Einlagensicherung Meldung

Erich Heiss, Geschäfts­führer der österrei­chischen Einlagensicherung für Banken & Bankiers, erklärt, warum Spargeld bei Privatbanken im Nach­barland gut gesichert ist. Der Schutz gilt auch für die VTB Direkt­bank und die Deniz­bank, gegen deren russische Mütter Sanktionen verhängt wurden.

Wie sicher ist Spargeld in Österreich?

Heiss: Sehr sicher. Seit der Gründung der Einlagensicherung der Banken & Bankiers 1989 haben wir nach Bankenpleiten immer alle Sparer entschädigt. Es gab bisher vier Entschädigungs­fälle. Als im Jahr 1995 die Bank für Handel und Industrie (BHI) mit Sitz in Graz pleiteging, wurden sogar Guthaben ersetzt, die die damalige Sicherungs­grenze von 200 000 Schilling (zirka 15 000 Euro) über­schritten. Wegen des öffent­lichen Protestes mehrerer prominenter Sparer veranlasste der Finanz­minister alle Sicherungs­einrichtungen Öster­reichs, sich anteilig an der Entschädigung aller Guthaben bis zur Höhe von einer Million Schilling (zirka 75 000 Euro) zu beteiligen.

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Bei welchen österrei­chischen Banken haben deutsche Sparer besonders hohe Guthaben?

Deutsche Sparer nutzen vor allem Spar­angebote österrei­chischer Direkt­banken wie Vakif­bank, Auto­bank, VTB Bank und Deniz­bank.

Welcher Spar­betrag ist pro Anleger und Bank gesichert?

Seit dem 1. Januar 2010 beträgt die Sicherungs­grenze für Spargeld in Österreich je Bank 100 000 Euro und entspricht damit der Mindest­sicherung der Europäischen Union (EU). Für Sparkassen, Volks­banken, Raiff­eisen­banken und Hypotheken­banken gibt es – ähnlich wie in Deutsch­land – eigene Sicherungs­systeme.

Gilt der Schutz auch für die VTB Direkt­bank und die Deniz­bank?

Ja, denn es handelt sich um eigen­ständige österrei­chische „Töchter“ beziehungs­weise „Enkel“ russischer Banken.

Wie finanziert sich die Sicherungs­einrichtung?

Die Sicherungs­einrichtung der Banken & Bankiers erhebt immer dann Beiträge von ihren 80 Mitgliedern, wenn ein Sicherungs­fall eintritt. Die Höhe der Beiträge bemisst sich an der Größe der gesicherten Einlagen der Mitglieds­banken. Die Beiträge der Banken sind gedeckelt. Reichen sie nicht aus, um alle Einleger zu entschädigen, kann die Sicherungs­einrichtung Kredite bei den anderen Sicherungs­einrichtungen Öster­reichs, beim Finanz­ministerium oder am Kapitalmarkt mit Garantie des Staates aufnehmen. Der Finanz­minister ist übrigens verpflichtet, der Sicherungs­einrichtung je Einleger Beträge über 50 000 Euro bis maximal 100 000 Euro zur Verfügung zu stellen, ohne dass der Staats­haushalt das Geld zurück­fordern darf.

Wie will Österreich die EU-Beschlüsse zur Harmonisierung einer europäischen Einlagensicherung umsetzen?

Eine neue Einlagensicherungs­richt­linie bestimmt, dass jedes EU-Land einen eigenen Sicherungs­fonds aufbaut. Bis 2024 soll der Fonds mit Beiträgen in Höhe von 0,8 Prozent der geschützten Einlagen als Sicherungs­vermögen gefüllt werden. Österreich hat bisher keinen solchen Sicherungs­topf, wird aber die EU-Richt­linie Anfang 2015 in nationales Recht umsetzen und bis 2024 die Vorgaben erfüllen.

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