Einbruch­schutz Test

Mit Beginn der dunklen Jahres­zeit steigt das Einbruchrisiko. Kleiner Licht­blick: Die Täter scheitern bei vier von zehn Versuchen. test zeigt, wie Sie Dieben das Hand­werk legen.

„Bei meiner Schwester Uschi haben es die Einbrecher schon versucht, aber da hatten die Pech. Die Fenster sind so stabil, dass anschließend nur kleine Druck­stellen zu sehen waren“, berichtet Rentnerin Christel T. aus Berlin-Reini­cken­dorf. Der gescheiterte Einbruch­versuch macht ihr Mut. „Bisher habe ich immer nur gehofft, mir wird schon nichts passieren. Jetzt will ich auch mein Haus sicherer machen.“

Helfen soll ihr Georg von Strünck von der Berliner Polizei. Der Kriminal­haupt­kommis­sar ist zuständig für Prävention. Sein Team berät Haus­besitzer und Mieter, wie sie sich vor Wohnungs­einbrüchen schützen können zum ausführlichen Interview mit Georg von Strünck. Das ist bitter nötig, zeigt die Statistik. Jähr­lich schlagen die Gangster in Deutsch­land rund 144 000 Mal zu. Tendenz steigend.

Die Schwach­stellen entdecken

Einbruch­schutz Test

Der Kommis­sar geht um. Georg von Strünck vom LKA Berlin über­prüft bei Christel T. die Sicherung der Fenster.

Wir begleiten den Haupt­kommis­sar durch fünf Berliner Haushalte: frei­stehende Einfamilien­häuser, Reihen­haus, Erdgeschoss­wohnung im großen Miets­haus. Sicher­heits­lücken findet er über­all. Die gute Nach­richt: Für alle Problemfälle hat der Einbruch­experte Lösungen parat.

Bei Christel T. beginnt die Beratung mit einem gemein­samen Rund­gang ums Haus. „So verschaffe ich mir einen Über­blick, wo es die Täter am ehesten versuchen würden“, erklärt von Strünck. Auf der Rück­seite des Gebäudes entdeckt er gleich mehrere Schwach­stellen, darunter einen für Kletterer erreich­baren Balkon. Wenn dann noch – wie zur Ernte­zeit üblich – in vielen Gärten Leitern stehen, gelangen Einbrecher schnell und bequem dort hinauf.

Tipp: Bringen Sie die Leiter besser in die Garage oder schließen Sie diese mit einem soliden Fahrradschloss (siehe test 04/2013) an Bäumen oder Gittern fest.

Kommis­sar von Strünck inspiziert die Türen und Fenster aus der Nähe – und muss Christel T. enttäuschen: „Relativ sicher ist nur das Badfenster mit dem Außengitter.“ Über­all fehlen abschließ­bare Griffe. Schlägt der Täter das Glas ein, braucht er nur durch­zugreifen und schon kann er das Fenster bequem öffnen.

Tipp: Hand­werk­lich geschickte Laien können Fens­tergriffe selbst auswechseln. Wählen Sie einen nach DIN 18267 geprüften Griff, der mindestens Verdreh- und Abreiß­kräften von 100 Newton­meter (Nm) trotzt.

Der Polizei­beamte erläutert, dass abschließ­bare Griffe zwar wichtig sind, aber als alleiniger Schutz nicht reichen. Meist scheuen die Täter das Klirren und greifen zum Aufbruch­werk­zeug. „Ihr Küchen­fenster lässt sich so leicht aufhebeln, dass Sie davon im Schlaf­zimmer nichts hören.“

Schutz durch Pilzköpfe

Einbruch­schutz Test

Beschläge. Haben die beweglichen Verschluss­zapfen am Fens­terflügel diese Pilzform, verhaken sie sich relativ sicher mit den Verschluss­stücken am Rahmen.

