Speicherung und Austausch von Patienten­daten: Dauer­baustelle Gesund­heits­karte

Einsicht in die Patienten­akte Test

Gesund­heits­karte. Von einer digitalen Kranken­akte ist sie weit entfernt – auch wenn geplant ist, ab 2018 Notfall­daten wie bestehende Erkrankungen darauf speichern zu können.

Schon lange streiten sich Politiker, Ärzte, Apotheker, Vertreter von Kliniken und Krankenkassen um die elektronische Gesund­heits­karte. Ursprüng­lich sollte sie 2006 einge­führt werden. Die Idee war, die medizi­nische Versorgung zu verbessern, indem die Gesund­heits­karte wichtige Patienten­daten für alle behandelnden Therapeuten verfügbar macht. Doch der Aufbau der erforderlichen Infrastruktur geht nur lang­sam voran. Inzwischen hat das Projekt sehr viel Geld gekostet.

Status quo

Wer medizi­nische Leistungen auf Kosten einer gesetzlichen Krankenkasse in Anspruch nehmen möchte, muss seit Januar 2015 die elektronische Gesund­heits­karte vorzeigen. Sie bietet für Patienten aber bisher kaum einen Mehr­wert. Der einzige Unterschied zur bisherigen Versichertenkarte ist ein zusätzliches Foto des Versicherten. Es soll Miss­brauch durch Unbe­rechtigte verhindern. Nach wie vor sind Name, Geburts­datum, Anschrift und Angaben zur Kranken­versicherung auf der Karte gespeichert. Auf der Rück­seite befindet sich die Europäische Kranken­versichertenkarte, mit der Versicherte im europäischen Ausland zum Arzt gehen können.

Pläne

Das geplante E-Health-Gesetz soll endlich einen Zusatz­nutzen der Gesund­heits­karte für Patienten schaffen. Es ist zum Beispiel vorgesehen, ab 2018 Notfall­daten wie bestehende Erkrankungen auf der Karte zu speichern – aber nur, wenn der Patient das ausdrück­lich wünscht. Mittel­fristig sollen auch Medikations­pläne über die Gesund­heits­karte abruf­bar sein. Diese Über­sicht über mehrere verordnete Arznei­mittel hat zum Ziel, das Risiko von Wechsel­wirkungen zu senken.

Daten­schutz

Laut Medienbe­richten konnten sich Unbe­rechtigte schon Zugriff auf Patienten­daten verschaffen. Ein sicheres digitales Gesund­heits­netz soll das in Zukunft verhindern. Der Aufbau dieser „Daten­autobahn“, die unabhängig vom Internet sein soll, wird laut Bundes­gesund­heits­ministerium „noch einige Zeit in Anspruch nehmen“. Patienten­daten sollen zudem verschlüsselt gespeichert werden. Zur Entschlüsselung müsse ein Arzt dann seinen Heil­berufs­ausweis und die Gesund­heits­karte des Patienten gleich­zeitig in ein Lesegerät stecken. Zum Auslesen der Karte soll der Patient darüber hinaus immer seine Zustimmung geben müssen. Diese erteilt er durch Eingabe einer Geheim­nummer (Pin) – außer bei den Notfall­daten.

Kritik

Der Verbraucherzentrale Bundes­verband kritisiert, dass Patienten nicht unmittel­bar auf ihre Daten zugreifen können sollen. Auch sollten ihnen keine Nachteile entstehen, wenn sie Anwendungen ablehnen.

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