Antwort auf Leserfragen: Sicherheit von Spargeld

Einlagensicherung Special

Ist mein Geld bei einer deutschen Filial­bank nicht sicherer als bei einer unbe­kannten Direkt­bank, wollte Wolfgang Scheer aus Deidesheim wissen. Die Antwort ist Nein. Die Direkt­banken sind oft Onlinemarken renommierter Banken und genauso sicher.

Was taugen die Sicherungs­fonds der Banken für Spargeld im Ernst­fall? Wir beant­worten ausgewählte Fragen besorgter Leser.

  • Was passiert, wenn in der Finanz­krise mehrere Groß­banken gleich­zeitig insolvent werden und es zu einer Kettenre­aktion kommt?

Einlagensicherungs­systeme sind nicht für den Fall geschaffen, dass unser Wirt­schafts­system zusammenbricht. Käme es nach der Pleite einer Groß­bank zu einem massenhaften Zusammenbruch von Banken, wären alle Systeme über­fordert. Der Staat müsste eingreifen, und zwar bevor es zu einer Kettenre­aktion kommt. Ein solches Szenarium ist allerdings aus Sicht von Finanztest wenig wahr­scheinlich.

  • Sind Anleger nach der Pleite eines Kredit­instituts schon einmal auf ihrem Schaden sitzen­geblieben?

Nein, so lange es die verschiedenen Einlagensicherungs­fonds von Privatbanken, öffent­lichen Banken, Sparkassen, Volks- und Raiff­eisen­banken sowie Bausparkassen gibt, haben sie bis heute im Ernst­fall immer gut funk­tioniert. Das gilt auch für den Sicherungs­fonds der deutschen Lebens­versicherer, der bei der Protektor AG geführt wird, In keinem einzigen Fall haben die Kunden etwas von ihrem Spargeld verloren.

Der Einlagensicherungs­fonds des Bundes­verbands Deutscher Banken (BdB) hat beispiels­weise seit ihrer Gründung im Jahr 1976 über 30 Sicherungs­fälle gelöst.

  • Kann eine Bank aus der gesetzlichen Einlagensicherung aussteigen?

Nein, aus der gesetzlichen Entschädigungs­einrichtung, die 100 000 Euro pro Anleger schützt, kann keine Bank der Europäischen Union aussteigen. Für Sparkassen besteht eine Zwangs­mitgliedschaft in der Instituts­sicherung der Sparkassen-Finanz­gruppe (DSGV). Landes­banken könnten zwar bei schweren Verstößen aus dem DSGV ausgeschlossen werden und müssten sich dann allerdings der gesetzlichen Einlagensicherung anschließen. Vorgekommen ist so etwas noch nie.

  • Ist in den deutschen Einlagensicherungs­fonds genügend Geld?

Sowohl die gesetzliche Entschädigungs­einrichtung deutscher Banken (EdB) als auch die freiwil­lige Einlagensicherung des Bundes­verbands deutscher Banken (BdB) werden von den jähr­lichen Beiträgen seiner Mitglieder gespeist.

Offizielle Angaben darüber, wie viel Geld den Sicherungs­fonds zur Verfügung steht, gibt es nicht. Die Fonds funk­tionieren nach dem Prinzip, dass die anderen Banken einspringen, wenn ein Institut pleite­geht. Gerät einer der Sicherungs­fonds in die Bredouille, kann er von seinen Mitgliedern Sonderbeiträge verlangen. Der EdB kann auch vorüber­gehend Kredite aufnehmen.

Und wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch das Garan­tieversprechen der Kanz­lerin aus dem Jahr 2008.

  • Was passiert, wenn eine Bank den zusätzlichen freiwil­ligen Einlagensicherungs­fonds verlässt?

Verlässt eine Bank eine freiwil­lige Sicherungs­einrichtung oder wird sie wegen Verstößen gegen das Statut vom Verband ausgeschlossen, genießen die bestehenden Einlagen von Kunden Bestands­schutz. Sie haben die volle Sicherheit, bis ihre Spar­anlage fällig wird.

  • Zahlen die Sicherungs­einrichtungen im Entschädigungs­fall auch die für Guthaben versprochenen Zinsen?

Ja, alle Sicherungs­einrichtungen zahlen im Rahmen der Sicherungs­grenze das Guthaben inklusive Zinsen bis zum Entschädigungs­tag zurück. Für extreme Fälle – etwa eine Pleitewelle – sehen allerdings die Statuten des freiwil­ligen Einlagensicherungs­fonds des Bundes­verbands deutscher Banken (BdB) Ausnahmen von dieser Regel vor.

