Kommt diesmal die Versicherungs­pflicht für Schäden durch Hoch­wasser, Starkregen und andere Naturgefahren?

Elementarschäden-Versicherung für Haus­besitzer Special

Die Grafik zeigt den Anteil der Gebäude mit Elementarschaden­versicherung. In den neuen Bundes­ländern haben viele Haus­besitzer noch eine alte DDR-Police für ihr Haus, die Über­schwemmungs­schäden auto­matisch abdeckt. Der Versicherer Allianz führt diese Altpolicen weiter. Quelle: GDV

Die Grafik zeigt den Anteil der Gebäude mit Elementarschaden­versicherung. In den neuen Bundes­ländern haben viele Haus­besitzer noch eine alte DDR-Police für ihr Haus, die Über­schwemmungs­schäden auto­matisch abdeckt. Der Versicherer Allianz führt diese Altpolicen weiter. Quelle: GDV

Kommt diesmal die Versicherungs­pflicht für Schäden durch Hoch­wasser, Starkregen und andere Naturgefahren?

Schäden im Gesamt­wert von mehr als 12 Milliarden Euro in Deutsch­land und in angrenzenden Ländern – das ist die vorläufige Bilanz des Hoch­wassers im Frühsommer. „Es ist möglich, dass es die bislang teuerste Natur­katastrophe in Deutsch­land war“, sagt Sprecher Michael Able vom Versicherungs­konzern Munich Re.

Bund und Länder haben 8 Milliarden Euro Flut­hilfe bereit­gestellt. Für fast 2 Milliarden Euro kommen nach einer ersten Rechnung die Elementarschaden­versicherer auf. Der Gesamt­verband der Deutschen Versicherungs­wirt­schaft (GDV) geht von 180 000 versicherten Schäden aus.

Eine Elementarschaden­versicherung ist eine Ergän­zung zur Wohn­gebäude­versicherung. Haus­besitzer können damit Schäden durch Naturgefahren wie Hoch­wasser vom Versicherer regulieren lassen. Allerdings sind in Deutsch­land 68 Prozent der Haus­besitzer nicht gegen Elementarschäden versichert. Während der Elbeflut im Jahr 2002 waren sogar noch 81 Prozent ohne Schutz.

Altes Modell wird neu diskutiert

Eine flächen­deckende Versicherungs­pflicht für jedes Haus fordert das Deutsche Institut für Wirt­schafts­forschung (DIW). Der Elementar­schutz soll neben Hoch­wasser, Starkregen, Erdbeben, Erdsenkung, Schnee­druck und Lawinen auch die Schäden durch Sturm­flut einschließen. Dieses Risiko können Haus­besitzer bisher nicht versichern.

Jeder Eigentümer müsste einen Versicherungs­beitrag zahlen und im Schadens­fall eine Selbst­beteiligung: Der Beitrag für ein typisches Eigenheim im Wert von 300 000 Euro in einer güns­tigen Risikozone kostet dann laut DIW etwa 153 Euro im Jahr. Im Schadens­fall müsste der Kunde zusätzlich 1 500 Euro zahlen. In der ungüns­tigsten Risikozone wären es jähr­lich 525 Euro und 15 000 Euro pro Schadens­fall.

Die Versicherungs­pflicht würde alle Haus­eigentümer treffen. Vermieter könnten die Versicherungs­beiträge über die Betriebs­kosten auf ihre Mieter umlegen.

Zurzeit müssen die Versicherer nicht jeden annehmen. Manche Eigentümer haben es schwer, den Elementar­schutz zu bekommen, weil ihr Haus in der höchsten Risikozone liegt oder weil sie Vorschäden hatten.

Eine Umfrage der Verbraucherzentrale Sachsen bei 40 Versicherern im Jahr 2010 zeigt, dass die Angebote oft unzu­reichend sind. Manche Versicherer machten kein Angebot oder klammerten den Über­schwemmungs­schutz aus. Laut Verband der Versicherer ist jedoch auch in der höchsten Risikozone Elementar­schutz möglich.

Das DIW-Modell der Pflicht­versicherung wurde bereits im Jahr 2002 intensiv diskutiert. Die Versicherer wollten allerdings nur mitmachen, wenn sie pro Jahr für maximal 8 Milliarden Euro aufkommen müssten. Mehr könnten sie über Rück­versicherer selbst nicht absichern. Danach sollte der Staat einspringen.

An der Staats­garantie und an Bedenken einiger Länder war die Idee gescheitert. Im November wollen die Finanz­minister von Bund und Ländern erneut diskutieren.

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