Einlagensicherung Special

Seit 1976 hat die deutsche Einlagensicherung bei mehr als 30 Bank­pleiten funk­tioniert. Jetzt wird der Schutz europaweit ausgebaut.

Für Helmut Bayer* war die Pleite der Noa Bank Ende August 2010 ein Schock. Er kam nicht an die 40 000 Euro Tages­geld heran, die er für den Umzug seiner Familie brauchte. Der Familien­vater musste einen Kredit aufnehmen.

So viel Pech wie Bayer haben sicher die wenigsten. Denn vom Zahlungs­verbot bis zur Fest­stellung der Insolvenz einer Bank vergehen meist nur wenige Tage. Bei der Noa Bank dauerte es vom 18. bis zum 25. August, bis die Banken­aufsicht den Entschädigungs­fall fest­stellte. Am 9. September 2010 hatten fast alle Sparer ihr Geld.

Ersetzt wurden alle Spar­guthaben bis zur damaligen Sicherungs­grenze von 50 000 Euro von der Entschädigungs­einrichtung deutscher Banken (EdB), in der alle deutschen Privatbanken Mitglied sein müssen.

Bayer blieb zwar auf seinen Kredit­kosten sitzen. Seine 40 000 Euro plus Zinsen bekam er von der EdB aber voll ersetzt.

Sicherung immer weiter verbessert

Auch bei Pleiten anderer Banken hat die Einlagensicherung in Deutsch­land stets gut funk­tioniert, wie die Tabelle zeigt. Bis heute wurde der Sparer­schutz weiter verbessert. Seit 2011 sind Spargeld und Konto­guthaben in Höhe von 100 000 Euro bei allen Banken mit Sitz in der Europäischen Union (EU) gesetzlich geschützt.

Nicht jedes EU-Land hat jedoch einen ausreichend gefüllten Einlagensicherungs­fonds. War bisher nicht genug Geld da, um eine Bank zu retten oder nach einer Pleite die Erspar­nisse zu ersetzen, musste der jeweilige Staat und damit der Steuerzahler einspringen. Das soll sich nach dem Willen der Europäischen Union bald ändern.

Die EU-Finanz­minister haben im Dezember 2013 einen Abwick­lungs­fonds für Krisen­banken beschlossen, den die Banken selbst in den nächsten zehn Jahren mit 55 Milliarden Euro füllen sollen. Im Ernst­fall soll der Fonds die geordnete Pleite einer Bank finanzieren, um Turbulenzen an den Finanzmärkten zu verhindern.

Außerdem muss jedes EU-Land einen Einlagensicherungs­fonds aufbauen, den die Institute mit durch­schnitt­lich 0,8 Prozent der geschützten Guthaben als Sicherungs­vermögen füllen sollen. Insgesamt sollen 60 Milliarden Euro zusammen­kommen. Jedes Land verwaltet seinen Fonds selbst. Hat die Bank­aufsicht den Entschädigungs­fall fest­gestellt, sollen Sparer künftig binnen sieben Tagen ihr Geld zurück­bekommen.

In Deutsch­land gibt es längst so einen Fonds. Geht eine Bank pleite, erfüllt die Entschädigungs­einrichtung deutscher Banken (EdB) den gesetzlichen Schutz.

Zusätzlich gibt es einen freiwil­ligen Einlagensicherungs­fonds des Bundes­verbands deutscher Banken (BdB). Der Fonds sichert alle über 100 000 Euro hinaus­gehenden Guthaben in Millionenhöhe ab, die von der EdB nicht ersetzt würden. Er wurde 1976 nach der Pleite der Herstatt Bank gegründet. Fast alle deutschen Privatbanken sowie einige ausländische Banken mit Nieder­lassungen in Deutsch­land sind Mitglied in diesem freiwil­ligen Fonds.

Der BdB ist stolz darauf, dass er seit seiner Gründung mehr als 30 Pleitefälle gelöst hat. Kein einziger Kunde einer Mitglieds­bank habe Geld verloren. Das funk­tioniert, weil der Sicherungs­fonds von seinen Mitgliedern jähr­liche Beiträge kassiert. Sollte der Fonds einmal nicht genug Geld haben, kann der BdB von seinen rund 170 Mitgliedern Sonderbeiträge verlangen.

Kommt es zu einem Entschädigungs­fall, zahlt der Fonds den Kunden ihr Geld zurück. Im Gegen­zug tritt der Fonds im Insolvenz­verfahren der Bank auf. Meist erhält er einen größeren Teil seines Geldes zurück.

Nichts für massenhafte Pleiten

Obwohl Anleger von Bankenpleiten seit Gründung der freiwil­ligen Sicherung vor 37 Jahren stets entschädigt wurden, zweifeln Kritiker an der Trag­fähig­keit des Schutzes jenseits der gesetzlich gesicherten 100 000 Euro. Im Ernst­fall, so ihr Argument, könnte wohl eher die EdB 100 000 Euro pro Anleger und Bank zurück­zahlen als der Sicherungs­fonds des BdB Beträge jenseits der 100 000 Euro. Ginge die Deutsche Bank pleite, wäre im Sicherungs­fonds des BdB nicht genug Geld, um mehr­stel­lige Milliardensummen zu entschädigen.

