Ab November wird der Personal­aus­weis elektro­nisch. Er hat dann das Format einer Kredit­karte und ist damit nur noch halb so groß wie bisher. Ein Chip mit persönlichen Daten ergänzt die aufgedruckten Informationen. Der neue Ausweis soll das digitale Leben leichter machen. Doch ist das elektronische Personal­dokument sicher? Finanztest beant­wortet die wichtigsten Fragen.

Die Kosten

Der neue Ausweis kostet 28,80 Euro und ist zehn Jahre lang gültig. Jugend­liche von 16 bis 24 Jahre bekommen ihn für sechs Jahre und zahlen 22,80 Euro. Für den Antrag ist ein Foto nötig, das die schon bisher gültigen Voraus­setzungen erfüllt Das richtige Ausweisbild.

Welche Vorteile bringt mir der neue Personal­ausweis?

Der Ausweis soll das Einkaufen im Internet sicherer und einfacher machen und er soll die rechts­verbindliche elektronische Kommunikation mit Behörden und Firmen ermöglichen. So sollen Sie zum Beispiel online auch Verträge abschließen können.

Doch das alles wird wohl noch etwas dauern, denn die Behörden und Firmen müssen erst in einem amtlichen Prüf­verfahren ein Zertifikat vom Bundes­verwaltungs­amt erwerben, bevor sie Ausweis­daten entgegen­nehmen dürfen. Sie müssen nach­weisen, dass sie die Daten in ihrem Betrieb schützen und dass sie keine verbotenen Geschäfte betreiben. Mitte September lagen beim Bundes­verwaltungs­amt erst 20 Anträge auf ein solches Zertifikat vor.

Sie selbst brauchen den „elektronischen Identifikations­nach­weis“ auf Ihrem Ausweis, wenn Sie damit bei einem Onlinehändler Ihre Identität beweisen wollen. Er ist kostenlos frei­geschaltet, falls Sie ihn nicht beim Abholen Ihres Ausweises abschalten lassen. Lassen Sie die Funk­tion erst später frei­schalten, zahlen Sie 6 Euro dafür.

Wollen Sie künftig auch online Verträge unterzeichnen oder sich Behördengänge ersparen, brauchen Sie zusätzlich zum elektronischen Identifikations­nach­weis eine „qualifizierte elektronische Signatur“. Damit könnten Sie beispiels­weise Ihr Auto am heimischen Rechner ummelden. Die Signatur kann das persönliche Erscheinen ersetzen, aber auch das Postident-Verfahren , bei dem Sie sich bisher für Geschäfte aus der Ferne in einer Post­filiale ausweisen müssen.

Auch die elektronische Unter­schrift mit dem neuen Personal­ausweis ist allerdings bisher reine Theorie. Die qualifizierte elektronische Signatur sollen Sie zwar über besondere Dienst­leister bekommen können und es gibt bereits Firmen, die sie anbieten. Doch keine konnte Finanztest erklären, was die Signatur für den neuen Ausweis kosten soll und wie lange sie gültig sein wird.

Welche Daten sind auf dem neuen Personal­ausweis gespeichert?

Der neue Ausweis enthält den Vornamen und Familien­namen, Geburts­tag, Geburts­ort, Anschrift, Körpergröße und Augen­farbe. Neu ist, dass auch ein Ordens- oder Künst­lername vermerkt werden kann. Die Angaben werden auch auf dem Chip im Ausweiskärt­chen gespeichert, gemein­sam mit einer digitalen Version Ihres Fotos.

Wenn Sie wollen, können Sie zusätzlich Ihre Finger­abdrücke speichern lassen. Das macht es Polizei und Zoll bei Kontrollen leichter, den Miss­brauch von gestohlenen oder verlorenen Ausweisen aufzudecken.

Wie funk­tioniert die elektronische Identifikation im Internet?

