Einlagensicherung Special

Die deutschen Banken haben ihre Einlagensicherung verringert. Ein politischer Schritt, der Privat­anleger nicht kümmern muss.

  • Was hat sich an der Einlagensicherung geändert?

An der gesetzlichen Einlagensicherung, die bei deutschen Banken Einlagen bis zu 100 000 Euro pro Anleger schützt, ändert sich nichts. Veränderungen gibt es nur bei der freiwil­ligen Sicherungs­einrichtung des Bundes­verbands deutscher Banken (BdB).

Dieser Fonds sichert Beträge ab, die über 100 000 Euro hinaus­gehen. Die von ihm bei einer Bankenpleite garan­tierten Höchst­beträge werden in mehreren Schritten bis zum Jahr 2025 deutlich gesenkt.

Dem Bundes­verband gehören zum Beispiel Deutsche Bank und Post­bank an. Wer sonst noch Mitglied ist, lesen Anleger im Internet unter www.bankenverband.de.

  • Welche Folgen hat das konkret für Anleger?

Folgen hat das nur für Groß­anleger wie Kommunen, Krankenkassen oder Fonds­manager. Sie können nicht mehr viele Millionen gut gesichert bei einer einzigen kleinen Bank parken. Für Normal­kunden ist die Neuerung völlig egal.

Die Sicherung richtet sich nach der Höhe des „haftenden Eigen­kapitals“ einer Bank. Zurzeit werden pro Kunde 30 Prozent davon garan­tiert. Ab dem Jahr 2025 sind es nur noch 8,75 Prozent.

Selbst die kleinsten Banken in Deutsch­land haben mindestens 5 Millionen Euro Eigen­kapital. Ihre Garantie beträgt heute etwa 1,5 Millionen, ab 2025 immer noch knapp 440 000 Euro. Bei der Deutschen Bank sinkt die abge­sicherte Summe von rund 11,5 auf 3,36 Milliarden Euro.

  • Ist auch die Einlagensicherung ausländischer Banken betroffen?

Nein, die Neuregelung betrifft nur deutsche Institute. Dazu zählen allerdings auch einige Töchter ausländischer Groß­banken wie die ING Diba oder die Santander Bank. Für alle anderen Banken inner­halb der EU gilt seit Anfang 2011 eine einheitliche staatliche Sicherung von 100 000 Euro pro Kunden.

  • Ist die Absicherung inner­halb der EU gleich­wertig mit dem deutschen Sicherungs­system?

Auf dem Papier gibt es keinen Unterschied, denn die gesetzliche deutsche Entschädigungs­einrichtung garan­tiert ebenso „nur“ 100 000 Euro wie die staatlichen Systeme in den anderen EU-Ländern. In Deutsch­land gibt es allerdings für fast alle Banken eine zusätzliche freiwil­lige Sicherung, die darüber hinaus­geht.

Sollte es zu einer Pleite kommen, dürften Anleger es mit einer deutschen Bank vermutlich leichter haben als mit einem Geld­institut, das im Ausland sitzt. Die unge­wohnte Bürokratie und die Sprach­barriere könnten die Rück­zahlung verzögern und die Nerven strapazieren. Bei den seltenen Bank­pleiten in Deutsch­land lief die Entschädigung stets zügig und weit­gehend problemlos.

  • Wie hoch ist die Einlagensicherung bei der britischen Bank of Scot­land?

Die britische Einlagensicherung garan­tiert offiziell nur 85 000 britische Pfund. Das entsprach Anfang Januar noch 100 000 Euro, zurzeit sind es aber nur noch rund 96 000 Euro. Nach den EU-Rege­lungen müsste die britische Einlagensicherung im Falle einer Bankenpleite also nach­legen. Ob das auch passieren wird, ist ungewiss.

Für die Bank of Scot­land hat sich die Frage erledigt, denn sie ist neuerdings auch Mitglied im Einlagensicherungs­fonds des deutschen BdB. Gemäß den Statuten ist dort für Neuzugänge ein Betrag von 250 000 Euro geschützt.

  • Ändert sich auch etwas bei der Einlagensicherung von Sparkassen oder Volks­banken?

Nein. Ihre freiwil­ligen Sicherungs­systeme arbeiten ohnehin anders. Statt eines Fonds, in den alle Mitglieder einzahlen, wenden sie das Solidarprinzip an. Kommt ein Mitglied des Verbands in Schwierig­keiten, helfen ihm die anderen aus der Patsche.

