Elementarschäden Meldung

Wer hier wohnt, kann froh sein, wenn er gegen Flutschäden versichert ist. Manche Haus­besitzer bekommen gar keinen Versicherungs­schutz. (Hoch­wasser in Passau, Juni 2013)

Eine Pflicht­versicherung für Elementarschäden bei Gebäuden wird es auch in Zukunft nicht geben. Das haben die Justiz­minister der Länder entschieden. Für ehemalige Flut­opfer und viele andere Haus­besitzer ist das eine schlechte Nach­richt. In Gegenden, die häufig von Hoch­wasser betroffen sind, bleibt es nahezu unmöglich, eine bezahl­bare Police zu finden.

Gebäude­versicherungen sind unver­zicht­bar

Jeder Haus­besitzer sollte eine Wohn­gebäude­versicherung abschließen. Die Versicherungen springen ein, wenn Stürme, Brände oder Leitungs­wasser das Haus beschädigen oder sogar zerstören. In vielen Fällen haben Gebäude­versicherungen Eigentümer vor dem finanziellen Ruin bewahrt. Wohn­gebäude­versicherungen hat die Stiftung Warentest letzt­mals 2011 getestet. Wohngebäudeversicherung und Elementarversicherung: Schutz fürs Haus

Versicherer blocken beim Elementar­schutz

Doch längst nicht jeder Immobilien­besitzer, der sich zusätzlich auch gegen Elementarschäden wie Über­schwemmungen absichern möchte, kann das auch tun. Die Versicherungen haben Deutsch­land in vier sogenannte Risikozonen einge­teilt. Wer zum Beispiel in einem Gebiet ein Haus besitzt, das häufig von Hoch­wasser heimgesucht wird oder bereits einen Schaden hatte, hat es schwer, eine geeignete Police zu finden. In Hoch­risikozonen bieten Versicherer Elementar­schutz meistens nur nach individueller Prüfung an und dann nur zu einem sehr hohen Preis. Manche Haus­besitzer bekommen über­haupt kein Angebot. Neben Hoch­wasser gehören auch Starkregen, Schnee­druck, Lawinen, Erdrutsche und Erdbeben zu den Elementarschäden.

Tipp: Informationen über Risikozonen für Berlin, Nieder­sachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt bietet der Kompass Naturgefahren des Gesamt­verbands der Deutschen Versicherungs­wirt­schaft (GDV).

Verfassungs­recht­liche Bedenken

„Wir können eine Versicherung für Elementarschäden nicht vorschreiben. Verfassungs­recht­liche und europarecht­liche Bedenken stehen dagegen“, sagte Baden-Württem­bergs Justiz­minister Rainer Stickel­berger. Um die Opfer von Hoch­wasser und Über­schwemmungen in Zukunft besser zu schützen, hatte eine Arbeits­gruppe der Landes­justiz­minister zwei Jahre lang über die Einführung einer Pflicht­versicherung gegen Elementarschäden beraten. Die Einführung hätte auch die Versicherungen in die Verantwortung genommen. Sie wären gezwungen gewesen, bezahl­bare Policen auch für die Eigentümer in Hoch­risikozonen anzu­bieten. Letzte Woche fiel schließ­lich die Entscheidung gegen die Pflicht­versicherung.

Hoch­wasser­schutz ausbauen

Statt­dessen wurde beschlossen, dass Bund und Länder den Hoch­wasser­schutz ausbauen. Auch Bebauungs­pläne sollen drohende Naturgefahren stärker als bisher berück­sichtigen. Außerdem wollen die Politiker Versicherungen auf freiwil­liger Basis voran­bringen. Staatliche Hilfen für Flut­opfer soll es zukünftig nur noch geben, wenn sich die Besitzer zuvor um Versicherungs­schutz bemüht haben. Um über Naturgefahren wie Hoch­wasser und Starkregen aufzuklären, empfehlen die Politiker eine bundes­weite Informations­kampagne. Bürger sollen sich zudem auf einem noch aufzubauenden Internetportal über Gefahren, Schutz­maßnahmen und Versicherungs­möglich­keiten informieren können. Für Immobilien­besitzer in der Kölner Altstadt oder in der Elbgegend bleibt es nach wie vor beinahe unmöglich, einen geeigneten Versicherungs­schutz zu bekommen.

Mehr Natur­katastrophen

Unwetter und Natur­katastrophen haben in den letzten Jahren zugenommen. 2014 zahlten Versicherungen rund zwei Milliarden Euro für Schäden, die durch Natur­ereig­nisse wie Starkregen, Über­schwemmungen oder Schnee­last verursacht wurden. Noch weit­aus teurer für die Versicherer war das Hoch­wasser­jahr 2013: Sie mussten sechs Milliarden Euro an die Versicherten auszahlen.

Korrespondenz mit dem Versicherer aufbewahren

Immobilien­besitzer in Risikozonen sollten sich dringend um einen Versicherungs­schutz für Elementarschäden bemühen. Die gesamte Korrespondenz mit dem Versicherer muss sicher aufbewahrt werden – auch wenn der Versicherungs­schutz abge­lehnt wird. So bleibt nach einem Schaden wenigs­tens die Chance auf staatliche Unterstüt­zung.

Haft­pflicht­versicherungen für Haus­besitzer

Haus- und Grund­besitzer brauchen unbe­dingt eine Haft­pflicht­versicherung. Wer seine Immobilie allein nutzt, kommt mit der Privathaftpflicht aus. Wer vermietet, braucht darüber hinaus auch eine Haus- und Grund­besitzer-Haft­pflicht­versicherung. Die Stiftung Warentest hat aktuell 82 Policen von 51 Anbietern unter die Lupe genommen – und fest­gestellt: Guter Schutz für Haus und Grund ist günstig zu haben. Auch wenn der Öltank ausläuft oder die Rohre fürs Betanken kaputt gehen, haften oft die Grundstücks­besitzer. Der Schaden kann dann schnell in die Hundert­tausende gehen. Schutz bietet eine Gewässerschaden-Haft­pflicht­versicherung. Finanztest hat 35 Policen untersucht und fest­gestellt: Gute Angebote gibt es schon für 30 Euro im Jahr.

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