Einbruch­schutz Special

Einbrüche haben stark zugenommen. Immerhin: Wer Türen und Fenster sicherer macht, bekommt Zuschüsse vom Staat. So zahlt die staatliche Förderbank KfW die Zuschüsse jetzt bereits, wenn Eigentümer oder Mieter 500 Euro in den Einbruchs­schutz investieren. Hier lesen Sie, welche Fördertöpfe es gibt, und wie Eigentümer und Mieter an die Fördergelder kommen.

Das Haus sicherer machen

Es ist Jahre her und doch erinnert sich Thomas Kern, als wäre es gestern gewesen: Er sitzt neben seiner Frau Ingrid auf dem Sofa in ihrem Einfamilien­haus im Rhein­land und sieht im Fernsehen, wie ein Profi binnen einer Minute zwei Wohn­zimmerfenster und eine Terrassentür aufhebelt. „Mir wurde auf einen Schlag bewusst, wie unsicher normale Fenster und Türen sind“, sagt Kern. Für beide ist klar: Wir müssen unser Haus sicherer machen.

Tipp: Die Stiftung Warentest hat 15 nach­rüst­bare Türsicherungen getestet, darunter Querriegelschlösser, Stangenschlösser, Kastenzusatz­schlösser und Bandsicherungen. Das Ergebnis ist alarmierend: Jedes zweite „Boll­werk“ war schnell geknackt. Und das bei Preisen von bis zu 695 Euro. Es gibt aber auch gute Schlösser. Zum Test von Türsicherungen.

Es lohnt sich

Einbruch­schutz Special

Haben ihr Haus gut gesichert: Thomas und Ingrid Kern.

Als Familie Kern investierte, gab es noch keine Zuschüsse vom Staat für Einbruch­schutz. Heute zahlt die KfW-Bank zu. Seit Ende 2015 gewährt die Kredit­anstalt für Wieder­aufbau Privatpersonen den Zuschuss mit der Nummer 455 für Einbruch­schutz, wenn sie in bessere Sicher­heits­technik für Wohnung oder Haus investieren, wo sie leben. Das Geld können Eigentümer und Mieter beantragen. Sie müssen es nicht zurück­zahlen. Mieter brauchen das Okay ihres Vermieters.

KfW-Förderung: Heiß begehrt

Die Förderung kann sich lohnen. Die KfW zahlt 10 Prozent der Kosten zwischen 500 und 15 000 Euro für Material und Hand­werk­erleistungen. Sie spendiert also bis zu 1 500 Euro. Das Geld ist heiß begehrt. Wer zusätzlich Maßnahmen zur Barrierereduzierung umsetzt, erhält je nach Höhe der Investition zwischen 200 Euro und 6 250 Euro. Förderfähig sind Material­kosten und Hand­werk­erleistungen. Privatleute können den Förder­antrag online bei der KfW stellen. Das muss vor Beginn des Vorhabens geschehen. Außerdem muss ein Handwerks­fach­betrieb die Arbeiten ausführen. Unter kfw.de/455 oder unter kfw.de/einbruchschutz stehen weitere Informationen.

Vorläufige Zusagen

Antrag­steller bekommen zunächst eine vorläufige Zusage, müssen aber binnen sechs Monaten nach der Antrag­stellung belegen, dass die Arbeiten auch tatsäch­lich durch­geführt wurden (So beantragen Sie die Fördermittel richtig). Der Tag der vorbehaltlichen Zusage zählt als Start für die 6-Monats-Frist. Wer sie nicht sicher einhalten kann, sollte über­legen, ob er das Fördergeld erst entsprechend später beantragt.

Einbruchzahlen auf hohem Niveau

Über viele Jahre ist die Zahl der Einbrüche in Deutsch­land gestiegen. Für 2016 meldete die Polizei 151 265 Fälle – etwas weniger als im Vorjahr. Die Aufklärungs­quote beträgt etwa 17 Prozent. „Viele Räuber wählen den Weg durch gut erreich­bare Fenster und Terrassentüren“, sagte Georg von Strünck, Haupt­kommis­sar beim Berliner Landes­kriminal­amt. „Bei Wohnungen in höheren Stock­werken ist meist die Wohnungs­tür das Einfalls­tor.“

Einbrechern einen Riegel vorschieben

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Fens­tersicherung. Ein Doppelflügel­schloss verhindert gleich bei zwei Fens­tern das Heraus­hebeln.

