Einlagensicherung Frank­reich Special

Thierry Dissaux, Chef des Fonds de Garantie des Dépôts.

In den Finanztest-Bestenlisten für Spargeld stehen auch französische Banken. Thierry Dissaux, Chef des Fonds de Garantie des Dépôts sagt im Finanztest-Interview, wie sicher das Geld der Sparer dort ist und wie im Fall der Fälle entschädigt wird.

Wie sicher ist Spargeld in Frank­reich?

Dissaux: Weder vor noch nach der Gründung des französischen Einlagensicherungs­fonds (Fonds de Garantie des Dépôts) im Jahr 1999 haben Kunden von französischen Banken jemals einen Verlust ihrer Spar­einlagen hinnehmen müssen. Seit 1999 musste der Fonds de Garantie des Dépôts lediglich einmal eingreifen. Es handelte sich um die Crédit Martiniquais, eine Privatkunden­bank. Das war vor 15 Jahren. Damals konnten alle Sparer voll entschädigt werden.

Bei welchen französischen Banken haben deutsche Sparer besonders hohe Guthaben?

Dissaux: Wir verfügen über keine Angaben zu dieser Frage. Allerdings stimmt es, dass französische Banken ihre Dienste deutschen Sparern über ihre Nieder­lassungen und Tochtergesell­schaften in Deutsch­land anbieten. Im Rahmen der EU-Dienst­leistungs­freiheit gibt es zunehmend auch direkte Angebote von Frank­reich aus, die sich an deutsche Sparer richten.

Welcher Spar­betrag ist pro Anleger und Bank gesichert?

Dissaux: Der Schutz der Anleger in Frank­reich entspricht allen Vorgaben der europäischen Normen für die Mitglieds­staaten der Europäischen Union (EU). Kunden profitieren von der Einlagensicherung, die alle Bank­guthaben bis maximal 100 000 Euro pro Kunde und Bank schützt. Die Entschädigung wird inner­halb von 20 Tagen bezahlt, dieser Zeitraum soll durch die Veränderung der gesetzlichen Grund­lagen auf sieben Tage reduziert werden.

Wie werden Anleger für den Fall, dass eine Bank Pleite macht, entschädigt?

Dissaux: Kommt es zu einer Bankenpleite, müssen die Kunden nichts unternehmen. Die Bank berechnet zum Stichtag der Pleite die Entschädigung der jeweiligen Kunden und über­mittelt die Daten binnen fünf Tagen an den Fonds de Garantie des Dépôts. Dann kontrolliert der Einlagensicherungs­fonds die Daten und schickt ein Entschädigungs­schreiben an jeden Kunden inner­halb von 20 Werk­tagen. Während dieses Zeitraums informiert der französische Einlagensicherungs­fonds die Öffent­lich­keit und beant­wortet alle Fragen über seine Website oder sein Call­center.

Wie finanziert sich die französische Einlagensicherung?

Dissaux: Der französische Einlagensicherungs­fonds wird durch Beiträge seiner Mitglieder finanziert. Die Zahlung der Beiträge ist eine Voraus­setzung für ihre Geschäfts­tätig­keit in Frank­reich. Zum 31. Dezember 2013 betrugen die Rück­stel­lungen des Fonds knapp 2,7 Milliarden Euro. Zusätzlich zu den Mitglieds­beiträgen hat der französische Einlagensicherungs­fonds auch die Möglich­keit, Sonderbeiträge zu erheben. Außerdem kann er Kredite aufnehmen, um seinen Verpflichtungen nach­zukommen. Mit diesen verschiedenen Möglich­keiten werden dem Sicherungs­fonds erhebliche Geld­mittel zur Verfügung gestellt, um Entschädigungen zu bezahlen, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, Vermögens­werte zu über­tragen oder Garan­tien zu gewähren, um eine Bankenkrise beizulegen.

Wie will Frank­reich die EU-Beschlüsse zur Harmonisierung einer europäischen Einlagensicherung umsetzen?

Dissaux: Der Fonds de Garantie des Dépôts und die französischen Behörden arbeiten bei der Umsetzung der europäischen Richt­linien in französisches Recht eng zusammen. Die Umsetzung der europäischen Vorschriften in nationales französisches Recht ist für den Herbst vorgesehen. Frank­reich wird die EU-Richt­linie erfüllen, nach der jedes Land bis 2024 Beiträge in Höhe von 0,8 Prozent der geschützten Einlagen als Sicherungs­vermögen im Fonds vorhält. Neben der Umsetzung der europäischen Vorschriften arbeitet der französische Sicherungs­fonds zurzeit intensiv an den tech­nischen Anpassungen. Dazu gehören unter anderem kürzere Fristen bei der Entschädigung von Sparern aus dem Ausland.

Finanztest hat das Interview aus dem Französischen über­setzt.

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