Einkauf im Internet Meldung

Rabatt­portale werben mit Gutscheinen und Erstattungen für jeden Einkauf. Doch wenn die versprochen Gutschrift nach dem Einkauf oder dem Abschluss eines Handy­vertrags ausbleibt, wird das vermeintliche Schnäpp­chen zum teuren Ärgernis. Aktuell in der Kritik vieler Verbraucher ist das Rabatt-Portal hier-gibts-was-geschenkt.de.

Sach­prämien und Gutscheine

Geld geschenkt bei jedem Einkauf? Das versprechen Rabatt­portale im Internet. Kunden, die über ein solches Portal einkaufen, sollen anschließend einen Teil der Rechnung erstattet bekommen, zum Beispiel in Form von Gutscheinen. Beim Rabatt­portal www.hier-gibts-was-geschenkt.de (HGWG) sind es sogenannte Coins im Wert von 10 Cent, die Kunden beim Kauf von Klamotten, Handy­verträgen, Strom oder Versicherungen erhalten und später gegen Sach­prämien oder Amazon-Einkaufs­gutscheine einlösen können.

Beschwerden: Prämien unattraktiv

Doch viele Kunden ärgern sich: Die Sach­prämien seien über­teuert, schnell vergriffen, die Lieferung ziehe sich lange hin und es gebe zu wenig attraktive Prämien. „Minderwertiges Plastikspielzeug zu über­teuerten Preisen“, schreibt User Ro Ki auf der HGWG-Facebookseite. „Markt­platz leergefegt“, schimpft Peter Schmidt. „Beinahe alle Sach­prämien ausverkauft“, stöhnt Thorsten Bräuer. „Wann gibt’s endlich mal was Gescheites?“ fragt Wille Nbg. „Nahe an der Frech­heits­grenze“, meint Carsten Jacobi. Wer derzeit seine „Coins“ einlösen will, bekommt vor allem hoch­preisige Geräte angeboten: Zum Beispiel einen Fernseher für 25 490 Coins, einen iMac für 19 500 Coins, eine Wasch­maschine für 7 200 Coins. Bei Prämien für weniger Coins steht oft ein „Ausverkauft“. Um genügend Coins für solche Prämien zu bekommen, müssen die Kunden fleißig über die Platt­form einkaufen. Für den Abschluss eines bestimmten Handy­vertrags über die Platt­form gibt es beispiels­weise 1 200 Coins.

Keine Kündigung des Kauf­vertrags

Die Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen registriert zahlreiche Klagen von Kunden. Viele hätten über das Portal Waren gekauft oder zum Beispiel Telefon­verträge abge­schlossen, die sie anderswo billiger bekommen hätten. Nur wegen der Coins hätten sie ein etwas teureres Angebot über HGWG angenommen. Doch recht­lich gilt: Das Rabatt­portal ist nur der Vermittler von Waren und Dienst­leistungen. Die Kauf­verträge schließen die Kunden stets mit den jeweiligen Anbietern. „Diese Verträge sind rechts­gültig, unabhängig vom Vermittler“, erklärt Helga Zander-Hayat von der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen. Auch wenn die Prämien lang­weilig sein mögen, über­teuert oder gar ausverkauft: Die einmal abge­schlossenen Verträge müssen weiter bezahlt werden. Ein Ausstieg ist in der Regel erst zum nächsten Kündigungs­termin möglich. Bei Handy­verträgen kann das durch­aus zwei Jahre dauern. Selbst wenn eines der Online-Vermitt­lungs­portale gar keine Prämien mehr verschi­cken oder Pleite gehen würde, können die Kunden aus den abge­schlossenen Verträgen nicht aussteigen, so Zander-Hayat. Sie blieben dann auf den ange­sammelten Gutschein­punkten oder Coins sitzen. Die einge­planten Zuschüsse, die den Kauf erst zu einem Schnäpp­chen machen würden, bleiben dann aus.

Mitunter nur wenig Angebote

Dabei winken oft Zuschüsse in erheblicher Höhe. Für die Berater der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen ein Grund zur Skepis: „Wie soll ein Geschäfts­modell funk­tionieren, bei dem ein E-Plus-Vertrag monatlich 30 Euro kostet, die es in Form von Amazon-Gutscheinen wieder retour gibt?“ Der Betreiber des Rabatt­portals hier-gibts-was-geschenkt.de, die EOL Portals GmbH, erklärt das auf der Home­page so: Man erhalte eine Vermitt­lungs­provision vom jeweiligen Partner, dessen Produkte die Kunden kaufen. „Diese Provision geben wir an Sie weiter, indem wir Sie beschenken.“ Außerdem erhalte man durch Groß­bestel­lungen Mengenrabatte. Zeit­weise sieht es allerdings auf der Home­page reichlich mager aus. Derzeit steht beim Rabatt­portal nur ein Angebot, für das die Käufer Coins bekommen würden (Stand 22. Mai 2013): Ein Handy­vertrag über zwei Jahre, für den bis zu 120 Euro in Coins erstattet werden.

Neue Angebot geplant

„Wir hatten tatsäch­lich Ende vergangenen Jahres einige Probleme“, gibt ein HGWG-Sprecher auf Nach­frage von test.de zu. Von Kunden bestellte Prämien seien nicht schnell genug ausgeliefert worden. Aber den Rück­stand arbeite man jetzt auf. „Die Beschwerdeflut war auch für uns unangenehm.“ Man arbeite intensiv daran, alles „sukzessiv weiter zu verbessern“. Inzwischen nehme die Zahl der Beschwerden ab. In Zukunft solle es wieder mehr Angebote geben.

Licht­blick besänftigt Kunden

Den Ärger der Kunden über das Rabatt­portal bekommen auch andere Firmen ab. Beim Stromanbieter Licht­blick etwa meldeten sich so viele enttäuschte Portal-Kunden, dass das Unternehmen sie auf eigene Rechnung mit 50-Euro-Gutschriften besänftigte. Recht­liche Schritte gegen das Portal habe man geprüft, dann aber davon abge­sehen, schreibt Licht­blick, schließt aber jede künftige Zusammen­arbeit aus. „Weitere Verbindungen wird es nicht geben.“

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