Die Statistik der gemeldeten Fälle zählt auch Einbruch­versuche. In 44,3 Prozent der Fälle hatten die Einbrecher keinen Erfolg. Sie haben die Tat abge­brochen, bevor sie etwas stehlen konnten. Oft gäben Einbrecher auf, so von Strünck, wenn sie in den ersten Minuten nicht erfolg­reich seien. Neben besserer Sicher­heits­technik sieht die Polizei auch eine gestiegene Aufmerk­samkeit von Nach­barn als Grund.

Manchmal hilft auch schon ein Warn­schild

Zu den nach­rüst­baren, effektiven tech­nischen Maßnahmen gehören abschließ­bare Fens­tergriffe, einbruchhemmende Verglasung, ins Gebäude einge­lassene Verankerungen für Türen und Fenster. Selbst eine Außenbe­leuchtung mit Bewegungs­melder oder Warn­schilder mit der Aufschrift „Wach­same Nach­barn“ oder „Vorsicht vor dem Hund“ nützen. Einbrecher testen ungern aus, ob ein Hund bellt oder ein Nach­bar durch den Fens­terspalt guckt.

Abschre­ckung und Sicherung: Die Mischung machts

Optimal ist eine Mischung aus Abschre­ckung und Sicherung: abschließ­bare Fens­tergriffe, Rahmensicherungen für Fenster und Terrassentüren gegen das Aufhebeln, Bandsicherungen für die Eingangs­tür.

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Türsicherung. Die Schiebetür geht nur auf, wenn der Holz­balken von innen entfernt wird.

Fach­betrieb muss Arbeit ausführen

Die KfW-Bank fördert die Investitionen in solche Maßnahmen nur, wenn sie die Arbeiten genehmigt hat, bevor ein Fach­betrieb damit beginnt. Die Reihen­folge ist wichtig: Zuerst den Antrag stellen, auf die Bestätigung warten, dann mit den Arbeiten starten, dann abrechnen, dann kassieren. Sonst gibt es kein Geld. Der „Fach­betrieb“ muss übrigens kein Meister­betrieb sein. Der Kunde hat eine relativ freie Wahl. Er muss nur ein Unternehmen beauftragen, das in dem Bereich tätig ist – Laien dürfen es nicht sein.

Alters­gerechter Umbau der Wohnung

Die staatliche Förderbank KfW zahlt auch wieder Zuschüsse an Haus­eigentümer, die ihre Wohnung alters­gerecht umbauen. Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern und Eigentums­wohnungen erhalten 10 Prozent der Kosten als Zuschuss für barrierereduzierende Maßnahmen, höchs­tens aber 5 000 Euro. Erreichen sie den KfW-Stan­dard „Alters­gerechtes Haus“, steigt der Zuschuss auf 12,5 Prozent (maximal 6 250 Euro).

Tipp: Als Eigentümer beantragen Sie die Förderung online über das neue Zuschussportal der KfW . Anstelle des Zuschusses können Sie über Ihre Bank wie bisher einen verbilligten KfW-Kredit erhalten.

Kosten beim Finanz­amt geltend machen

Zusätzlich zum Zuschuss können Privatleute seit Kurzem auch einen güns­tigen Förderkredit (Nummer 159) für ihre Investitionen bekommen. Der Zins­satz beträgt zurzeit 0,75 Prozent. Es bestehen auch einige regionale Fördertöpfe. Und Steuerzahler können außerdem einige Kosten beim Finanz­amt absetzen.