Um die Identifikations­funk­tion im Internet nutzen zu können, benötigen Sie ein Lesegerät, mit dem Sie die Daten vom Ausweis auf Ihren Rechner laden. Mit einer Geheim­nummer, die Sie per Post bekommen, können Sie die Daten auf dem Rechner aufrufen und per Mausklick in einem Eingabefeld bestimmen, welche Informationen an einen Geschäfts­partner im Internet geschickt werden und welche nicht.

Wo bekomme ich ein Lesegerät, um die Ausweis­daten zu nutzen?

In den kommenden Wochen werden mehr als eine Million Basislesegeräte kostenlos verteilt. Sie sehen aus wie eine große Kreditkartenhülle und werden beispiels­weise Computer­zeit­schriften beiliegen. Wenn Sie ein Basisgerät im Handel kaufen wollen, müssen Sie etwa 30 Euro bezahlen.

Möglicher­weise ist es aber sinn­voll, mehr Geld in ein Lesegerät mit höherem Sicher­heits­stan­dard zu investieren. Daten­schützer warnen, dass der Einsatz der Basislesegeräten Risiken birgt. Wenn Sie so ein Gerät nutzen, müssen Sie die Geheim­nummer über die Tastatur Ihres Rechners eingeben. Sollte Ihr Rechner mit einem Schad­programm infiziert sein, könnten Dritte die einge­gebenen Ziffern mitlesen.

Bei teureren Geräten, den Stan­dard- oder Komfortlesegeräten, ist diese Gefahr geringer. Denn darauf gibt es ein eigenes Zahlen­feld, über das Sie die Geheim­nummer eintippen. Diese Geräte kosten allerdings zwischen 60 und 150 Euro.

Sind meine Daten auf dem neuen Ausweis wirk­lich sicher?

Das Bundes­innen­ministerium sagt „ja“. Die Daten könnten nur von Behörden wie der Polizei, dem Zoll oder Melde­stellen ohne Zutun des Ausweis­inhabers ausgelesen werden. Thilo Weichert, Daten­schutz­beauftragter von Schleswig-Holstein, hält dagegen, dass der Chip im Ausweis per Funk ausgelesen werden könne. Er rät, den Ausweis in einer Aluminiumhülle zu verwahren.

Wenn Sie den elektronischen Identifikations­nach­weis akti­viert haben, sollten Sie auf jeden Fall darauf achten, dass Ihr Ausweis und Ihre Geheim­nummer nicht in fremde Hände gelangen. Falls Sie ein Basislesegerät ohne eigene Tastatur verwenden, sollten Sie außerdem sicher­stellen, dass Ihr Computer frei von Schad­programmen ist. So mindern Sie die Gefahr, dass Kriminelle mit Ihren Ausweis­daten im Netz unter falscher Identität auftreten und Schaden anrichten.

Eines sollten Sie außerdem im Hinterkopf behalten: Auch wenn Unternehmen ein Berechtigungs­zertifikat erwerben müssen, um mit Ihnen Online­geschäfte abwi­ckeln zu können – eine Garantie, dass diese Unternehmen mit Ihren Daten wirk­lich korrekt umgehen, haben Sie nie.

Was muss ich tun, wenn mir der Personal­ausweis geklaut wird?

Wenden Sie sich schnell an Ihr Bürger­amt. Wenn der Identifikations­nach­weis auf Ihrem Ausweis frei­geschaltet ist, sollten Sie außerdem die kosten­pflichtige Sperr-Hotline (Tel. 0 180 1/33 33 33, 3,9 Cent/Min.) anrufen. Abge­fragt werden Name, Geburts­datum und Sperr­kenn­wort. Das bekommen Ausweis­inhaber zuge­schickt, wenn sie die Identifikations­funk­tion nutzen wollen.

Haben Sie Ihren Ausweis mit der elektronischen Signatur ausgestattet, müssen Sie diese auch noch sperren lassen. Zuständig dafür ist die Firma, bei der Sie die Signatur erworben haben.

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