Interview Kontra Versicherungs­pflicht: Pflicht­versicherung schadet sogar

Elementarschäden-Versicherung für Haus­besitzer Special

Jörg von Fürs­tenwerth, Vorsitzender der Haupt­geschäfts­führung des Gesamt­verbandes der Deutschen Versicherungs­wirt­schaft, spricht sich gegen eine flächen­deckende Versicherungs­pflicht gegen Naturgefahren aus: „Prävention, Aufklärung und risiko­adäquater Versicherungs­schutz sind die obersten Maximen.“

Warum halten Sie eine Versicherungs­pflicht nicht für sinn­voll?

Von Fürs­tenwerth: Eine Pflicht­versicherung für Naturgefahren scheint auf den ersten Blick die Lösung: Jeder Haushalt wäre sofort versichert, Schäden würden reguliert. Alle Bürger schultern das Risiko gemein­sam. In der Diskussion muss man aber alle Folgen in die Waagschale werfen: So blieben Anreize für öffent­liche Schutz­maßnahmen in Gefahrenzonen auf der Strecke, weil im Schadens­fall gezahlt wird. In hoch­wasser­gefähr­deten Flächen könnte weiter ohne allzu große Bedenken gebaut werden. Die Folge: Es entsteht eine Spirale aus zunehmenden Schäden und höheren Kosten, die die Prämien stetig steigen lässt.

Wie können sich Haus­besitzer vor den finanziellen Folgen eines Hoch­wassers schützen?

Von Fürs­tenwerth: Versicherer können problemlos 99 Prozent aller Gebäude in Deutsch­land versichern, auch für das verbleibende Prozent ist mit Selbst­behalten oder baulichen Präventions­maßnahmen über­wiegend Versicherungs­schutz möglich. Aber es bleiben auch Häuser, die wirt­schaftlich nicht sinn­voll versicher­bar sind. In der höchsten Risikozone, die statistisch betrachtet alle zehn Jahre von Hoch­wasser betroffen ist, sind bundes­weit 26 Prozent der Wohn­gebäude gegen Elementarschäden versichert. In einigen Bundes­ländern ist diese Quote noch höher, wie in dem stark vom aktuellen Hoch­wasser betroffenen Sachsen. Hier ist mehr als jedes zweite Haus versichert.

Wie können Haus­eigentümer das Hoch­wasser­risiko mindern?

Von Fürs­tenwerth: Sie können bauliche Vorsorgen treffen. Der sicherste Schutz ist jedoch, nicht in hoch­wasser­gefähr­deten Gebieten zu bauen.

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