Einlagensicherung Special

Ein Brief zur Einlagensicherung verunsichert Kunden von Sparkassen. Dahinter steckt eine europäische Richt­linie.

Seit einigen Wochen informieren alle deutschen Kredit­institute pflicht­gemäß ihre Kunden per Post über die Sicherheit von Spar­einlagen. Regelrecht verunsichert waren viele Sparkassen­kunden: Ihr Schreiben nannte „jedem einzelnen Einleger“ als „Sicherungs­ober­grenze“ 100 000 Euro für sein Erspartes.

Bisher waren Sparkassen­kunden davon ausgegangen, dass ihre Guthaben in unbe­grenzter Höhe geschützt seien. Schließ­lich haben Sparkassen seit Langem eine Instituts­sicherung. Sie verpflichtet alle Mitglieder, notleidenden Instituten entweder unter die Arme zu greifen oder sie zu über­nehmen, wenn sonst eine Pleite droht. So kann keine Sparkasse pleite­gehen und kein Sparer sein Geld verlieren.

Daran ändert sich auch künftig nichts – auch wenn das aus den Finanztest vorliegenden Briefen nicht deutlich hervorgeht (Interview). Mit der Post erfüllen die Sparkassen eine gesetzliche Informations­pflicht, Folge des im Jahr 2015 in Kraft getretenen Einlagensicherungs­gesetzes, mit dem Deutsch­land die EU-Einlagensicherungs­richt­linie umge­setzt hat.

Töpfe sollen bis 2024 gefüllt werden

Die Richt­linie soll garan­tieren, dass jedes EU-Land bis 2024 Beiträge in Höhe von 0,8 Prozent des Eigen­kapitals eines Instituts in nationale Sicherungs­töpfe einzahlt. Damit will die EU sicher­stellen, dass jeder Sparer im Fall einer Bank­pleite in Höhe von bis zu 100 000 Euro entschädigt wird.

Der Deutsche Sparkassen- und Giro­verband (DSGV) sowie der Bundes­verband der Deutschen Volks­banken und Raiff­eisen­banken (BVR), ebenfalls mit Instituts­schutz, wurden durch das neue Gesetz gezwungen, ein zusätzliches Einlagensicherungs­system für die Entschädigung von 100 000 Euro einzurichten. Aus Sicht von DSGV und BVR sind die neuen Systeme bedeutungs­los, weil der vorgeschaltete Instituts­schutz Pleiten ausschließt.

Die von der EU-Kommis­sion geforderte gemein­same europäische Einlagensicherung lehnen die deutschen Verbände ab: Wirt­schaftlich schwächere EU-Länder sollen bei Bank­pleiten nicht auf ihre Mittel zurück­greifen können. Über eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung könne erst nachgedacht werden, wenn alle nationalen Abwick­lungs­fonds gefüllt seien.

Schutz rettete schon Institute

DSGV und BVR sind stolz auf ihren in der Vergangenheit stets gut funk­tionierenden Schutz. Meist merkten Kunden nicht einmal, dass ihr Institut Probleme hatte.

In den 90er Jahren wurde zum Beispiel die Sparkasse Mann­heim durch massive Finanz­spritzen des DSGV, des Badischen Sparkassen- und Giro­verbands sowie der Stadt Mann­heim gerettet. Sie hatte viel Geld durch die Vergabe riskanter Kredite in den Sand gesetzt.

Die ebenfalls wegen riskanter Kredit­vergaben in Schieflage geratene Berliner Grund­kredit­bank erhielt Ende der 90er Jahre über 200 Millionen Euro vom BVR. Kurz darauf wurde die Bank mit der heutigen Berliner Volks­bank fusioniert. Für Kunden änderte sich nur der Name. Ihre Guthaben waren die ganze Zeit sicher.

Tipp: Zahlreiche weitere wert­volle Informationen rund um die Einlagensicherung finden Sie in unserem großen FAQ Einlagensicherung.

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