Einkaufen mit Rabatt Meldung

Preisnachlässe dürfen künftig frei vereinbart werden. Doch der Handel gibt sich knauserig.

Nach langer Ankündigung sind Rabattgesetz und Zugabeverordnung im Juli gefallen. Damit wird das Feilschen aber nicht zum Kinderspiel. Denn nicht nur der Gemüsehändler wird bei Rabattwünschen verärgert den Kopf schütteln. Auch die Verkäufer teurer Waren wollen ihre Preise verteidigen. Sie bereiten sich darauf in Seminaren vor.

Rabatte sind künftig nicht mehr per Gesetz auf maximal 3 Prozent beschränkt, sondern unbegrenzt möglich. Außerdem dürfen die Händler auf den Kauf wertvolle Extras drauflegen. Bisher waren nur "geringwertige" Zugaben erlaubt. Draufgaben im Wert von einer Mark waren bereits verboten.

Kein Preissturz

Fallen mit den Gesetzen nun auch die Preise? "Wo sollen Preissenkungen denn herkommen, ohne dass es in den Ruin führt?", wehrt Stefan Schneider vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels ab. Alles in allem gebe es keinen Spielraum für sinkende Preise. Noch schwärzer sieht Peter Goerke von der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs: "Ich denke, dass die Preise erst mal steigen, damit die Unternehmen hinterher Rabatte geben können."

Solche so genannten Mondpreise, die von vornherein darauf angelegt sind, beachtliche Preisnachlässe zu ermöglichen, sind zwar wettbewerbsrechtlich unzulässig. Doch es ist schwer, den Händlern den bösen Willen nachzuweisen. Schließlich sind ja Preiserhöhungen an sich nicht verboten.

Seine Hoffnungen setzt Wettbewerbsrechtler Goerke deshalb auf das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage: "Die Preise werden wieder sinken, wenn die Käufer nicht mehr bereit sind, so viel zu bezahlen." Da der Handel sich auf die Abwehr von Großrabattjägern vorbereitet, kann von der neuen Freiheit nur profitieren, wer ebenso für den Preiskampf übt (siehe "Aufs Handeln vorbereiten"). Der schüchterne Rest zahlt die Nachlässe, die die anderen aushandeln. Oder er weicht auf alternative Rabattsysteme aus.

Mit der Kundenkarte Payback kann man schon jetzt bei jedem Kauf in den beteiligten Läden Rabattpunkte sammeln, die sich später in Bargeld oder Prämien umtauschen lassen. Dass man durch die Bindung an bestimmte Geschäfte leicht günstige Angebote bei der Konkurrenz verpasst, ist die Kehrseite der Medaille.

Vermutlich werden auch bald die Zeitungen nach amerikanischem Vorbild voll von Rabattkupons sein. Einzelhandelsvertreter Stefan Schneider ist sich sicher: "Da kommt was." Aber auch hier gilt wie bei allen vermeintlichen Angeboten, dass man genau nachrechnen muss. Wettbewerbsrechtler Peter Goerke fand im USA-Urlaub einen Kupon in der Zeitung: "Kaufen Sie eine Jeans mit Aufschlag, und zahlen Sie für die zweite nur die Hälfte!" Im Laden kostete das angepriesene Doppelpaket 75 Dollar, 50 für die erste und 25 Dollar für die zweite Hose. Nicht gerade ein Schnäppchen, fand Goerke heraus. Denn der normale Ladenpreis lag bei 30 Dollar. Ohne den Rabattkupon kostete der Doppelpack also stolze 15 Dollar weniger.

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