Einbruch­schutz Special

Auch wenn in den dunkleren Monaten mehr einge­brochen wird als im hellen Sommer, sollten Sie nicht sorglos in den Jahres­urlaub fliegen. Im Vorteil ist derjenige, der gut vorbereitet ist. Der folgende Artikel ist ein Auszug aus unserem Ratgeber Einbruchschutz. Unsere Experten erklären, worauf Urlauber besonders achten sollten – und wie sie Gauner austricksen können.

So tun, als wär man da

Am liebsten brechen Gauner ein, wenn die Bewohner nicht da sind und möglichst lange niemand von der Tat Wind bekommt. Dann ist das Risiko geringer, erwischt zu werden, und man kann sich bei der Durch­suchung der Wohnung etwas mehr Zeit lassen als sonst. Doch es gibt kein öffent­liches Verzeichnis mit den Adressen derjenigen, die just im Urlaub sind. Jeder Verbrecher muss selber auskund­schaften, ob die Luft rein ist oder nicht. Für Sie bedeutet das: Sorgen Sie dafür, dass es Einbrecher schwieriger haben heraus­zufinden, dass Sie nicht da sind. „Urlauber sollten so wenig Aufsehen wie möglich von ihrer Abreise machen. Grundsätzlich gilt: Keine herzzer­reißenden Abschieds­szenen bei der Abfahrt!“, erklärt Carolin Hack­emack, Geschäfts­führerin der Polizei-Initiative Zuhause sicher.

Die Abreise: Unauffäl­lig und schnell

Einbruch­schutz Special

Das betrifft vor allem die Abreise. Über­legen Sie: Wie oft konnten Sie während des letzten Jahres erkennen, dass ein Nach­bar in den Urlaub fährt? Da werden Autos vorgefahren und für eine längere Reise präpariert. Stunden­lang schleppt die Familie einen Koffer nach dem anderen aus der Wohnung, nur um noch länger auszutüfteln, wie diese sich am besten im Auto verstauen lassen. Sollte ein Gauner in dieser Zeit zufäl­lig vorbeifahren, können Sie sicher sein, dass er dieses Haus in den kommenden Tagen noch einmal genauer beob­achten wird. Deswegen sollten Sie die Abreise möglichst unauffäl­lig und schnell machen. Erledigen Sie das Packen grund­sätzlich drinnen, so dass das Einräumen ins Auto schnell vonstatten geht.

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Aufpassen, was man preisgibt

Doch nicht nur die Abreise sollte unscheinbar verlaufen: Auch in den Wochen zuvor ist es ratsam, sich mit den Urlaubs­plänen bedeckt zu halten. Das ist insofern nicht einfach, als man Nach­barn und Bekannten aus Vorfreude gerne reichlich von der nahenden Kreuz­fahrt oder dem Südost­asien-Trip erzählen möchte. Immerhin geht für manche ein alter Traum in Erfüllung, da möchte man am liebsten jedem von seinem Glück erzählen. Doch Sie sollten im Vorfeld nur mit den engsten Vertrauten über die Reise sprechen. Ein kleiner Trost: Nach dem Urlaub haben Sie noch genug Zeit, von dem Erlebten zu erzählen.

Beim Friseur und im Fitness­studio lieber bedeckt halten

Typische Orte, wo man gerne über den nahenden Urlaub plaudert, sind jene, die uns vertraut sind, die aber auch von Fremden besucht werden. Das sind der Friseur, der Stamm-Supermarkt, die Bäckerei oder das Fitness­studio. Selbst wenn die Gesprächs­partner vertrauens­würdig sind, können doch auch Dritte einige Sätze im Vorbeigehen aufschnappen. Halten Sie sich deswegen lieber bedeckt.

Facebook & Co.: Weniger ist mehr

Auch digital kann das Ausplaudern der Urlaubs­pläne schwerwiegende Folgen haben. Eine Umfrage der britischen Finanz-Website Credit Sesame, bei der 50 ehemalige Einbrecher interviewt wurden, hat 2011 ergeben: Fast 80 Prozent von ihnen haben in ihrer Zeit als Verbrecher regel­mäßig soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter verwendet, um dort nach guten Einbruchzielen zu suchen.

„Wir sind weg“ – keine gute Idee

Während die Plauderei über den geplanten Urlaub beim Friseur oder im Supermarkt noch den Vorteil hat, dass dies aufhört, sobald die Reise angetreten wird, ist in den sozialen Medien die Abreise für viele der Start­schuss, um ausgiebig vom Urlaub zu berichten. „Wir sind weg“ oder „Sonne, wir kommen“ sind nur einige Statusmeldungen, die Gauner aufhorchen lassen. Dank der WLan-Verbindungen in den Hotels lassen sich ja auch so einfach schöne Strandfotos ohne zusätzliche Kosten aus dem Ausland verbreiten.