Mit anderen Zuschüssen kombinieren

Die KfW bietet noch mehr Fördergeld für Umbaumaß­nahmen an. Wer plant, deutlich mehr Geld für den Einbruch­schutz auszugeben als 15 000 Euro, kann durch schlaue Kombination mehrere Zuschüsse nutzen: beispiels­weise für Einbruch­schutz, Barrierefreiheit und energieeffiziente Sanierung. So lassen sich womöglich Umbauten an der Terrassentür auch aus dem Topf „Barrierereduzierung“ bezu­schussen. Einbruchsichere neue Fenster dienen oft der energetischen Sanierung. Auch dafür steht ein eigener Fördertopf bereit. Wer ihn nutzt, kann zusätzlich Geld für einen Sach­verständigen beantragen. Denn es gibt auch Zuschüsse für Beratungs- und Planungs­kosten. Insgesamt kann der Kombinierer so bis zu 15 250 Euro erzielen.

Regionale Förder­angebote nutzen

Auch einige Städte und Regionen zahlen Zuschüsse für Investitionen in den Einbruch­schutz. Die Stadt Heidel­berg hat zum Beispiel mit der „Schloss­prämie“ einen Fördertopf geschaffen, aus dem jede Privatperson bis zu 2 500 Euro für Sicher­heits­technik zu Hause erhalten kann. Das Land Nord­rhein-West­falen fördert entsprechende Investitionen mit zins­güns­tigen Darlehen. Weitere Infos fasst die Internetseite k.einbruch.de/foerderung zusammen.

Kosten steuerlich geltend machen

Wer weniger als 500 Euro ausgibt, zum Beispiel nur einen Querriegel (siehe Test Türsicherungen, test 2/2016) an der Tür nach­rüstet, bekommt keinen Zuschuss von der KfW. Er kann die Kosten aber in der Steuererklärung angeben. Ebenso diejenigen, die mehr als die maximale Förderhöhe von 15 000 Euro bezahlt haben. Sie können die Differenz geltend machen: Bis zu 6 000 Euro lassen sich so als haushalt­nahe Dienst­leistung angeben. Genau wie bei anderen Hand­werk­erleistungen werden 20 Prozent des Arbeits­lohns, der Fahrt- und Maschinen­kosten sowie die anteilige Umsatz­steuer erstattet, also bis zu 1 200 Euro. Ausgaben für Material zählen nicht mit (siehe auch unser Special Haushaltsnahe Dienstleistungen).

Steuer­abzug unter Umständen lohnender als Zuschuss

Je nach persönlicher Situation kann der Steuer­abzug sinn­voller sein als ein KfW-Zuschuss. Eine Hoch­rechnung vor dem Beantragen lohnt sich deshalb. Bei besonders hohen Ausgaben ist eventuell ein Steuer­abzug als außergewöhnliche Belastung möglich. Ob das infrage kommt, lässt sich nur im Einzel­fall entscheiden. Material­kosten sollten in der Rechnung einzeln aufgeführt sein. Nur dann akzeptiert das Finanz­amt die Steuer­erleichterung. Außerdem sollte der Auftrag­geber per Über­weisung bezahlen, so kann er die Ausgaben im Konto­auszug nach­weisen.

Gut gerüstet für den Fall der Fälle

Ingrid und Thomas Kern sind froh, ihr Haus aufgerüstet zu haben – auch ohne Fördergeld vom Staat. Entscheidend ist der Einbruch­schutz. „Bisher ist zum Glück nichts passiert“, freuen sie sich.

Ratgeber Einbruch­schutz

Wie Haus­besitzer und Mieter sich vor Einbrechern schützen können, zeigt unser Buch Einbruchschutz. Neben vielen Alltags-Tipps zeigt Ihnen das Buch, was zu tun ist, wenn der Schadens­fall tatsäch­lich eintritt, und welche Versicherungen in dieser Situation wirk­lich nützen. Zusätzlich erfahren Sie, wie Sie Ihr Heim gegen anderes Unglück wie Brand, Leitungs­leck oder Über­schwemmung absichern. Das Buch ist für 19,90 Euro im Handel erhältlich und im test.de-Shop bestell­bar.

Dieses Special ist erst­mals am 28. September 2016 auf test.de erschienen. Es wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 3. Mai 2017.

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