihr Kind am 28. April 2017 zur Welt. Grund­lage für die Eltern­geldbe­rechnung bei ihr ist das Durch­schnitts­netto­gehalt aus den zwölf Monaten März 2016 bis Februar 2017.

Soldatinnen, Beamte und Väter, die als Angestellte arbeiten. Für diese Personen sind die zwölf Monats­gehälter direkt vor dem Geburts­monat des Kindes maßgeblich. Beispiel: Eine Beamtin bekommt ihr Kind im April 2017. Fürs Eltern­geld zählt ihr Netto­lohn zwischen April 2016 und März 2017.

Selbst­ständige. Bei Selbst­ständigen sind die Regeln komplizierter. Meist ist ihr Einkommen aus dem Kalender­jahr vor der Geburt entscheidend. Als Berechnungs­grund­lage gilt nicht der Netto­lohn, sondern der Gewinn Beispiel: Eine Selbst­ständige bringt ihr Kind am 28. April 2017 zur Welt. Ihr Gewinn aus der Zeit Januar bis Dezember 2016 dient als Berechnungs­grund­lage fürs Eltern­geld. Details im Special Elterngeld - Sonderfall Selbstständige, Finanztest 11/2010).

Arbeitnehmer mit Neben­job als Selbst­ständiger (Misch­einkünfte). Für Mütter und Väter, die im Haupt­job als Arbeitnehmer arbeiten und einen Neben­job als Selbst­ständige haben, etwa als Thermo­mix-Verkäufer, gelten nicht die zwölf Monate vor Geburt als maßgeblicher Lohn­zeitraum, sondern wie bei den Selbst­ständigen in der Regel das Kalender­jahr vor der Geburt.

Richtige Steuerklassen-Wahl bringt Riesen­plus beim Eltern­geld

Weil der Netto­lohn die Höhe des Eltern­geldes bestimmt und die Steuerklassen starke Auswirkungen darauf hat, welchen Netto­lohn der Arbeit­geber aufs Konto über­weist, spielt die Steuerklasse eine große Rolle für die Höhe des Eltern­geldes. Zwischen verschiedenen unterschiedlichen Steuerklassen wählen, können aber nur verheiratete Paare. Eine Ehefrau zum Beispiel hat vor allem die Wahl zwischen den Steuerklassen III, IV und V. Steuerklasse III bringt den höchsten Nett­lohn, Steuerklasse V den nied­rigsten. Also bringt Steuerklasse III auch das höchste Eltern­geld und Steuerklasse V das nied­rigste. In normalen Phasen (ohne Schwangerschaft) gilt die Regel: der Partner, der erheblich weniger verdient wählt Steuerklasse V. Der andere ist dann auto­matisch in Steuerklasse III. Das Paar hat auf diese Weise die geringsten steuerlichen Abzüge, also am meisten Geld zur Verfügung. Wenn beide annäherend das gleiche verdienen ist es ratsam, dass beide in Steuerklasse IV gehen. Sobald die Ehefrau schwanger ist, gilt fürs Eltern­geld etwas anderes. Da es meist die Frauen sind, die nach der Geburt für längere Zeit zu Hause bleiben und Eltern­geld beantragen, ist es in der Regel ratsam, dass sie spätestens mit Bekannt­werden der Schwangerschaft in die Steuerklasse III wechselt, um ihr Eltern­geld zu erhöhen. Dieser Wechsel kann Paaren ein Eltern­geld Plus von mehreren tausend Euro bringen. Auf welche Details Eltern achten sollten, steht im Special Elterngeld beantragen.

Sie sind schwanger? Sofort zum Finanz­amt!

