Das Reizklima in Graal-Müritz an der Ostsee tut den Atemwegen gut.

Kraft tanken, Seele baumeln lassen – niemand muss erst schwer krank werden, um zur Kur fahren zu dürfen. Erholung mit Zuschuss der gesetzlichen Krankenkasse ist sogar im Ausland möglich.

Wer ständig unter Strom steht, fühlt sich schnell erschöpft und ausgelaugt. Das beste Mittel gegen Stress in Job und Familien­leben ist eine Auszeit. Einige Tage im Well­ness­hotel reichen jedoch meist gerade einmal aus, um den Akku aufzuladen.

Jeder, der mehr für sich und seine Gesundheit tun möchte und bereits gesundheitliche Beschwerden hat, sollte über eine ambulante Vorsorgekur in einem anerkannten Kurort nach­denken, auch offene Badekur genannt.

Solch ein Tapeten­wechsel kann der richtige Weg sein, wieder zu Kräften zu kommen, gesund zu werden oder einer Verschlimmerung von Beschwerden vorzubeugen.

Die ambulante Vorsorgekur dauert in der Regel zwei bis drei Wochen. Den Termin wählt der Kurgast selbst. Er gilt in dieser Zeit als arbeits­fähig, anders als zum Beispiel bei der stationären Vorsorgekur oder bei Eltern-Kind-Kuren. Wenn er im Berufs­leben steht, muss der Kurgast also für die Zeit des Aufenthaltes Urlaub nehmen.

Kur ist nicht gleich Kur

Auch wenn der Begriff „Kur“ seit der Gesund­heits­reform im Jahr 2000 im Gesetz gar nicht mehr verwendet wird, so ist der Ausdruck „ich gehe auf Kur“ umgangs­sprach­lich immer noch geläufig. Fachleute sprechen einer­seits von Vorsorge, anderer­seits von Rehabilitation. Damit werden die verschiedenen Anwendungs­bereiche und Ziele einer Heilbe­hand­lung umschrieben: Vorsorgeleistungen wie eine ambulante Vorsorgekur sollen die Gesundheit erhalten, eine Reha stellt sie wieder her (Grafik: Ihr Weg zur Erholung).

Kuren für spezielle Ziel­gruppen und stationäre Reha:

Stationäre Vorsorgekur,
Vorsorgekur für Eltern,
Stationäre Vorsorgekur für pflegende Angehörige,
Stationäre Rehabilitation

Zuerst am Wohn­ort

Im Kurwesen gilt meist der Grund­satz „ambulant vor stationär“: Mit „ambulant“ ist in diesem Fall aber nur die medizi­nische Versorgung am Wohn­ort des Patienten gemeint. Reicht die nicht aus, kann eine ambulante oder eine stationäre Vorsorgekur verordnet werden. Für die Reha gilt: Genügen ambulante Rehamaß­nahmen am Wohn­ort nicht, kann ein stationärer Rehaauf­enthalt verordnet werden.

Unterstüt­zung von der Krankenkasse

Drei Wochen Erholung für Körper und Geist und Zeit für sich selbst sind teuer. Kurreisende müssen dafür unter Umständen mehrere Tausend Euro hinblättern – es sei denn, die Krankenkasse über­nimmt einen Teil davon (Was die Kasse bei der Vorsorgekur bezahlt). Dafür ist ein Antrag erforderlich. Den können alle gesetzlich Kranken­versicherten stellen – vom erschöpften Studenten bis zum arthrose­geplagten Rentner.

Bescheinigt der behandelnde Arzt, dass eine ambulante Vorsorgekur medizi­nisch erforderlich ist, erstatten Krankenkassen auf Antrag Kurkosten. Oft zahlen sie auch Zuschüsse für Unterkunft, Fahrt­kosten und Verpflegung.

Vorbeugen ist besser als heilen

Eine ambulante Vorsorgekur ist nicht Well­ness auf Kranken­schein. Sie kommt erst dann infrage, wenn die Behand­lung oder andere Maßnahmen am Wohn­ort des Patienten nicht ausreichen, wegen beruflicher oder familiärer Umstände nicht durch­geführt werden können oder aus medizi­nischer Sicht nicht sinn­voll sind. Oder wenn Heil­mittel am Kurort, zum Beispiel Thermal­wasser oder Solebäder, bessere Erfolge versprechen.

