Der günstige Dollarkurs verleitet Urlauber zum Shoppen. Doch oft gibt es bei der Rückreise Ärger am Zoll.

Für die dänische Touristin war es ein Alptraum: Nur ein paar Euro hatte sie im italienischen Ventimiglia für eine Designer-Sonnenbrille bezahlt. Doch das Teil war gefälscht – und die Polizei stand gleich daneben. 10 000 Euro Strafe stehen in Italien auf den Kauf von Plagiaten.

Ähnlich geht es Urlaubern weltweit: Fälscherware überall. Ob Omega-Uhren für 30 Euro in New Yorks China-Town, Adidas-T-Shirts für 5 Euro in Antalya, Louis-Vuitton-Taschen für 40 Euro in Florenz – die Versuchung lauert überall. Mitunter gleich hinter der deutschen Grenze, zum Beispiel im polnischen Swinemünde oder im tschechischen Eger: Boss-Gürtel, Nike-Turnschuhe, Nokia-Handys, DVD-Filme, Software, angeblich alles Originale. Doch neben der Gefahr, damit geschnappt zu werden, sind die „Luxusmarken“ auch sonst nicht ohne Risiko: Plagiate bestehen oft aus billigem Material. Das T-Shirt löst Allergien aus, die Hautcreme macht Pickel, der Handy-Akku explodiert und der chinesische USB-Speicherstick löscht plötzlich alle Daten.

Richtig gefährlich kann es bei Medikamenten werden. Schließlich kann jeder Laie in einer Hinterhofgarage aus Backpulver Tabletten pressen, die kaum vom Original zu unterscheiden sind. 2004 tauchten Viagra-Plagiate mit lebensgefährlichen Nebenwirkungen auf. Besonders oft werden auch Asthmamittel und Muskelaufbaupräparate gefälscht. Die Gefahr: zu wenig Wirkstoffe, dafür aber Verunreinigungen.

Auch am Zoll droht Ärger. Nur wenn der gesamte Warenwert 175 Euro nicht übersteigt – wobei der Einkaufspreis im Urlaubsland zählt – und wenn klar ist, dass der Urlauber keinen Handel treiben will, können die Zöllner ein Auge zudrücken. Eine einzelne gefälschte Uhr kann also durchgehen, kommen aber noch ein falsches T-Shirt und ein Paar Turnschuhe dazu, droht die Beschlagnahme. Zoll und 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer sind dann trotzdem fällig. Außerdem verständigen die Beamten die Originalfirma. Die wird eine Unterlassungserklärung verlangen. Da kann allein der Anwalt Hunderte Euro kosten.

Die Ausrede „Ich habe das Teil schon vor Jahren geschenkt bekommen“ hilft da nicht weiter. Schließlich können die Beamten einer Marken-Sonnenbrille nicht ansehen, wo sie gekauft wurde. Liegen keine Beweise vor, unterstellen sie die erstmalige Einfuhr. Auch der Einwand: „Ich wusste gar nicht, dass das eine Edelmarke ist“, greift nicht. Denn auf ein Verschulden kommt es nicht an, ebenso wenig darauf, ob man das Stück von Einheimischen geschenkt bekam.

„Manche Leute haben die unglaublichsten Dinge im Gepäck“, berichtet Zollpressesprecher Thomas Malter. Die Beamten werden regelmäßig geschult, sie kennen die typischen Reiseziele. Im Februar koordinierten sogar alle EU-Staaten Kontrollen mit gemeinsamen Fahndungsrastern.

An nichts Böses gedacht

Besonders aufpassen müssen Urlauber mit allem, was gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen verstößt. Es gilt für bedrohte Pflanzen und Tiere: Schildkröten, Tiger, Elefanten, viele Vögel, Orchideen, Kakteen und und und. Selbst die am Strand gefundene Muschel kann Ärger bereiten. Elfenbein, Schildpatt, Koralle, Schlangen-, Alligatoren- oder Krokodilleder gehören zu den am häufigsten beschlagnahmten Waren. Zusätzlich wird Bußgeld fällig. Bei Stiefeln aus einer geschützten Schlangenart kann das ein vierstelliger Betrag sein.

Tipp: Was verboten ist, finden Sie in einer Liste unter www.zoll.de („Artenschutz“).

So fiel ein Ehepaar bei der Rückkehr aus der Dominikanischen Republik aus allen Wolken. Die Frau hatte eine Halskette aus schwarzen Korallen gekauft und an nichts Böses gedacht, denn solchen Schmuck gab es dort überall im Laden zu kaufen. Das ist in vielen Ländern so: Elfenbein-Essstäbchen sind in Hongkong legal, aber in Deutschland verboten. Und in China führen manche Läden ausschließlich Plagiate.

Mitunter trifft es Touristen schon im Urlaubsland. So verhängt die Türkei drakonische Strafen für das Sammeln antiker Steine, selbst wenn sie auf den ersten Blick ganz gewöhnlich aussehen. Auch Leute, die Antiquitäten oder Fossilien im Laden gekauft hatten, landeten in Untersuchungshaft. Riskant sind auch Schnäppchen in Russland. Dort werden Ikonen zwar preiswert angeboten, aber viele der Heiligenbilder sind gestohlen. In Bulgarien verkaufen Raubgräber antiken Schmuck am Strand.

Aufs Kreuz gelegt

Weniger schlimm, aber ärgerlich ist es, wenn Reisende auf andere Art aufs Kreuz gelegt werden. Vor allem auf den Kanaren schlagen allzu smarte Verkäufer Time-Sharing-Anteile, also Wohnrechte an Urlaubswohnungen los. Und Türkei-Urlauber ärgern sich später über viel zu teuer gekaufte Teppiche. „Oft sind angebliche Kulturreisen in Wahrheit perfekt organisierte Verkaufstouren“, sagt der Stuttgarter Rechtsanwalt Kemal Karaman (siehe Meldung Reisegewinne).

Auch Gold- und Silberschmuck wird als supergünstig gepriesen – angeblich weil Arbeitslöhne und Einkaufspreise niedriger sind. „Doch Edelmetalle werden weltweit gehandelt, der Preis ist überall gleich“, weiß der Wiesbadener Goldschmiedemeister Stefan Oberleitner. „Firmen, die Edelsteine abbauen, verkaufen sie an Schleifzentren in der ganzen Welt.“ Nur was die nicht abnehmen, weil Farbe oder Reinheit unsauber sind, bleibt in der Region. Laien haben keine Chance, solche kleinen, aber wertvernichtenden Fehler zu erkennen. Oft ist die Verarbeitung miserabel: billige Massenware aus der Fabrik statt Handwerkskunst.

Jedes Jahr prüft der Sachverständige angebliche Schnäppchen. Die Materi­alien sind meist echt, die Prägestempel stimmen – nur nicht der Preis. Zum Beispiel ein Diamantcollier aus Antalya. 5 000 Euro sollte es kosten, auf 2 500 Euro hatte die Urlauberin es heruntergehandelt – doch der wahre Wert liegt bei 1 500 Euro. Oberleitner: „Ich habe noch keinen Fall erlebt, wo ich sagen konnte: Ja, das ist ein Schnäppchen.“

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