Elektrorasierer Test

Testsieger Braun kostet 350 Euro und glänzt mit einer vollautomatischen Reinigungsstation. Doch auch für deutlich unter 100 Euro gibt es „gute“ Rasierapparate.

Die Anfänge des Rasierapparats waren geprägt von einem tiefen Missverständnis. Die ersten Geräte, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts an den Mann gebracht wurden, erinnerten fatal an Handrasenmäher im Kleinformat: Mit Rasiermessern gespickte Kurbelwellen, die sich, von einer Feder angetrieben, in einem geschlitzten Metallgehäuse drehten – mal ehrlich, wer hält sich so etwas an die Kehle? Erst 1929 näherte sich der Amerikaner Jacob Schick dem sensiblen Terrain mit mehr Zurückhaltung – und setzte gleich Maßstäbe: Sein Elektrorasierer mit vibrierendem Klingenblock ist im Prinzip bis heute unverändert. Allein dem Belgier Alexandre Horowitz gelang ein ähnlich großer Wurf, als er 1939 den rotierenden Scherkopf – und damit das bislang einzige Konkurrenzsystem – entwickelte.

Etwas mehr als zwei Millionen Elektrorasierer gehen in Deutschland jedes Jahr über den Ladentisch. Wir haben für den Test 18 Modelle zwischen 40 und 350 Euro ausgesucht, darunter drei Apparate mit Reinigungsstation, deren Funktion wir ebenfalls getestet haben.

Die Ergebnisse sind erfreulich: Wer heute einen Elektrorasierer kaufen will, hat eine große Auswahl an insgesamt „guten“ Geräten – auch unterhalb der 100-Euro-Marke (siehe Tabelle).

Zwei rasieren gründlicher als andere

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Bei der eigentlichen Rasiererprüfung schnitten sogar zwei Geräte mit „sehr gut“ ab. Testsieger Braun Series 7-790cc schaffte das „Sehr gut“ dabei als Einziger sowohl beim Normal- als auch beim Dreitagebart. Die recht starken Vibrationen waren allerdings nicht jedermanns Sache. Auch das hochfrequente Geräusch des Panasonic Pro-Curve ES 8186 s, dem zweiten Gerät mit „sehr gutem“ Rasierergebnis, empfanden manche Tester als unangenehm. Hier ist es ratsam, sich vor dem Kauf ein eigenes Urteil zu bilden. Was die Gründlichkeit der Rasur angeht, sind diese beiden aber erste Wahl.

Am sanftesten zur Haut ist neben dem Testsieger von Braun der Philips Cool Skin mit integriertem Emulsionsspender: Während des Rasierens kann der Cool Skin – übrigens auch beim Rasieren einer der besten – eine Lotion auf die Haut auftragen, was ein wenig Nassrasur-Gefühl aufkommen lässt. Solche Grenzgänger liegen im Trend: Fünf Geräte im Test können sowohl am trockenen als auch am eingeschäumten Kinn rasieren. Manche Anbieter geben ihre Apparate sogar für die Dusche frei. Dabei ist es gut zu wissen, dass die meisten Elektrorasierer auch mal herunterfallen können, ohne gleich kaputtzugehen, wie der Stabilitätstest zeigt.

7 bis 24 Rasuren mit einer Ladung

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Alle Geräte sind akkubetrieben. Meist speichern sie den Strom in einem modernen Nickel-Metallhydrid-(NiMH-) oder Lithium-Ionen-Akku. Nur im Braun Smart Control 3 steckte noch ein veralteter NiCd-Akku, der giftiges Kadmium enthält. Das haben wir abgewertet. Mittlerweile wird aber auch dieses Gerät laut Braun nur noch mit einem NiMH-Akku angeboten. Die Akkuleistung der Rasierer ist indes sehr unterschiedlich: Während der beste 24 Rasuren mit einer Ladung schaffte, waren es bei den schlechtesten gerade mal 7.

Neben guter Akkuleistung zeichnen sich die besten Geräte auch durch eine gute Handhabung aus: Sie liegen oft besser in der Hand als andere, der Scherkopf passt sich den Gesichtskonturen besser an und selbst schwierige Stellen, zum Beispiel unter der Nase, sind problemlos zu erreichen. Allein beim Langhaarschneider zeigte fast jeder Schwächen. Am häufigsten monierten die Tester die schlechte Sicht auf den Rasierprozess: Beim Stutzen von Bartkonturen müssen die Geräte oft so gehalten werden, dass der Trimmer im Spiegel nicht zu sehen ist. Gut sind hier nur einige Braun-Geräte, wobei aber ausgerechnet der Testsieger nicht dabei ist.

Drei Rasierer mit Reinigungsstation

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Die Reinigungsstationen von Panasonic, Philips und Braun dienen zugleich als Ladestationen. Im Innern spülen sie die Scherköpfe mit einer speziellen Reinigungsflüssigkeit. Das funktioniert zwar gut, die tägliche Reinigung geht aber ordentlich ins Geld.

Die Reinigungsstationen von Panasonic, Philips und Braun dienen zugleich als Ladestationen. Im Innern spülen sie die Scherköpfe mit einer speziellen Reinigungsflüssigkeit. Das funktioniert zwar gut, die tägliche Reinigung geht aber ordentlich ins Geld.

Bei drei Rasierern – Braun Series 7-790cc, Philips arcitec RQ 1095 und Panasonic Pro Curve 8186 s – haben wir die im Paket angebotene Reinigungsstation getestet (siehe Fotos). Zum Reinigen werden die Rasierapparate kopfüber in eine Kartusche gesteckt, in der sie mit einer Reinigungsflüssigkeit gespült und anschließend getrocknet werden. Bei Braun wird zusätzlich mit Alkohol desinfiziert. Alle drei Stationen arbeiten gut, die Scherköpfe werden gründlich gesäubert und zugleich geölt. Der Braun ist dabei allerdings ziemlich laut. Dafür ist er der schnellste: Die Vollwäsche dauert hier je nach Programm zwischen einer halben und dreiviertel Stunde, eine Schnellreinigung ist bereits in 25 Sekunden erledigt. Der Philips dagegen benötigt für die Prozedur rund zwei Stunden, der Panasonic sogar drei.

Schneller geht es in jedem Fall per Hand. Bis auf den Philips 6600 Series HQ 6695 lassen sich alle Geräte unterm Wasserhahn säubern. Das funktioniert auch meist ganz gut. Die Reinigungsstationen punkten daher in erster Linie in Sachen Bequemlichkeit, was aber seinen Preis hat: 350 Euro bei Braun und Philips, 150 Euro bei Panasonic. Hinzu kommen laufende Kosten für das Reinigungsmittel. Wer sich täglich rasiert und das Gerät danach in der Station spülen lässt, kommt bei Braun im Jahr auf knapp 70 Euro, bei Philips auf rund 85 Euro und bei Panasonic sind sogar bis zu 145 Euro im Jahr fällig. So viel kostet auch ein neuer Rasierapparat.

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