Eis am Stiel Test

Das einzige „sehr gute“ Eis im Test ist das zweitteuerste und kommt aus dem Hause Nestlé Schöller. Langneses Magnum Classic bringt es auf „Gut“, vier billigere aber auch.

Das knackende Geräusch beim Biss in die Schokolade ist unter Eis-Fans legendär. Die Werbung hat dieses Geräusch für Magnum von Langnese reserviert. Ein „gutes“ Eis, in der Tat, wie der Test bestätigt. Aber nicht das beste. Der Spitzenplatz ist nach der umfangreichen Testprozedur für einen anderen Kandidaten reserviert: für Nestlé Schöllers Macao, das einzige „sehr gute“ Produkt. Wir haben 20 Eis am Stiel getestet, meist aus Familienpackungen, die Vanilleeis mit verschiedenen Schokoüberzügen bieten. Neben dem Geschmack untersuchten wir auch Mikrobiologie, Inhaltsstoffe und Nährwert. Und wir haben berücksichtigt, ob das Eis mit Schokolade oder fetthaltiger Kakaoglasur überzogen war.

Traumnote für Macao

Eis am Stiel Test

Das Eis wird industriell in geschlossenen Systemen hergestellt – damit die Hygiene stimmt. Sie stimmt: In puncto Mikrobiologie waren alle Produkte im Test „gut“.

Wie soll ein Stieleis mit Schokoladenüberzug überhaupt schmecken? Im Idealfall ist das Eis zart schmelzend, die Schokolade knackig, der Geschmack von Vanilleeis und umhüllender Schokolade ausgewogen. Diesem Ideal entspricht Macao Vanilla von Nestlé Schöller. Unsere Sensorik-Experten hatten an diesem Eis nichts auszusetzen: Traumnote 1,0. Auch Champion mini von Cassie schnitt in dieser Hinsicht „sehr gut“ ab, einziger Kritikpunkt: Der Mandelüberzug ist etwas zu süß. Fünf weitere Produkte haben einen „guten“ Geschmack, darunter auch das Magnum Classic.

Wer aber denkt, nur teuer schmeckt, hat sich geirrt. Während ein halber Liter Eis des Testsiegers 6,25 Euro kostet, sind die „guten“ Produkte von Cassie, Lidl und Penny schon für günstige 1,65 Euro beziehungsweise 1,60 Euro pro halben Liter zu haben. Magnum Classic liegt mit 3,45 Euro im preislichen Mittelfeld.

Holziger Geschmack vom Stiel

Eis am Stiel Test

Doch mehr als jedes zweite Eis am Stiel kam in der sensorischen Prüfung über „befriedigend“ nicht hinaus. Häufigste Ursache: der Stiel. Er macht das Eis zwar handlich, verursacht aber bei insgesamt zehn Produkten einen mehr oder weniger intensiven Holzgeschmack. Zum Beispiel beim Bio-Eis Loverendale plain minichoc. Überhaupt war dieses Eis das Schlusslicht im Test. Es schmeckte einseitig nach Kakao, süß und das Eis war wässrig. Auch die Deklaration ließ zu wünschen übrig. test-Qualitätsurteil: „ausreichend“.

Sensorisch auch nur „ausreichend“ ist das kalorienreduzierte Magnum Light. Das Eis enthält viel Wasser und schmilzt daher nicht zart auf der Zunge. Was bei ihm an Fett und Zucker gespart wird, geht auf Kosten der cremigen Struktur. Für das Magnum Light spricht allerdings, dass es im Vergleich zum Magnum Classic rund 110 Kilokalorien einspart.

Vanille ist nicht Vanille

Wie viel Vanille steckt im Vanille-Eis? Der Geschmack stammt nicht zwangsläufig aus der Vanilleschote. Das ist nur dann der Fall, wenn Vanille-Extrakt, natürliches Vanille-Aroma oder echte Vanille auf dem Etikett steht. „Natürliches Aroma“ kann auch biotechnologisch aus der Zuckerrübe gewonnen werden. Die Bezeichnung Bourbon-Vanille-Aroma bezieht sich auf die botanische Herkunft der Vanille. Sie muss in diesem Fall von den Vanille-Inseln (Madagaskar, Komoren, Réunion, Seychellen, Mauritius) stammen.

Findet sich nur der Hinweis „Aroma“ auf der Verpackung, ist womöglich natur­identisches oder künstliches Vanillin zugesetzt worden. Stimmt die chemische Struktur mit der des Vanillins aus der Pflanze überein, kann es naturidentisches Aroma sein. Sonst heißt es künstliches Aroma (Ethylvanillin).

Künstliches Vanille-Aroma haben wir im Test in keinem Eis gefunden. Mit natürlichem oder naturidentischem Vanillin waren fast alle Produkte aromatisiert. Übrigens bedeuten die schwarzen Punkte im Eis nicht, dass besonders viel Vanillemark darin steckt. Die Schoten werden meist zur Gewinnung von flüssigem Aroma genutzt, anschließend gemahlen und weiter verwertet. Dann sind sie aber ausgelaugt und kaum noch geschmacksintensiv. Und auch die gelbe Farbe ist kein Ergebnis der verwendeten Vanille. Mit Ausnahme von Eismann Moppi und Loverendale wurde in allen Produkten mit dem Farbstoff Karotin nachgeholfen.

