E-Bikes: Das Risiko fährt beim Pedelec mit

Rahmenbruch, Brems­versagen, Funk­störungen: Teure Räder für deutlich mehr als 2 000 Euro machten im Test schlapp. Gleich 9 der 16 geprüften Modelle fielen durch – mangelhaft. Die schlimmsten Mängel: Zweimal brach der Rahmen, dreimal der Lenker und dreimal versagten die Bremsen. Vier Modelle spielten sich als Störsender auf. Zwei davon können Funk von Polizei, Feuerwehr oder Krankenwagen stören.*)

Zu diesem Thema hat test.de einen aktuel­leren Test Elektrofahrräder.

[Update: 04.03.2015]: Bosch­getriebe mit Problemen

Bei den Pedelec-Antrieben der ersten Generation (Classic+ Line) von Bosch können gravierende Probleme auftreten, wie der Hersteller einräumt. Während der Fahrt kann der Tritt aufs Pedal ins Leere gehen. Wie Bosch in einem Info-Blatt für Fachhändler bestätigt, rutscht der Antrieb dann durch, als wäre die Kette gerissen. In einer „Service­aktion“ tauscht Bosch defekte Antriebe aus – aber erst, wenn die Störung bereits aufgetreten ist. Besser wäre ein vorsorglicher Rück­ruf, bei dem der Antrieb im Fach­betrieb kontrolliert und vorsorglich ausgetauscht wird. Der Defekt kann nämlich zu gefähr­lichen Stürzen oder Kollisionen führen. test.de rät Nutzern von Fahr­rädern mit dem Classic+ Line-Antrieb auf Geräusche zu achten. Knackt der Antrieb, sollte das Pedelec umge­hend zum Fahr­radhändler gebracht werden – erst recht, wenn der Antrieb „ruckelt“. Folgende Räder aus dem vorliegenden E-Bike-Test haben einen Antrieb der ersten Generation: Giant Twist Elegance C1 28, Kreidler Vitality Elite VE 3, KTM Macina Eight, Pegasus Premio E8, Sinus B3- 8-G Nexus und Stevens E-Courier SX. Wo sich die nächste Vertretung für Bosch-angetriebene Pedelecs befindet, erfahren Sie unter der E-Mail-Adresse contact@bosch-ebike.com. Die Pedelecs mit Bosch-Antrieb aus dem E-Bike-Test vom Juli 2014 besitzen bereits den Antrieb der zweiten Generation, bei dem laut Anbieter dieser Fehler nicht auftritt. [Update Ende]

Brüche an verschiedenen Stellen

Der Rahmenbruch kommt plötzlich. Wenn wie beim 2 690 Euro teuren Flyer C5X Deluxe das sogenannte Ausfall-Ende bricht, sackt das Hinterrad seitlich weg und blockiert. Das passierte im Test schon nach wenigen tausend Kilo­metern Dauer­test, bei dem die Prüfer im Labor 20 000 Kilo­meter Fahrt simulieren. Der Rahmen des Leviatec Demission brach an einer anderen Stelle. Am Rahmen vorne, wo die Vorderradgabel befestigt wird. Bei Rädern mit tiefem Durch­stieg, wie hier im Test, nimmt ein einziges Rahmenrohr alle Belastungen auf. Neuralgische Punkte verstärken die Hersteller zwar mit Blechen und zusätzlichen Rohren. Beim Leviatec ist jedoch ausgerechnet an einer stark belasteten Stelle ein Kabelloch. Und genau dort brach der Rahmen im Test. Noch schlimmer: Bei drei weiteren Rädern brach der Lenker – und das ist richtig gefähr­lich. Wer einen Lenkerbruch während der Fahrt unver­letzt über­steht, kann sich als Artist beim Zirkus bewerben.

Nur zwei sind gut und drei befriedigend

Der Test zeigt: Nur wenige Räder sind empfehlens­wert. Lediglich zwei Modelle sind gut und drei erreichten zumindest die Note befriedigend. Und nicht nur die Bruchgefahr sorgte für schlechte Noten. Manche Räder sind beim Fahren mit Gepäck instabil oder haben einen Akku, der ewig lang geladen werden muss.

Nach­prüfungen bei allen schlechten Noten

Bei Tests, die zu einem schlechten Qualitäts­urteil führen, prüft die Stiftung Warentest zweimal. Da heißt es dann: Weitere Räder kaufen und noch einmal testen. So haben die Test­ingenieure alle Lenker- und Rahmenbrüche an weiteren Rädern bestätigt. Dabei sind die Prüfungen nicht einmal sonderlich hart. Es finden sogenannte Betriebs­lasten­nach­fahr­versuche statt. Hinter dem sper­rigen Begriff verbirgt sich eine praxis­nahe Unter­suchung: Die Fahr­räder müssen Belastungen aushalten, die im Alltag tatsäch­lich auftreten. Fachleute nennen das Betriebs­lasten. Im Zeitraffer fahren die Räder 20 000 Kilo­meter. Bei einer angenom­menen Lebens­dauer eines Fahr­rads von fünf Jahren entspricht diese Strecke durch­schnitt­lich 11 Kilo­meter pro Tag.

Bremsen zu schwach – mangelhaft

Die Bremsen werden abhängig vom zulässigen Gesamt­gewicht geprüft. Wenn ein Rad einschließ­lich Fahrer und Gepäck laut Anbieter 150 Kilogramm auf die Waage bringen darf, müssen die Bremsen imstande sein, solche Lasten zuver­lässig und schnell zum Stehen zu bringen. Die mecha­nischen Seil­zugbremsen (V-­Brakes) des Modells Top Velo zum Beispiel können das nicht. Ebenso wenig die Bremsen des Fischer, obwohl hier 20 Kilo weniger Zuladung erlaubt ist.

E-Bikes können Funk von Polizei und Rettungs­diensten stören*)

Bei vier E-Bikes, auch Pedelecs genannt, stellten die Tester Mängel in der elektrischen Sicherheit fest: Die Modelle von Fischer, Kalkhoff, Pegasus und Raleigh über­schreiten die Grenz­werte für elektromagnetische Strahlung. Der elektrische Antrieb samt Fahr­radrahmen funk­tioniert wohl als Antenne und sendet elektromagnetischen Schmutz. Zwei Räder können den Funk­verkehr von Rettungs­diensten, der Feuerwehr und der Polizei stören.*) Radio- und Fernseh­empfang bleiben ebenfalls auf der Strecke. Stellt die Bundes­netz­agentur solche Ausstrah­lungen fest, riskieren die Geräteanbieter die Auflage zum Rück­ruf. Solche Produkte dürften nicht verkauft werden.

*) Korrektur vom 2.9.2013: Die Fahr­räder Kalkhoff Impulse Premium i8R und Pegasus Premio E8 über­schreiten zwar die gesetzlichen Grenz­werte für funk­störende Beein­flussungen, eine Störung der Funk­dienste von Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen erscheint allerdings unwahr­scheinlich, wie sich im Nach­hinein heraus­gestellt hat.

[Update: 28.10.2013] Einige Anbieter haben heute eine Presse­konferenz durch­geführt, in der sie die Unter­suchungs­methoden und -ergeb­nisse des Tests E-Bikes kritisieren. Hier finden Sie die Stellung­nahme dazu Die Stiftung Warentest steht unverändert zu ihrem Test von Elektrofahrrädern.

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