Eiweißpräparate Test

Sie versprechen eine kräftige Muskulatur. Doch die Eiweißqualität ist nicht bei allen Präparaten gleich, die empfohlene Dosis oft zu hoch. Und bei richtiger Ernährung sind sie überflüssig.

Die Kunden von Fitnessstudios bearbeiten Kraftmaschinen, stemmen Hanteln, besuchen Kräftigungskurse mit Titeln wie Bodyshape, Hot-Iron oder Kraftworks. Den Wunsch, schön und stark zu sein, gibt es seit eh und je.

Doch der Mensch des 21. Jahrhunderts ist zunehmend darauf bedacht, seine Mühen zu begrenzen und seinen Körper dennoch zu perfektionieren. So sollen High­techgeräte zum Beispiel mittels elektrischer Impulse oder Vibrationen in kürzester Zeit die Muskeln aufbauen. Pulver und Sportgetränke suggerieren den Konsu­menten geradezu die Wirkung eines Zaubertranks, der ihnen magische Kräfte verleiht. Wir haben neun Eiweißpulver und eine Trinklösung unter anderem auf ihre biologische und chemische Qualität untersucht und ihren ernährungsphysiologischen Nutzen bewertet.

In den Beschreibungen und auf den Verpackungen einiger Produkte heißt es zum Beispiel: „Zum Aufbau von Qualitätsmus­ku­la­tur“, „für lang anhaltenden Muskelaufbau“, „für verbesserte Leistung“, „wird den Ansprüchen leistungsorientierter Bodybuilder und Kraftsportler gerecht“ oder gar „Das flüssige Muskelgold“ – die Werbesprüche zumindest sind stark. Auch die Firmen- und Produktnamen wie Supafit, Muscle Power, Champ und Powerbar versuchen Muskelkraft, Sieg und Meisterschaft zu beschwören.

Was sie taugen, was sie bringen

Eiweißpräparate Test

Eiweißpulver werden häufig schon optisch als Kraftpaket angeboten. Allein der Anblick lässt bei manchem sicher in Gedanken die Muskeln wachsen.

Doch wie sinnvoll ist die Zusatznahrung wirklich? Was taugen die Präparate und was bringen sie? Um es gleich vorweg zu sagen: Freizeitsportler brauchen den zusätzlichen Eiweißkick in der Regel nicht. Denn die meisten Deutschen konsumieren mit Fleisch und Milchprodukten ohnehin deutlich mehr Eiweiß, als sie brauchen. Doch gesundheitsschädlich sind die Eiweißpräparate, die wir untersucht haben, auch nicht. Sie belasten allenfalls den Geldbeutel. Wer sie jedoch zusätzlich zum regulären Essen verzehrt, hat wahrscheinlich eines Tages ein Gewichtsproblem – je nach Dosierung liefern sie pro Tag rund 100 bis 400 Kilokalorien extra.

Keine Dopingsubstanzen

Eiweißpräparate Test

Ansonsten nützt vor allem gezieltes, intensives Training.

Die chemische Qualität der getesteten Eiweißpräparate ist in Ordnung, pharmakologisch wirksame Mengen an verbotenen Stoffen – wie Dopingsubstanzen – waren nicht nachweisbar. Selbstverständlich ist das nicht. Zum Beispiel stellten Analytiker der Deutschen Sporthochschule Köln fest, dass einige gängige Nahrungsergänzungsmittel nicht nur Kalzium, Magnesium oder Vitamin C enthielten, sondern mit Anabolika verunreinigt waren.

Eiweißqualität unterschiedlich

Unterschiede in der Qualität und in der Zusammensetzung der untersuchten Eiweißprodukte fanden wir bei unserem Test durchaus. Die Eiweißquelle ist bei den meisten Milchprotein, manchmal auch kombiniert mit Sojaprotein. Beide Eiweißarten sind zur Unterstützung eines Krafttrainings gleich wirksam. Weizenprotein dagegen (wie in Scitec Nutrition) ist im Vergleich zu anderen Proteinquellen als weniger günstig anzusehen.

Es kommt aber nicht nur auf die Eiweißquelle, sondern auch auf die Kombination der einzelnen Eiweißbausteine, der Aminosäuren an. Davon hängt der biologische Wert der Eiweiße ab, also wie gut der Körper das Eiweiß verarbeiten kann. Besonders wichtig sind die essenziellen Aminosäuren, die mit der Nahrung zugeführt werden müssen. Zusammen mit der Eiweißquelle machen sie die Eiweißqualität der Präparate aus.

Übrigens: Bei drei Präparaten mit Sojaeiweiß haben wir einen sehr geringen Anteil von gentechnisch verändertem Soja (0,1 Prozent und weniger) gefunden. Men­­gen unter 0,9 Prozent unterliegen nicht der Kennzeichnungspflicht, sofern sie nicht bewusst verwendet wurden.

Hohe Dosierungsempfehlungen

Einige Hersteller geben recht hohe Empfehlungen für die tägliche Eiweißzufuhr, so zum Beispiel All Stars, Champ, dm/Das gesunde Plus und Powerbar. Die auf der Packung angegebenen Dosierungen überschreiten zusammen mit einer ausgewogenen Ernährung deutlich den Bedarf von Freizeitsportlern zum Muskelaufbau – bei Powerplay zumindest bei der höchsten empfohlenen Dosis.

Selbst bei intensivem Kraftsport und Bodybuildung gelten etwa 1,2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht als ausreichend – das sind etwa 100 Gramm pro Tag für einen 80 Kilogramm schweren Mann. Mehr Eiweiß bringt nicht mehr Muskeln. Hier nützt vor allem gezieltes und intensives Training. Wer extrem viel Eiweiß zu sich nimmt, geht eventuell sogar ein Risiko ein, denn die Abbauprodukte von Eiweiß können die Nieren belasten (siehe auch „Interview“).

Wer trotzdem Geld für Eiweißpräparate ausgeben möchte, muss dafür nicht zu den teuersten greifen. Es gibt auch preisgünstige Produkte mit einer „guten“ Eiweißqualität. Und es reicht auch eine niedrige Dosierung. Freizeitsportler sind damit mehr als ausreichend versorgt. Denn wie gesagt enthält auch das normale Essen ja reichlich Eiweiß.

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