Nicht jeder kann oder will über Glut rösten. Auch Elektrogrills liefern leckere Steaks: oft schnell und raucharm. Zwei Geräte aber sind mangelhaft.

Schmatzend schließt der Drache sein Maul. Gerade hat er drei dicke, rohe Steaks verschlungen. Dampf steigt auf, Bratensaft tropft ihm von den Lippen. Sein Auge glüht erst gelb, dann orange und schließ­lich rot. Nach sechs Minuten endet der Spuk. Das Maul öffnet sich und speit perfekt gegarte Steaks mit gleich­mäßigem Röst­muster aus. Das ist der Abdruck des Kontakt­grills Optigrill von Tefal. Das Besondere: Er bietet sechs Auto­matik­programme von Fisch über Geflügel bis Steaks. Er misst die Dicke des Fleisches und passt die Grill­dauer und -temperatur jeweils an. Sein LED-Auge signalisiert den Garzustand von blutig über medium bis durch. Das funk­tioniert tatsäch­lich. So bekommt jeder sein Wunsch­steak.

Besser als ihr Ruf

Tefal heißt der Grill­meister des Tests. Sein Optigrill gewinnt. Lecker brutzeln aber auch andere: 8 der 16 Geräte schneiden gut ab. Das wider­spricht dem gepflegten Vorurteil vieler Grill­fans, die feuerlose Bratroste als lau, mick­rig und unromantisch belächeln. Der Test zeigt: Etliche Elektrogrills entwickeln viel Hitze, um eine aromatische Kruste zu erzeugen. Sie verbreiten kaum Rauch, was empfindliche Nach­barn beruhigt. Und einige garen sehr schnell. Teil­weise vergehen vom Einschalten bis zum Servieren des Steaks nur 7 bis 15 Minuten. Die Werbung könnte lauten: Während in Villabajo noch die Holz­kohle vorglüht, beißt Villarriba schon in Fleisch vom Elektrogrill.

Der Test vergleicht Flächengrills, bei denen die Hitze nur von unten kommt, und Kontakt­grills, die gleich­zeitig von oben und unten heizen. Recht neu sind Flächengrills mit Glas­deckel. Zuge­deckt sparen sie Energie und Zeit. Doch zwei dieser Modelle – Philips und Severin – servierten bei der Sicher­heits­prüfung Glas­splitter statt Steak. Dazu später mehr.

Temperatur von 70 bis 330 Grad

Elektrogrills Test

Blass. Mit 135 Grad gart Gourmet Maxx zwar die Würste, außen bleiben sie hell.
Rundum. Mit 330 Grad bräunt Weber kräftig, manche Würste platzen.

Die meisten Elektrogrills kommen schnell auf Touren. Lämp­chen signalisieren, wann sie einsatz­bereit sind. Der sogenannte Turbogrill von Gourmet Maxx meldet schon nach gut einer Minute Betriebs­bereitschaft. Zu diesem Zeit­punkt herr­schen auf den Grill­platten laue 70 Grad Celsius. Tatsäch­lich braucht der Gourmet Maxx länger, um seine maximale Temperatur von gerade 135 Grad zu erreichen – zum scharfen Angrillen zu wenig. Fleisch und Würste garen zwar durch, bleiben außen aber blass.

Ganz anders der Flächengrill Q1400 von Weber: Seine Heizwendel hängt mehrere Zenti­meter unter dem Rost. Folg­lich braucht er mehr Energie, um Wärme zu über­tragen. Er heizt fast 29 Minuten auf – ähnlich lange wie viele Holz­kohlegrills. Nach dieser Zeit herr­schen beacht­liche 330 Grad Celsius auf dem Rost. Steaks bekommen ein gleich­mäßiges Grill­muster, Würste bräunen kräftig von allen Seiten.

Tipp: Am Anfang brauchen Steaks hohe Temperaturen, um eine Kruste zu erzeugen. Anschließend grillen sie bei mitt­lerer Hitze bis zum gewünschten Garpunkt. Rind gilt ab 75 Grad Kern­temperatur als durch­gegart. Medium schwankt von 55 bis 75 Grad – abhängig von Dicke und Struktur.

