Einlagensicherung Special

Ob Bank of Scot­land oder IKB direkt – Finanztest erläutert, wie Anleger entschädigt würden, wenn eine Bank pleiteginge.

Einlagensicherung Special

Kathrin und Eugen Reichl aus Rottenburg an der Laaber waren besorgt, als die IKB direkt ihnen mitteilte, die Sicherungs­grenze betrage je Gläubiger 30 Prozent des haftenden Eigen­kapitals der Bank. Der Familie war nicht klar, dass diese 30 Prozent einen Schutz von 654 Millionen Euro pro Kunde bedeuten.

Bank of Scot­land, IKB direkt, Advanzia und einige mehr locken Kunden mit attraktiven Zinsen für Tages- und Fest­geld. Doch was passiert, wenn sie pleite­gehen?

Scheitert die schnelle Rück­zahlung womöglich an der komplizierten Auseinander­setzung mit einer ausländischen Einlagensicherung? Zahlt auch die britische Einlagensicherung in Euro zurück? Hat die Einlagensicherung über­haupt genug Geld für alle Kunden?

Das sind nur einige der Leserfragen, die Finanztest nach dem großen Zins­test im Januar­heft erreichten.

Die aufgezählten Banken haben ihren Sitz alle in der Europäischen Union (EU). Sie hat seit der Finanz­krise im Jahr 2008 vieles neu geregelt. Wenn wir zum Beispiel schreiben, dass 100 000 Euro über­all sicher sind, dann geht das auf eine EU-Richt­linie zurück.

Die Richt­linie hat den Schutz auf 100 000 Euro pro Anleger und Bank für alle EU-Staaten fest­gelegt. Für Eheleute mit Gemein­schafts­konto sind 200 000 Euro pro Bank gesichert. Der Schutz gilt für Guthaben auf Giro­konten, für Spar­briefe, Fest­geld und Tages­geld sowie für Fremdwährungs­konten, die auf Euro lauten.

In Deutsch­land ist die Richt­linie im Einlagensicherungs- und Anleger­entschädigungs­gesetz umge­setzt: Alle deutschen Privatbanken wie Deutsche Bank, IKB direkt, ING-Diba oder Santander Consumer Bank müssen Mitglied in der gesetzlichen Entschädigungs­einrichtung deutscher Banken (EdB) sein.

Die EdB steht für die 100 000 Euro pro Kunde und Bank gerade. In anderen EU-Staaten tun das ähnliche Einrichtungen.

Zusätzlich zur gesetzlichen Sicherung sind die meisten Privatbanken freiwil­lig Mitglied des Bundes­verbands deutscher Banken (BdB), darunter auch einige ausländische Banken wie die Bank of Scot­land.

Der BdB sichert pro Kunde sogar Spargeld in Millionenhöhe ab. Beide, EdB und BdB, finanzieren die Einlagensicherung mit den Beiträgen ihrer Mitglieds­banken. Wird es eng, müssen diese Geld nach­schießen.

Die Einlagensicherung des BdB wurde 1976 nach der Pleite der Herstatt-Bank gegründet. Seitdem hat kein Kunde nach einer Bank­pleite sein Spargeld verloren.

Angst vor ausländischen Banken

Viele Leser fragen uns, ob es nicht besser ist, sein Spargeld bei einer deutschen Bank anzu­legen. Sie fürchten ein kompliziertes Verfahren für den Fall, dass ihr Geld­institut Pleite macht.

Vor allem die Abwick­lung der 2008 pleite­gegangenen Kaupthing Bank aus Island ist Anlegern noch in unangenehmer Erinnerung. Finanztest hatte früh vor Problemen mit der Einlagensicherung gewarnt.

Fast neun Monate mussten die über 34 000 deutschen Kaupthing-Kunden um ihr Geld bangen. Dann entschloss sich die islän­dische Regierung zur Rück­zahlung an deutsche Sparer im Einklang mit den Regeln der EU, obwohl Island nicht zur Europäischen Union gehört.

Mühsam fanden viele Kunden, dass sie alle Unterlagen per Post und in eng­lischer Über­setzung in Island einreichen mussten.

Vieles ist leichter geworden

In der Europäischen Union ist inzwischen vieles leichter geworden. Die EU-Staaten haben sich nicht nur geeinigt, einheitlich Guthaben und Zinsen in Höhe von 100 000 Euro abzu­sichern. Sie haben auch fest­gelegt, dass binnen sieben Tagen zurück­gezahlt wird, spätestens aber nach 20 Tagen.

Was Kunden tun müssen, wenn ihre Bank pleite­geht, ist allerdings immer noch von Land zu Land verschieden. Unsere Beispiele rechts zeigen, welche Schritte nötig sind.

Tatsäch­lich haben es Kunden deutscher Banken besonders leicht. Sie müssen einfach nur abwarten, bis sie von der Entschädigungs­einrichtung einen Antrag erhalten, in dem ihr Guthaben inklusive Zinsen bereits einge­tragen ist (siehe „DKB: Deutscher Rundumschutz“).

Ähnlich einfach wie in Deutsch­land funk­tioniert die gesetzliche Einlagensicherung in Frank­reich (Fonds de Garantie des Dépôts, FdGdD) und in Groß­britannien (Financial Services Compensation Scheme, FSCS). Sie schi­cken nach einer Pleite allen Kunden einen Antrag, in dem ihr Guthaben inklusive Zinsen einge­tragen ist. Der Kunde muss nur noch seine Konto­nummer angeben und das Formular zurück­schi­cken.

Doch was ist, wenn ein Kunde mehr als die gesetzlich geschützten 100 000 Euro angelegt hat, zum Beispiel bei der Bank Cortal Consors mit Sitz in Paris und Nieder­lassung in Nürn­berg? Geht diese Bank pleite, informiert der französische FdGdD den Einlagensicherungs­fonds des BdB, weil die Bank auch dort Mitglied ist. Auch der BdB schreibt den Kunden dann an.

Im BdB-Schreiben ist das Guthaben des Kunden mit Zinsen bis zur Höhe von 45 Millionen Euro einge­tragen – abzüglich der von der FdGdD erstatteten Summe. Der Sparer schickt es zurück und wird inner­halb von ein bis zwei Monaten vom BdB entschädigt.

In anderen Ländern wie Österreich müssen Kunden den Antrag für die gesetzliche Einlagensicherung im Internet herunter­laden (www.einlagensicherung.at).

Alle Sicherungs­fonds entschädigen in Euro, nur der britische nicht. Sollten die im Fall einer Pleite der Bank of Scot­land gezahlten 85 000 Pfund weniger als 100 000 Euro wert sein, braucht den Kunden das aber nicht zu kümmern. In diesem Fall würde der BdB die Differenz ersetzen.

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