Elektronischer Brief Meldung

Vertrauliche und rechtsverbindliche Kommunika­tion per E-Mail – gelingen soll sie mit dem e-Post-Brief der Deutschen Post. Noch funktioniert der neue Dienst aber nicht einwandfrei und mit 55 Cent ist ein e-Post-Brief auch nicht gerade billig. Möglicherweise ändert sich das, wenn im kommenden Jahr mit De-Mail ein weiterer neuartiger Dienst seine Arbeit aufnimmt und die Konkurrenz dann die Preise drückt.

Eine E-Mail ist bequem und schnell. Doch Fremde können sie leicht abfangen und lesen. Empfängern bietet sie keine Gewähr, dass sie wirklich von dem stammt, der in der Absenderzeile steht. Denn diese lässt sich leicht fälschen. Und der Absender einer E-Mail kann im Streitfall kaum beweisen, ob und wann sie angekommen ist.

Die Bundesregierung will E-Mails deshalb verbindlich und vertraulich machen. Sie arbeitet am Bürgerportalgesetz, das noch 2010 in Kraft treten und Grundlage für den neuartigen Maildienst De-Mail werden soll.

Über De-Mail sollen Bürger, Behörden und Firmen ohne Furcht vor Datendieben miteinander kommunizieren können und dabei stets wissen, mit wem sie das tun. Die Versender sollen einen Zugangsnachweis bekommen, wie es ihn derzeit nur für ein Einschreiben gibt.

Der Staat schafft den Rechtsrahmen für De-Mail. Das System selbst werden private Firmen auf die Beine stellen. GMX, web.de und die Deutsche Telekom werden zum Beispiel dabei sein. Bei diesen Unternehmen kann man sich bereits E-Mail-Adressen für die De-Mail-Nutzung reservieren lassen.

E-Post-Brief noch nicht ausgereift

Was der Versand einer E-Mail im neuen System kosten wird, entscheiden die beteiligten Firmen. Ganz sicher aber wird es günstiger werden als bei der Deutschen Post, die bereits ein ähnliches System in Betrieb genommen hat, den E-Postbrief. Hier kostet der Versand einer E-Mail 55 Cent, genauso viel wie ein einfacher Brief.

Ist der Empfänger auch bei dem Dienst angemeldet, geht die Mail in sein elektronisches Postfach. Ist er nicht dabei, druckt die Post die E-Mail aus und lässt sie vom Postboten zustellen.

Leider hat der E-Postbrief Schwächen. Unsere Onlineredaktion hat ihn unter die Lupe genommen und meint: „Nicht ausgereift.“ So ist zum Beispiel unklar, ob Absender eines E-Postbriefs im Streitfall auch ein Gericht überzeugen können, dass ihr Schreiben wirklich beim Empfänger zu einem bestimmten Zeitpunkt eingegangen ist.

Auch die Handhabung kann noch besser werden. Die Anmeldung und Freischaltung dauerte im Test mal sechs Tage, mal dreieinhalb Wochen. Zudem klappte es nicht reibungslos, Dokumente im PDF-Format so an einen E-Postbrief zu hängen, dass alles gut zu lesen ist.

Vorsicht vor Geschäftemachern

Auch De-Mail ist bereits vor dem Start in die Diskussion geraten. Der deutsche Anwaltverein befürchtet, dass Bürger wichtige Behördenschreiben übersehen könnten, wenn diese per De-Mail kommen.

Kritiker fragen außerdem, was geschieht, wenn ein amtlicher Bescheid tatsächlich mal nicht ankommt. Muss dann der Bürger beweisen, dass er nichts erhalten und deshalb nicht fristgerecht reagiert hat? Falls er das muss: Wie soll er das anstellen?

Schon treten auch die ersten Geschäftemacher auf den Plan. Die Ulmer Firma ediPost GmbH wirbt dafür, dass sich Privatleute bei ihr für 19 Euro anmelden und sich eine E-Mail-Adresse für De-Mail reservieren lassen. Im Gegenzug könnten sie später bis zu 1 000 Euro im Jahr verdienen – ohne etwas dafür zu tun.

Kommen soll das Geld von Firmen, die sich ebenfalls über ediPost für De-Mail anmelden und dann für die Nutzung des Dienstes teuer bezahlen müssen. Noch steht aber gar nicht fest, ob ediPost bei De-Mail als Provider mitmachen darf. Die dafür nötige Zertifizierung vom zuständigen Bundesamt hat ediPost noch nicht.

Dafür hat die Firma aber schon eine Abmahnung vom Innenministerium bekommen, weil sie in Werbeschreiben verbotenerweise den Bundesadler verwendet und sich damit einen amtlichen Anstrich gegeben hat. EdiPost muss nun auf den Adler verzichten, spricht in Pressemitteilungen aber frech von einer „Einigung mit dem Ministerium“.

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