  • Welche Geld­anlagen sind durch die Sicherungs­einrichtungen geschützt?

Sowohl der gesetzliche als auch der freiwil­lige Schutz beziehen sich auf alle Spar­einlagen, Giro­konten, Termingeld und Sparpläne. Nicht geschützt sind dagegen Schuld­verschreibungen wie Zertifikate von Landes­banken .

  • Wie sind die Zins­angebote von Versicherern geschützt?

Für Angebote wie das „Tages­geld Plus“ von Cosmos Direkt müsste im Falle der Insolvenz der Sicherungs­fonds Protektor der Lebens­versicherer einspringen. Anders als bei Angeboten von Banken besteht zumindest ein theoretisches Risiko, dass angelegtes Geld nicht zu 100 Prozent zurück­gezahlt wird. Das Bundes­amt für Finanz­dienst­leistungen (Bafin) könnte verfügen, dass nur 95 Prozent an die Sparer ausgezahlt werden, falls im Fonds zu wenig Geld ist.

  • Was muss ich bei Schnäpp­chen­angeboten für Neukunden beachten?

Die beliebten Lock­angebote für Neukunden sind unpro­blematisch, was die Sicherheit der Anlagen angeht. Es gelten die gleichen Regeln wie für Bestands­kunden.

Allerdings sollten Anleger auf bestimmte Punkte achten, damit sich die Anlage lohnt: Spitzenzinsen bringen wenig, wenn sie nur für ein paar Wochen gewährt und dann drastisch gekürzt werden. Anleger sollten immer auch nach­schauen, welchen Zins die Bank ihren Altkunden bietet. Auch hohe Zinsen, die auf geringe Summen begrenzt sind, haben wenig Reiz.

  • Der reine Erhalt des Geldes schützt nicht vor Inflation. Wie kann ich das Inflations­risiko bei Zins­anlagen herab­setzen?

In der Tat liegt die Rendite einiger sicherer Anlagen inzwischen unter­halb der Inflations­rate. Sie ist jüngst auf 2,6 Prozent gestiegen. Nach Abzug von Steuern bringen zurzeit die meisten sicheren Zins­anlagen weniger, als durch die Inflation verloren­geht.

Anleger können sich dagegen nur bedingt wappnen. Der Umstieg auf Anlagen mit höherer Rendite ist kein Ausweg, da er auch höheres Risiko bedeutet.

Zins­produkte mit langer Bindung sollten Anleger zurzeit meiden. Das Risiko, von einer kräftigen Zins­erhöhung irgend­wann kalt erwischt zu werden, ist bei Lauf­zeiten von über fünf Jahren zu groß. Mit einem gutverzinsten Tages­geld­konto (siehe Über­sicht auf S. 76) können Anleger am wenigsten falsch machen.

  • Sind Bundes­anleihen noch sicherer als Zins­anlagen bei Banken?

Theoretisch wäre es denk­bar, dass Banken im großen Stile pleite­gehen und der Staat dennoch seine Verpflichtungen bedient und seine Anleihen zurück­zahlt. Praktisch ist dieser Fall aber schwer vorstell­bar.

Eine extreme Bankenkrise würde auch den Staat so empfindlich treffen, dass seine Anleihen kaum noch als sicherer Hort gelten könnten. Wir wollen uns diesen Fall nicht ausmalen und halten ihn – siehe nächste Frage – auch für äußerst unwahr­scheinlich.

Unabhängig davon sind Bundes­anleihen und Bundes­schatz­briefe zurzeit wegen ihrer sehr nied­rigen Verzinsung unattraktiv.

  • Was helfen die Sicherungs­einrichtungen über­haupt, wenn alle Banken gleich­zeitig pleite­gehen?

Seit längerem prophezeien selbst­ernannte Experten vor allem im Internet den Untergang des Welt­finanz­systems. Sollte das passieren, wären tatsäch­lich Sicherungs­systeme aller Art über­fordert.

Leider sagen die Krisenrat­geber nicht, welche finanziellen Entscheidungen richtig wären, um einem totalen Kollaps zu entgehen.

Finanztest hält sich deshalb an Fakten, die heute zur Verfügung stehen. Und wir gehen davon aus, dass unser Finanz- und Wirt­schafts­system auch die aktuelle Krise über­stehen wird.

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