So zahlt der BdB in Ausnahme­fällen nur „markt­übliche Zinsen“. Damit soll der Versuch vereitelt werden, dass sich finanziell ange­schlagene Banken mit über­höhten Zins­angeboten wieder Geld verschaffen. Aus Sicht des BdB wäre es unfair, wenn Wett­bewerber von Pleite­banken deren Anlegern über die Einlagensicherung unan­gemessen hohe Gewinne zahlen müssten.

Auch der von der Protektor AG geführte Sicherungs­fonds der deutschen Lebens­versicherer könnte die garan­tierten Leistungen um bis zu 5 Prozent senken, für den Fall, dass nicht genügend Geld in der Kasse ist.

Vorgekommen ist das jedoch noch nie. Sparer, die Tages- oder Fest­geld beim Versicherer CosmosDirekt haben, müssen sich also keine Sorgen machen.

  • Kann sich die Sicherungs­grenze meiner Bank ändern?

Ja, aber sie kann die gesetzliche Grenze von 100 000 Euro pro Anleger und Bank nicht unter­schreiten.

Tatsäch­lich werden die Sicherungs­grenzen deutscher Banken, die ihre Kunden­einlagen freiwil­lig über das gesetzliche Maß hinaus absichern, in den kommenden Jahren sinken. Der Einlagensicherungs­fonds des Bundes­verbands deutscher Banken (BdB) hat beschlossen, die bei einer Pleite garan­tierten Höchst­sätze in mehreren Schritten von 2015 bis 2025 zu senken. Bisher sind pro Kunde 30 Prozent des„haftenden Eigen­kapitals“der Bank abge­sichert. Bis 2025 sinkt der Satz auf 8,75 Prozent.

In der Praxis braucht das Privat­anleger nicht zu kümmern. Denn selbst die kleinsten deutschen Banken halten derzeit 5 Millionen Eigen­kapital vor. Das entspricht einer Absicherung von 1,5 Millionen Euro pro Kunde. Im Jahr 2025 sind dann immer noch knapp 440 000 Euro geschützt und bei größeren Banken noch viel mehr.

  • Ist es riskanter, bei einer Bank anzu­legen, die ihren Kunden besonders hohe Zinsen zahlt?

Nein, nicht solange sie an ein funk­tionierendes Einlagensicherungs­system angebunden ist. Das gilt zum Beispiel auch für die IKB direkt, die schon einmal mit Staats­geld gerettet werden musste. Solange die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht und der BdB keine Gründe für einen Ausschluss der Bank aus der freiwil­ligen Einlagensicherung sehen, ist Spargeld dort gut abge­sichert.

  • Warum fehlen einige Banken mit guten Zins­angeboten in den Top-20-Listen von Finanztest?

Es gibt vier Gründe für Finanztest, Banken mit sehr guten Zinsen nicht aufzuführen.

  1. Wir nehmen keine Anbieter in den Test auf, die für ihre Spar­angebote Einstiegs­gebühren oder laufende Kosten verlangen.
  2. Regionale Angebote bleiben draußen und damit die meisten Genossen­schafts­banken und Sparkassen.
  3. Banken, bei denen absehbar ist, dass sie einen Kunden­ansturm nicht bewältigen können, nennen wir nicht.
  4. Banken, deren Sicherungs­systeme uns nicht über­zeugen, lassen wir ebenfalls weg.

So empfehlen wir das gute Angebot der BIG Bank aus Estland nicht, weil wir der estlän­dischen Einlagensicherung nicht zutrauen, eine Pleite der Bank zu schultern.

Aus ähnlichen Gründen haben wir früh vor den Angeboten der Kaupthing Edge gewarnt, dem deutschen Ableger der islän­dischen Pleite­bank. Am Ende bekamen Anleger zwar ihr Geld zurück. Doch die Bundes­regierung musste der islän­dischen Einlagensicherung einen Kredit über 308 Millionen Euro geben. So viel Geld hatten Kunden aus Deutsch­land angelegt.

Torsten Kauf­mann aus Olpe fragt:

Einlagensicherung Special
  • Wie ist die Haftungs­grenze der Bank of Scot­land von 250 000 Euro zu verstehen? Erhöhen gutgeschriebene, aber noch nicht abge­hobene Zinsen die Einlage?

Ja, solange mit Ihren Zinsen nicht mehr als 250 000 Euro zusammen­kommen. Von der Einlagensicherung Groß­britanniens bekommen Sie bis zu 85 000 Pfund als Entschädigung. Ist damit Ihr Schaden noch nicht gedeckt, springt der Sicherungs­fonds des Bundes­verbands deutscher Banken (BdB) ein und über­nimmt den Rest, bis die 250 000 Euro erschöpft sind.

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