In aller­erster Linie soll eine Vorsorgekur den Organismus stärken und Krankheit und Pflegebedürftig­keit verhindern. Dabei spielen Bewegung, Ernährung, Psyche und äußere Umge­bung für die Genesung eine wichtige Rolle. Die ambulante Vorsorgekur setzt bereits bei leichteren Beschwerden an und soll Risiko­faktoren für Erkrankungen wie Überge­wicht, Über­beanspruchung einzelner Gelenke und Stress verringern. Zudem soll sie verhindern, dass sich bereits vorhandene chro­nische Erkrankungen verschlimmern. Ziel ist es, das Fort­schreiten zu bremsen oder das Wieder­kehren schub­weise auftretender Erkrankungen zu vermeiden.

Während einer Kur soll der Patient moti­viert werden, sich selbst zu helfen und erlernte Strategien in seinen Alltag zu integrieren.

Ein Bündel aus Dienst­leistungen

Anders als bei einer stationären Vorsorgekur muss der Kurgast nicht in eine Klinik. Er sucht sich selbst eine Unterkunft in einem staatlich anerkannten Kurort. Die Behand­lungen finden in einem Gesund­heits- oder Kurzentrum statt. Informationen über Heilbäder und Kurorte und die von ihnen angebotenen Therapien finden Interes­sierte auf der Internetseite des Deutschen Heilbäderverbands.

Eine Alternative sind sogenannte Pauschalkuren, die spezialisierte Reise­ver­anstalter auch im europäischen Ausland anbieten, etwa in Polen, Tschechien oder der Slowakei. Im Preis sind Unterkunft, Verpflegung, ärzt­liche Behand­lungen sowie therapeutische Anwendungen und oft auch die Fahrt enthalten.

Unbe­dingt Wider­spruch einlegen

Auch wenn alle Voraus­setzungen vorliegen, heißt das noch nicht, dass die Krankenkasse die Kur sofort genehmigt. In Paragraf 23 Absatz 2 Sozialgesetz­buch V steht, dass die Kasse sie unter den genannten Voraus­setzungen bewil­ligen „kann“, sie muss aber nicht. Im Jahr 2015 genehmigten die gesetzlichen Krankenkassen rund drei Viertel aller „abschließend bearbeiteten“ Anträge, rund ein Viertel lehnten sie ab. Im selben Jahr wurde in über 37 Prozent der Fälle die Leistung nach einem Wider­spruch bewil­ligt.

Die Möglich­keit zum Wider­spruch sollten Versicherte also immer wahr­nehmen. Wie das geht, erklären wir unter: Was Sie tun können, wenn Ihre Krankenkasse Ihre Kur ablehnt.

In einschlägigen Internetforen geben sich Versicherte gegen­seitig Ratschläge, wie mit ablehnenden Bescheiden umzu­gehen ist. Einhellige Meinung ist: Dranbleiben! „Die Ablehnung durch die Kassen beim ersten Versuch hat tatsäch­lich Methode – glaub mir!“, schreibt ein Nutzer. Viele haben den Eindruck, die Krankenkassen lehnten einen Kurantrag in der Regel erst einmal ab. „Wem es wichtig ist, der wird schon Wider­spruch einlegen“, heißt es in der Foren­diskussion.

„Berate dich mit deinem Arzt und reiche unbe­dingt Wider­spruch ein. Ich gehe mal davon aus, dass es dann klappt!“ Dieses Fazit aus ihren Erfahrungen ziehen viele Forenn­utzer.

Führt der Wider­spruch nicht zum Erfolg, bleibt nur der Gang zum Sozialge­richt. Das ist für Versicherte kostenlos. Nur wenn ein Anwalt einge­schaltet wird, entstehen Anwalts­kosten.

Wer auch vor Gericht nicht recht bekommt, muss die Kur komplett aus eigener Tasche bezahlen. In jedem Fall sollten auch Selbst­zahler vorher mit ihrem Arzt sprechen. Dieser kann Empfehlungen für Therapien und spezielle Kurorte aussprechen.

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