Elementarschaden­versicherung Kein Schutz für Zone 4

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Wer im Hoch­wasser-Risiko­gebiet wohnt, hat kaum eine Chance, sich gegen Elementarschäden zu versichern. Nur einer von 49 Wohn­gebäude­versicherern bot einem Mann aus Grimma in Sachsen Hoch­wasser­schutz fürs Haus. 18 Versicherer antworteten gar nicht. test.de schildert den Fall.

Immobilie neu bewertet

Elementarschaden­versicherung - Kein Schutz für Zone 4
Das Haus von Hartmut Schmidt wurde vom Hoch­wasser beschädigt wurde. Mit seiner „Interessen­ge­mein­schaft Flut­opfer 2013“ setzt er sich für eine Versicherungs­pflicht ein.

Hartmut Schmidt aus Grimma beschäftigt sich seit Jahren zwangs­läufig mit Hoch­wasser. Sein Grund­stück liegt in Fluss­nähe in der höchsten Gefähr­dungs­klasse, der Zone 4 im Zonierungs­system der Versicherer für Über­schwemmung, Rück­stau und Stark­regen (Zürs). Versicherer kalkulieren hier mit einem Hoch­wasser alle zehn Jahre. Im Jahr 2009 stand Schmidt plötzlich ohne Hoch­wasser­schutz da, nachdem sein Versicherer Gothaer ihm den Elementarschaden­schutz gekündigt hatte. Grund: Nach Einführung der Zürs-Zonen ergebe sich eine neue Bewertung für die Immobilie. Schmidt suchte mit zwei Maklerbüros lange erfolg­los einen Versicherer, schließ­lich fand er im August 2013 Schutz bei der Allianz.

Nur drei Versicherer machen ein konkretes Angebot

Im Herbst 2013 fragte die Verbraucherzentrale (VZ) Sachsen bei Schmidt nach, ob er Interesse habe, für sie Gebäude­versicherer anzu­schreiben, um zu testen, wie viele ihm Hoch­wasser­schutz anbieten. „Mit Hilfe der VZ habe ich 49 Gesell­schaften kontaktiert“, sagt Schmidt. Das Ergebnis war ernüchternd. Nur die VHV Allgemeine Versicherung AG machte ein konkretes Angebot inklusive Hoch­wasser­schutz. Zwei Versicherer boten Gebäude­schutz an, jedoch ohne oder nur mit einge­schränktem Hoch­wasser­schutz. 16 Versicherer lehnten ab, 18 antworteten gar nicht. Die anderen machten kein konkretes Angebot.

Hoch­wasser­schutz für knapp 1500 Euro im Jahr

Anfang Dezember 2013 kündigte die Allianz Schmidt. Er habe unwahre Angaben zur Nutzung des Gebäudes gemacht. Schmidt legte Wider­spruch ein: „Ein Vertreter der Allianz hat das Haus besichtigt.“ Inzwischen hat Schmidt ein Angebot von der Debeka einge­holt, die nach der Umfrage der VZ-Sachsen Versicherungs­schutz nach Einzel­fall­prüfung anbot. Schmidt, der sich mitt­lerweile in einer Interessengemeinschaft für eine Versicherungs­pflicht einsetzt, kann sein Haus für rund 1 495 Euro im Jahr inklusive Hoch­wasser­schutz versichern. Die Entschädigung erfolgt zum Zeit­wert – maximal 50 000 Euro, bei einer Selbst­beteiligung im Schadens­fall von 5 000 Euro: „Ich hoffe, der Vertrags­schluss klappt.“

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Linse-Berlin am 25.02.2014 um 13:21 Uhr
Nicht nur Pervers

Der Wunsch, Schäden durch Hochwasser zu sozialisieren ist schlicht asozial. Es gibt Gegenden in Deutschland, da steht das Wasser den Mitbürgern mindestens 2mal im Jahr bis zum Hals. Diese Bürger treffen geeignete Abwehrmaßnahmen, da Sie gelernt haben mit diesem Umstand zu leben. Sich in die Ecke zu setzen, nach dem Staat zu rufen und zu jammern ist keine Lösung.

Gelöschter Nutzer am 25.02.2014 um 11:29 Uhr
Pervers

Offenbar hat Herr Schmidt nicht verstanden, was eine Versicherung ist. Wer direkt am Fluss baut bzw. wohnt oder eben in Kategorie 4 eingeteilt ist. bei dem ist das Risiko, Opfer von Hochwasser zu werden, nun einmal so hoch, dass er nicht mehr oder nur noch zu horrenden Preisen versichert werden kann. Wer in Flussnähe baut oder kauft, macht dies freiwillig und genießt dafür die Vorteile, die eine solche Lage mit sich bringt. Gleichzeitig muss er dann aber auch die hohen Risiken tragen. Diese auf die Allgemeinheit abwälzen zu wollen (Versicherungspflicht), halte ich für hochgradig pervers.