Steaks garen für 4 Cent

Elektrogrills Test

Ungleich. Toast zeigt heiße und weniger heiße Stellen auf Severins Flächengrill.
Mustergültig. Der Philips-Kontakt­grill ist über­all heiß, zeichnet schöne Muster.

Am Grad der Bräunung scheiden sich die Geister. Der eine möchte es rundum braun, der andere bevor­zugt dezente Blässe. Wir haben einen objektiven Richt­wert angelegt: Steaks blieben so lange auf dem Rost, bis ihre Kern­temperatur 85 Grad Celsius erreichte, Würste 80 Grad.

Unter diesen Bedingungen garten Kontakt­grills 2,5 Zenti­meter dicke Steaks in drei bis neun Minuten durch. Die nur von unten feuernden Flächengrills brauchten für diese Aufgabe zwischen 17 und 22 Minuten.

Dicke Bratwürste gelangen ganz unterschiedlich: Während sie auf dem Beem Pro Multi Grill schon nach 5 Minuten die gewünschte Kern­temperatur erreichten, brieten sie im Tefal Optigrill satte 40 Minuten. Die Beem-Würste kamen recht hell vom Grill, während sie auf dem Tefal gleich­mäßig rund­herum bräunten.

Fast immer garen Elektrogrills preis­werter als ihre Gas- und Holz­kohle-Brüder. Für eine Ladung Fleisch ziehen sie Strom für 4 bis 16 Cent. Nur der Weber-Flächengrill mit seiner langen Aufheiz­zeit verbraucht 1,8 Kilowatt­stunden. Das entspricht 52 Cent Strom­kosten – güns­tige Holz­kohle kostet ähnlich viel.

Splitter statt Steak

Wie alle elektrischen Haus­halts­geräte müssen auch Elektrogrills Sicher­heits­normen erfüllen. In der allgemeinen Sicher­heits­norm für elektrische Haus­halts­geräte DIN EN 60335–1 steht: „Geräte müssen so gebaut sein, dass sie im sachgemäßen Gebrauch sicher arbeiten, sodass sie keine Gefahr für den Benutzer oder die Umge­bung verursachen, auch nicht in Fällen sorgloser Benut­zung, wie sie im sachgemäßen Gebrauch vorkommen kann.“

Um das zu prüfen, haben wir die Grills gemäß Norm so lange mit voller Leistung und kurz­geschlossenem Thermostat beheizt, bis die zusätzliche einge­baute Temperatursicherung ansprang. Die meisten Geräte über­standen das schadlos.

Doch bei den Flächengrills von Philips und Severin zersprangen die Glas­deckel bereits nach sechs bis sieben Minuten. Heiße Glas­splitter flogen durch den Raum und auf die Grill­platte. Die Griffe landeten neben dem Grill. Rauch stieg auf, stechender Geruch verbreitete sich.

Im praktischen Betrieb zuhause wird sich das nicht so schnell wieder­holen. Ist jedoch der Temperaturregler defekt, grillen auch Verbraucher gefähr­lich. Dafür reicht es, den Grill wie vom Anbieter empfohlen mit geschlossener Glasscheibe und maximaler Regler­einstellung aufzuheizen, etwas in der Küche vorzubereiten, ein kurzes Telefonat zu führen. In der Zwischen­zeit heizt der Grill unge­regelt weiter hoch, sodass die Glasscheibe platzt und Splitter umherfliegen.

Die einge­baute Temperatursicherung reagierte zu spät: bei Philips nach zehn Minuten, bei Severin sogar erst nach 25 Minuten. Für beide lautet das test-Qualitäts­urteil mangelhaft.

Holz­chips rauchen und stinken

Für über­zeugte Holz­kohlegriller bietet der zersprungene Philips-Tisch­grill eine Besonderheit. In die Grill­fläche ist ein Schälchen für Holz­chips einge­lassen. Der Anbieter wirbt: „Für den Genuss des rauchigen Grill­geschmacks zuhause.“ Wir haben es im Labor ausprobiert und die mitgelieferten Holz­chips in das Schälchen gefüllt. Ergebnis: Die Chips verräucherten trotz des geschlossenen Deckels den ganzen Raum. Kleidung und Haare stanken. Auf dem Fleisch aber stellten die Tester kein zusätzliches Raucharoma fest.

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