Die Betroffenen müssen allerdings schnell handeln, und nach Bekannt­werden der Schwangerschaft sofort den Steuerklassen­wechsel beim Finanz­amt beantragen. Manchmal entscheiden wenige Tage um höheres Eltern­geld nach Steuerklasse III oder nied­riges Eltern­geld nach Steuerklasse V. Faust­regel: Gelingt es einer Frau, vor Beginn ihres Mutter­schutzes sechs Gehälter nach Lohn­steuerklasse III ausgezahlt zu bekommen – es muss sechs­mal diese Steuerklasse auf dem Lohn­zettel stehen –, dann bekommt sie das Eltern­geld zu ihren Gunsten auf Basis von zwölf fiktiven Gehältern nach Steuerklasse III ausgezahlt.

Eltern­geld­stellen: Hier beantragen Sie das Eltern­geld

Wer fürs Eltern­geld zuständig ist, ist in den Bundes­ländern unterschiedlich geregelt. Die Adresse der Eltern­geld­stellen finden Sie im Special Elterngeld – Steuerklasse wechseln. Dort lesen Sie auch, wo Sie die Antrags­unterlagen herunter­laden können und was sonst noch beim Antrag auf Eltern­geld zu beachten ist.

Das Eltern­geld ist steuerfrei, aber...

Das Eltern­geld selbst ist tatsäch­lich steuerfrei. Es unterliegt aber dem sogenannten Progressions­vorbehalt. Das hat Auswirkungen insbesondere für Ehepaare. Das Eltern­geld, das eine Ehefrau in Eltern­zeit erhält, wird dem Einkommen des arbeitenden Ehemanns zur Ermitt­lung des Steu­ersatzes, mit dem sein Einkommen versteuert werden muss, hinzugerechnet. Diesen erhöhten Steu­ersatz ermittelt das Finanz­amt aber erst nach Ablauf des Steuer­jahres, wenn das Paar seine Steuererklärung abgibt. Deswegen kann es durch das Eltern­geld zu unerwarteten Steuer­nach­zahlungen für das Paar kommen. Uwe Rauhöft, Geschäfts­führer vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine, hat für test.de ausgerechnet, um wie viel die Steuerlast eines Ehepaares durch den Progressions­vorbehalt steigen kann.

Beispiel: Die junge Mutter Bettina bezieht nach der Geburt ihres Kindes von Januar bis Dezember 2017 Sozial­leistungen: Zwei Monate Mutter­schafts­geld und zehn Monate Eltern­geld. Bettina und ihr Mann Klaus haben beide vor der Geburt, im Jahr 2016, 3 500 Euro brutto pro Monat verdient. In 2017 verdient nur Klaus, Bettina hat Eltern­zeit bei ihrem Arbeit­geber beantragt und ihre Arbeits­zeit auf null reduziert. Bettina war vor der Geburt in Steuerklasse III, Klaus in Steuerklasse V. Das Eltern­geld für Bettina beträgt monatlich 1 534 Euro. Zusammen mit dem Mutter­schafts­geld erhält sie für das Jahr insgesamt 20 166 Euro vom Staat. Zur Ermitt­lung des Steu­ersatzes für Klaus‘ Einkommen rechnet das Finanz­amt ihm die 20 166 Euro hinzu. Würde Bettina im Jahr 2017 in Eltern­zeit gehen und keine Sozial­leistungen beziehen, müsste das Paar 3 460 Euro Steuern zahlen. Durch den Progressions­vorbehalt bei Mutter­schafts- und Eltern­geld steigt die Steuerlast des Paares auf 5 600 Euro. Dem Plus in Höhe von 20 166 Euro durch die Sozial­leistungen steht also unterm Strich ein Steuer-Minus in Höhe von 2 140 Euro gegen­über. Wenn Klaus bei der Steuererklärung für das Jahr 2017 keine weiteren steuer­mindernden Ausgaben – etwa hohe Werbungs­kosten – geltend machen kann, wird das Paar eine hohe Steuer­nach­zahlung haben. (Die Steuerbe­rechnung erfolgte aus Vereinfachungs­gründen ohne den Solidaritäts­zuschlag und ohne Kirchen­steuer).