Qualität der Schokolade stimmt

Und nun zum leckeren Schokoladenüberzug: Wie viel Kakao die Schokolade mindestens enthalten soll, regelt die Kakaoverordnung. Wir wollten wissen, ob sich die Eishersteller an diese Anforderungen halten. Fazit: Sie tun es mit einer Ausnahme. In vielen Fällen haben wir sogar mehr Milch- und Kakaobestandteile gefunden als eigentlich gefordert.

Bio-Eis: Die unrühmliche Ausnahme

Unrühmliche Ausnahme war das Bio-Eis von Loverendale. Es enthielt zwar ausreichend Kakaobestandteile, allerdings auch zusätzlich 20 Prozent kakaofremdes Fett (Kokos- beziehungsweise Palmfett). Da dieser Anteil laut Kakao-Verordnung fünf Prozent nicht übersteigen darf, hätte der Überzug nicht als Schokolade deklariert werden dürfen.

Ein Fünftel Fett, ein Viertel Zucker

Eis ist ein Genussmittel, das „Hüftgold“ sollte deshalb wie alle Süßigkeiten nur gelegentlich vernascht werden. Doch wie hoch sind der Fett- und der Zuckeranteil der geprüften Produkte wirklich? Und hält das einzige Light-Eis im Test, was es verspricht?

Der Gesamtfettanteil war bei den meisten Produkten ähnlich, er lag im Durchschnitt bei knapp 22 Prozent. Das Magnum Classic kam auf rund 18 Prozent Fett, Eismann Moppi hatte nur rund 17 Prozent Fett. Den geringsten Fettanteil registrierten wir tatsächlich beim Magnum Light: 12 Prozent. Das ist aber leider auch der Konsistenz anzumerken: Das Eis ist nicht so cremig.

Beim Gesamtzucker fanden wir im Durchschnitt 26 Prozent. Nur Dr. Oetkers Nasch Schokkos kamen mit deutlich weniger aus: 10,5 Prozent (Frucht- und Milchzucker). Das Produkt ist laut Verpackung für Diabetiker geeignet. Auch Magnum Light hat einen reduzierten Zuckeranteil und bringt es nur auf rund 18 Prozent. Damit es trotzdem süß schmeckt, wurde Süßstoff zugesetzt. Doch die meisten Eis am Stiel bestehen rund zu einem Viertel aus Zucker und zu einem guten Fünftel aus Fett.

Große und kleine Kalorienbomben

Wie viele Kalorien verstecken sich nun im Eis? Das hängt auch von Größe und Gewicht der Portion ab. Die Schwergewichte im Test waren die Magnum-Produkte von Langnese und Nestlé Schöllers Macao. Ein Magnum Classic bringt 96 Gramm auf die Waage, pro Portion verschwinden 286 Kilokalorien im Mund. Mehr als bei einer Portion Pommes Frites. Testsieger Macao kommt auf 273 Kilokalorien bei einem Gewicht von 82 Gramm. Deutlich „leichter“ ist das kalorienreduzierte Magnum Light. Es wiegt zwar 90 Gramm, schlägt aber nur mit 176 Kilokalorien zu Buche.

Wer allerdings wirklich Kalorien sparen will, sollte eher zu den kleiner portionierten Produkten greifen. Denn die Mini-Eislollis im Test haben mit rund 36 Gramm pro Stück im Durchschnitt rund 125 Kilokalorien. Das Eis am Stiel mit kakaohaltiger Fettglasur ist etwas kalorienärmer: Eismann Moppi hat nur 96 Kilokalorien.

Doch weil die Mini-Eis-Varianten so klein sind, greifen vor allem junge Eisesser auch gern zweimal zu. Dann summieren sich die Kalorien.

Zwei Überraschungspakete

Familienpackungen bieten für jeden Geschmack etwas: Überzüge aus Vollmilch-, Zartbitter- oder weißer Schokolade und mit Mandeln. In den Verpackungen sollte die gleiche Anzahl pro Sorte stecken – damit zu Hause der Familienfrieden gewahrt bleibt und möglichst jeder seine Lieblingssorte bekommt.

Doch einige Hersteller nehmen es damit offenbar nicht so genau. Bei Norma/Riva und Tip waren die Sorten in den Kartons beliebig durcheinander gewürfelt. Dabei suggeriert die Verpackung, dass sie darin gleich verteilt seien. Umso befremdlicher, in verschiedenen Packungen desselben Anbieters verschiedene Sortierungen zu bekommen. So fanden wir bei Tip in zwei Packungen je nur einen Zartbitter-Lolli. Urteil für die Deklaration: „mangelhaft“.

Und auch die Einzelverpackung sorgt bei so manchem Produkt für Überraschungen, denn sie versperrt den Blick aufs Eis. Einige Folien beschlugen beim Öffnen der Verpackung und die Schokoladenfarbe war nicht mehr erkennbar. Ist die Folie dann auch noch unbeschriftet und bedruckt, tappt man bei der Auswahl im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln. Gefroren ähneln sich Milch-, Vollmilch- und Zartbitterschokolade nämlich sehr.

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