Bei Christel T. und in anderen besuchten Haushalten findet der Experte Fenster, deren Metall­beschläge zwar „vor Wind und Wetter schützen, aber nicht vor Einbrechern“. Die beweglichen Zapfen und Halterungen, die Rahmen und Flügel verriegeln, sind unsolide und sitzen nur an wenigen Stellen. Brutales Hebeln knackt ein solches Fenster oft in Sekunden.

Tipp: Prüfen Sie, wie sicher die Beschläge sind. Öffnen Sie die Fenster und sehen Sie nach, welche Form die beweglichen Verschluss­zapfen haben. Fehlen sichernde Pilzköpfe (siehe Foto) und passende Gegen­stücke, erkundigen Sie sich bei Fens­terbauern, ob es lohnt, die Beschläge zu erneuern. Bei den meisten Holz- und Kunst­stoff­fens­tern ab Baujahr 1990 ist das möglich. Preise vergleichen! Ist Ihnen Nach­rüsten zu teuer, können Sie über ein neues Fenster nach­denken. Das sollte mindestens die Anforderungen der Sicher­heits­klasse 2 („RC 2“, nach DIN EN 1627) erfüllen.

Rentnerin Christel T. will den Aufwand möglichst gering halten. „Ihr Küchen­fenster könnten Sie mit einem Stangen­schloss nach­rüsten lassen“, rät Haupt­kommis­sar von Strünck. Beim Zusperren genügt dann ein Dreh am Fens­tergriff – und schon verriegeln die Enden der Stangen das Fenster oben und unten. Alternativ sind Zusatz­schlösser erhältlich. Das Prinzip: Eine Hälfte wird fest auf dem Rahmen verschraubt, die andere auf dem Flügel. Wird das Fenster geschlossen, sind beide Hälften verriegelt oder verkrallt.

Tipp: Je größer das Fenster, desto mehr zusätzliche Sicherungen brauchen Sie, um Flügel und Rahmen an den gefähr­deten Stellen fest miteinander zu verbinden – sowohl auf der Öffnungs- als auch auf der Scharnierseite. Oft ist die Unterseite des Fens­ters am meisten gefährdet, weil die Einbrecher dort am besten heran­kommen.

Einfach durch die Tür

Der bei Einbrechern beliebteste Weg ins Haus führt ganz bequem durch Terrassen- oder Balkontüren. Die sind meist ähnlich konstruiert wie die Fenster, aber dank ihrer Größe noch leichter aufzuhebeln.

Tipp: Terrassen- und Balkontüren sollten beim Nach­rüsten Priorität haben. Bei Fens­tern bewährte Techniken wie Stangenschlösser oder Scharnier­seiten­sicherungen helfen auch hier.

Haus- und Wohnungs­türen wirken oft stabil, dem kritischen Blick des Experten halten aber nicht alle stand. Zum Beispiel in der Weddinger Erdgeschoss­wohnung mit einer Tür aus den 50er Jahren. „Das ist die einfachste aller Türen: Papp­ware. Beim Aufbrechen befinden wir uns im Sekunden­bereich“, sagt von Strünck. Die Haustür eines älteren Reihen­hauses könnte ein Dieb eintreten. Der Rahmen ist zwar stabil, aber die dazwischenliegenden Holz­verkleidungen sind relativ dünn und innen hohl.

Tipp: Prüfen Sie, ob sich die Tür mit einem Blech oder einer Multiplexplatte verstärken lässt. Dafür muss die Rahmenkonstruktion aber stabil genug sein. Oft ist ein zusätzlicher Querriegel sinn­voll. Den erkennt ein potenzieller Einbrecher von außen am typischen Schloss – und lässt sich im Ideal­fall dadurch abschre­cken.

Rentnerin Christel T. lieb­äugelt mit einer radikalen Lösung: „Ich über­lege, meine Glastür gegen eine moderne, sichere Tür auszutauschen. Die sperrt dann nicht nur Einbrecher aus, sondern auch die Kälte.“

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