Alternative: Wenn die Ehefrau in dem obigen Beispiels­fall vor der Geburt nicht in der das Eltern­geld erhöhenden Steuerklasse III ist, sondern in der für sie ungüns­tigsten Steuerklasse V, erhält die Frau nur Sozial­leistungen für 2017 im Umfang von 14 540 Euro. Auch diese Sozial­leistungen erhöhen die Steuerlast des Paares –aber nur um 1 629 Euro. Die Nach­zahlung für das Paar fällt damit zwar geringer aus. Dafür waren aber auch die empfangenen Sozial­leistungen insgesamt erheblich weniger: Nur 14 540 statt 20 166 Euro. Das bedeutet: Trotz der höheren Steuern durch die Steuer­progression lohnt es sich, wenn Bettina für die Erhöhung des Eltern­geldes vor der Geburt recht­zeitig in Steuerklasse III wechselt.

Kranken­versicherung bei Eltern­geldbe­zug

Wie Eltern in der Phase des Eltern­geldbe­zuges kranken­versichert sind, hängt davon ab, wie sie vor der Geburt versichert waren:

Pflicht­mitglieder der gesetzlichen Kranken­versicherung. Wer bisher pflicht­versichertes Mitglied in der gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV) war, ist auch in der Eltern­geld-Zeit weiterhin gesetzlich versichert, und zwar beitrags­frei.

Freiwil­lige Mitglieder der gesetzlichen Kranken­versicherung. Wer vor der Geburt freiwil­liges Mitglied in der Krankenkasse war und einen Ehepartner hat, der Pflicht­mitglied ist, zahlt in der Eltern­geld- und Eltern­zeit-Phase in der Regel keinen Beitrag, wenn er oder sie ohne die freiwil­lige Mitgliedschaft beitrags­frei familien­versichert wäre. So hat es der Spitzen­verband der gesetzlichen Kassen entschieden. Die Beitrags­freiheit gilt allerdings nicht für ledige Mütter und Väter, Finanztest 3/2017. Sie zahlen in der Eltern­geld- und Eltern­zeit-Phase, wenn sie im Job ganz pausieren, den Mindest­beitrag für die Kranken- und Pflege­versicherung, der derzeit meist bei rund 170 Euro pro Monat liegt. Von den betroffenen ledigen Eltern­teilen wird das zwar als ungerecht empfunden. Das Bundes­sozialge­richt hat diese Privilegierung von verheirateten Eltern jedoch als recht­lich zulässig einge­stuft.

Privat Kranken­versicherte. Wer vor der Geburt seines Kindes privat kranken­versichert war, ist das auch in der Eltern­zeit. Die Versicherungs­prämien sind weiter zu bezahlen. Die Betroffenen müssen sogar den Teil der Versicherungs­kosten mit über­nehmen, den zuvor der Arbeit­geber getragen hat. Privatversicherte, die während der Eltern­zeit Teil­zeit arbeiten und mehr als 450 Euro pro Monat und verdienen, mit dem Lohn aber unter der Versicherungs­pflicht­grenze liegen, werden wieder Pflicht­mitglied der GKV. Unter bestimmten Voraus­setzungen können sie sich von der Pflicht aber befreien lassen.

Das Eltern­geld beantragen

Das Eltern­geld beantragen Vater und Mutter bei der Eltern­geld­stelle, die Eltern­zeit beim Arbeit­geber. Arbeitnehmer können ab Geburt maximal drei Jahre Eltern­zeit nehmen. Anspruch darauf haben auch Beschäftigte in Klein­betrieben. In der Eltern­zeit gilt Kündigungs­schutz. Eltern müssen die Eltern­zeit schriftlich ­beantragen. Eine E-Mail oder ein Fax reicht nicht. Der Antrag muss dem Arbeit­geber spätestens sieben Wochen vor Beginn vorliegen. Am besten geben Arbeitnehmer den Antrag in der Personal­abteilung ihres Arbeit­gebers persönlich ab und lassen sich sich den Empfang bestätigen. Ein Ein Musterformular für den Antrag auf Eltern­zeit und alle Details zum Antrag finden Eltern im Special Elternzeit beantragen.

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