Der BdB wider­spricht nicht: Ein Sicherungs­fonds könne nur in Einzel­fällen helfen. Bei massenhaften Pleiten oder dem Zusammenbruch einer systemrelevanten Groß­bank wäre jedes Sicherungs­system über­fordert, heißt es vom Banken­verband.

In so einem Fall müsste wohl der Staat helfen. Solange es aber nicht um Massenpleiten geht, hält Finanztest den Einlagen­schutz der Privatbanken für wirk­sam.

Zweifel haben wir an anderer Stelle: Trotz gesetzlicher Garantie der Einlagen bis 100 000 Euro nehmen wir nicht jede EU-Bank mit guten Zins­angeboten in unsere Top-20-Listen auf. Wenn wir begründete Zweifel haben, dass ein Land größere Bank­pleiten stemmen kann, verzichten wir auf eine Empfehlung. Das gilt selbst für den Fall, dass die EU für Institute in Mitglieds­ländern einspringen würde.

So haben wir in den vergangenen Jahren die Angebote der Big Bank aus Estland und der AS Privatbank aus Lett­land nicht in unsere Tabellen aufgenommen, weil wir der estnischen und lettischen Einlagensicherung nicht zutrauen, die Pleite einer Bank zu schultern. Zu schwach präsentieren sich die Volks­wirt­schaften dieser Länder.

Frühe Warnung vor Kaupthing

Aus ähnlichen Gründen haben wir unsere Leser früh vor den Angeboten der islän­dischen Bank Kaupthing Edge gewarnt. Da Island nicht einmal der EU angehört, waren wir doppelt skeptisch. Nach der Pleite bekamen die Kaupthing-Anleger zwar ihr Geld zurück. Doch das dauerte lange und funk­tionierte nur, weil die Bundes­regierung Island einen Kredit von 308 Millionen Euro gab. So viel Geld hatten deutsche Kunden bei der Bank angelegt.

Dagegen empfehlen wir durch­aus die Angebote vieler anderer Banken mit fremden Namen. Dazu gehören Direkt­banken wie MoneYou, NIBC Direct, Amsterdam Trade Bank, Rabodirect (alle Nieder­lande) oder Deniz­bank und VTB Direkt­bank (Österreich), bei denen Kunden ihre Konten meist nur per Internet verwalten können. Auch wenn Leser von diesen Banken noch nie gehört haben, brauchen sie keine Bauch­schmerzen zu haben, wenn sie dort Konten eröffnen. Sowohl die nieder­ländische als auch die österrei­chische Einlagensicherung haben sich in der Vergangenheit bewährt.

In den Nieder­landen wurden zum Beispiel im Jahr 2009 Sparer der Pleite­bank DSB entschädigt, in Österreich erhielten Anleger der 2001 zahlungs­unfähig gewordenen Trigon Bank ihre Erspar­nisse zurück.

Viele weitere Banken mit fremden Namen sind deutscher, als mancher denkt. Sant­ander Consumer Bank, Oyak Anker oder Akbank sind beispiels­weise eigen­ständige deutsche Töchter ausländischer Banken. Gingen sie pleite, müsste die deutsche Einlagensicherung die Guthaben ersetzen.

Pleiten erfolg­reich verhindert

Einlagensicherung Special

Anders als Privatbanken können Sparkassen sowie Volks- und Raiff­eisen­banken nicht so ohne weiteres pleite­gehen. Gerät ein Institut in Schieflage, müssen ihm die anderen unter die Arme greifen oder es mitsamt seiner Schulden über­nehmen. Für Kunden bedeutet dieser Instituts­schutz, dass ihre Einlagen unbe­grenzt gesichert sind.

Natürlich lässt sich auch hier nicht ausschließen, dass eine umfassende Krise die Sicherungs­systeme über­fordern würde. Bisher haben Problemfälle dem Haftungs­verbund der Sparkassen-Finanz­gruppe des Deutschen Sparkassen- und Giro­verbands (DSGV) und der Sicherungs­einrichtung des Bundes­verbands der Deutschen Volks- und Raiff­eisen­banken (BVR) jedoch nichts anhaben können.

So wurde die Sparkasse Mann­heim in den 90er Jahren mit massiven Finanz­spritzen des DSGV, des Badischen Sparkassen- und Giro­verbandes (BGSV) sowie der Stadt Mann­heim gerettet. Die Sparkasse hatte zuvor rund 400 Millionen Euro durch die Vergabe riskanter Kredite in den Sand gesetzt.

Auch bei den Genossen­schafts­banken funk­tionierte die Sicherung stets. Als zum Beispiel die Grund­kredit­bank (GKB) in Berlin Ende der 90er Jahre in Schieflage geriet, weil sie die Risiken von Immobilien­krediten falsch einge­schätzt hatte, stützte der BVR die Bank mit über 200 Millionen Euro. Kurz darauf wurde die Bank mit der heutigen Berliner Volks­bank fusioniert. Die Guthaben der Sparer waren die ganze Zeit sicher. Mancher hat wohl erst durch den neuen Namen gemerkt, dass etwas passiert ist.

* Name von der Redak­tion geändert.

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