Urlaubs­grüße nicht öffent­lich posten

Posten Sie Urlaubs­fotos auf Facebook und Co nur, wenn die Adressaten enge Freunde sind. Das bedeutet vor allem: Schreiben Sie die Grüße nicht öffent­lich! Bei jedem Beitrag, den Sie bei Facebook verfassen, wird auch angegeben, ob dieser „Öffent­lich“ oder an „Freunde“ gepostet wird. Einfach auf den jeweiligen Button klicken oder tippen und fest­legen, wer den Text oder das Bild sehen darf.

Auch „Freunde“ können Gauner sein

Beachten Sie aber: Wenn Sie viele Facebook-Freunde haben, die Sie womöglich gar nicht persönlich kennen, dann ist die Gefahr immer noch groß, dass unter Ihren „Freunden“ auch Gauner stecken. Denn Facebook dient auch dazu, Leute miteinander zu verknüpfen, die man im echten Leben noch nie oder vielleicht nur einmal gesehen hat. Wenn also Ihre Freund­schafts­liste viele Menschen enthält, die Sie nur flüchtig kennen, dann sollten Sie keine Urlaubs­fotos posten. Sind Sie mit mehreren Freunden im Urlaub, dann ist die Gefahr groß, dass noch mehr Fotos als sonst in den Umlauf gelangen. Besprechen Sie das Thema also am besten auch mit den anderen Mitreisenden. Nur wenn man gemein­sam vorsichtig ist, kann man die Gefahr eines Einbruchs verringern.

Markierungen auf Facebook-Fotos

Gerade dann, wenn man mit vielen anderen im Urlaub ist, kann die Markierungs­funk­tion von Facebook gefähr­lich werden: Hierbei lassen sich Personen, die beispiels­weise auf einem Selfie zu sehen sind, ganz einfach mit dem jeweiligen Facebook-Profil verknüpfen. Der Betrachter erhält somit mehr Informationen über die abge­bildeten Personen als sie das simple Foto geben würde.

„Freunde von Freunden“ – das können ganz schön viele sein

Wenn Sie auf einem Bild von einem Ihrer Freunde markiert werden, erscheint dieses Foto dann unter Umständen auch in der Chronik Ihres Profils. Sprich: Auch ohne Ihr Zutun wissen die Betrachter Ihres Facebook-Profils gegebenenfalls, dass Sie im Urlaub sind. Selbst dann, wenn in den Einstel­lungen von Facebook fest­gelegt ist, dass nicht jeder dieses verknüpfte Foto sieht, muss man vorsichtig sein: Ist beispiels­weise einge­stellt, dass „Freunde von Freunden“ diese Fotos sehen können, dann ist das immer noch eine beacht­liche Anzahl an Personen. Kurze Rechnung: Sie haben zum Beispiel selber 100 Facebook-Freunde, von denen wiederum jeder wiederum 100 (unterschiedliche) Freunde hat, dann würden schon 10 000 Facebook-Nutzer dieses Foto sehen, wenn diese auf Ihre Facebook-Seite stoßen sollten.

Tipp: Nehmen Sie zeitig die richtigen Einstel­lungen vor und vermeiden Sie so eine unabsicht­liche Verbreitung dieser markierten Fotos. Dazu müssen Sie sich am Computer bei Facebook einloggen, oben rechts dann auf den kleinen Pfeil klicken und dann „Einstel­lungen“ wählen. Unter „Chronik und Markierungs­einstel­lungen“ können Sie dann die Markierungs­optionen definieren.

Worauf mobile Facebook-Nutzer achten sollten

Starten Sie die Facebook-App und tippen Sie dann oben rechts auf den Menü­button (drei waagerechte Striche). Wischen Sie nach unten, und wählen Sie „Konto­einstel­lungen“. Hier finden Sie ebenfalls die Einstel­lungen für „Chronik und Markierungen“. Im Folgenden nennen wir Ihnen ein paar Tipps, welche Optionen Sie hier wählen sollten:

  • Markierte Fotos in der Chronik: Lassen Sie es nicht zu, dass Fotos, auf denen Sie markiert wurden, in Ihrer Chronik zu sehen sind. Sie sollten dies individuell entscheiden. Klicken Sie hierbei unter „Möchtest du die Beiträge über­prüfen, in denen du von Freunden markiert wurdest, bevor sie in deiner Chronik erscheinen?“ auf „Bearbeiten“. Wählen Sie „Akti­viert“. Ist diese Einstellung vorgenommen, dann erhalten Sie zunächst eine Benach­richtigung über die Markierung; hier können Sie mit einem Klick entscheiden, ob es in Ihrem Facebook-Profil zu sehen sein wird oder nicht.
  • Wer die markierten Fotos sehen kann: Wenn Sie gestatten, dass ein Foto mit Ihrer Markierung in Ihrer Chronik zu sehen ist, dann ist es wichtig zu wissen, wer dieses Bild letzt­lich sehen wird. Diese Einstellung finden Sie unter „Wer kann Beiträge, in denen du markiert wurdest, in deiner Chronik sehen?“. Klicken Sie auf „Bearbeiten“, wenn Sie die Einstellung ändern möchten. Wir empfehlen, auf gar keinen Fall „Alle“ zu wählen; auch von der Einstellung „Freunde von Freunden“ ist abzu­raten.
  • Andere auf Ihren Fotos markieren: Man kann auf Fotos auch Markierungen hinzufügen, wenn man selber nicht das Foto hoch­geladen hat. Beispiels­weise kann ein Freund von Ihnen sich oder jemand anderen in einem Foto markieren, wenn Sie es gepostet haben. Es ist zu empfehlen, dass Sie dies erst abni­cken, bevor die Markierung gesetzt wird (oder eben nicht). Wählen Sie dafür in den Markierungs­einstel­lungen die Option „Möchtest du die Markierungen überprüfen, die Personen zu deinen eigenen Beiträgen hinzufügen, bevor sie auf Facebook erscheinen?“. Klicken Sie auf „Bearbeiten“, und wählen Sie „Akti­viert“.
  • Markierungen komplett entfernen: Sie können ganz einfach vermeiden, dass ein Beitrag in Ihrer Chronik zu sehen ist, und Sie können fest­legen, wer das dann sehen kann. Grund­sätzlich ablehnen, dass Sie auf einem Foto oder in einem Beitrag markiert werden, lässt sich auf dem üblichen Weg nicht. Erhalten Sie eine Nach­richt, dass Sie markiert wurden, können Sie dem immerhin widersprechen, indem Sie auf „Markierung melden/entfernen“ klicken. Hier können Sie Facebook mitteilen, dass die Markierung gelöscht werden soll. Eleganter und weit­aus freundlicher gegen­über dem Facebook-Freund, der Sie markiert hat, ist es aber, ihn persönlich zu kontaktieren: Sagen Sie, dass Sie diese Markierung nicht mögen. Und bitten Sie ihn freundlich, dass er Sie auf dem Foto nicht markieren soll.

Sämtliche Frei­zeit­aktivitäten vorsichtig preis­geben

Der umsichtige Umgang mit Facebook bezieht sich natürlich nicht nur auf den Urlaub. Auch das ungezügelte Preis­geben von Hobbys kann unter Umständen Einbrecher aufhorchen lassen: Outen Sie sich als extremer Brett­spielfan, und posten Sie jähr­lich von der Spiele­messe in Essen, dann kann sich ein Gauner den nächsten Termin schon jetzt rot im Kalender anstreichen. Halten Sie sich bedeckt, und veröffent­lichen Sie nicht wahl­los jede Ihrer Frei­zeit­aktivitäten.

Abwesen­heits­notiz oder nicht?

Ein anderes Thema rund um den Urlaub sind Abwesen­heits­notizen. Diese lassen sich in der Regel bei jedem Mailanbieter kostenlos einrichten: Ein kurzer Text, der jedem geschickt wird, der eine E-Mail schreibt; mit dem Hinweis, dass man aktuell nicht erreich­bar ist, aber in zwei Wochen wieder am Arbeits­platz sitzt. Hier stellt sich die Frage: Sind diese Abwesen­heits­notizen gefähr­lich? Können sie Gauner dazu inspirieren, bei Ihnen zu Hause einzusteigen?

Selbst­ständige sollten lieber vorsichtig sein

Das hängt ein biss­chen davon ab, ob es sich um eine private oder um eine geschäftliche E-Mail-Adresse handelt. Es ist eher unwahr­scheinlich, dass ein Verbrecher sämtliche Geschäfts­mail­adressen anschreibt, um so eine Notiz zu erhalten. Zudem ist es für einen Gauner meist nicht gerade einfach, die Privat­adresse der jeweiligen Person zu ermitteln. Für Selbst­ständige, die von zu Hause aus arbeiten, ist es dagegen ratsam, auf Abwesen­heits­notizen zu verzichten und lieber hin und wieder im Urlaub die Mails abzu­rufen. Übrigens: Auch per Anruf­beant­worter soll­te nicht verraten werden, dass das Unternehmen wegen Weihnachts­urlaubs oder dergleichen geschlossen ist. Hier ist es ratsam, per Anruf­beant­worter lediglich mitzuteilen, dass man im Moment nicht ans Telefon gehen kann. Das reicht in der Regel aus.

Verbrecher bewusst austricksen

Unabhängig davon, was man im Vorfeld erzählt beziehungs­weise während des Urlaubs digital mitteilt, ist es auch wichtig, dass das Zuhause bewohnt ausschaut. Denn wenn ein sonst sehr belebtes Haus auf einmal verlassen wirkt, dann bemerkt das ein Einbrecher bei seiner Erkundungs­tour. Sorgen Sie also dafür, dass die Wohnung auch während Ihres Urlaubs bewohnt erscheint. So empfiehlt es sich, einige Lampen im Haus mit Zeit­schalt­uhren zu versehen. Die Lampen – auch die Außenbe­leuchtung – sollten bis in den späten Abend hinein leuchten. Wer zudem noch programmier­bare Jalousien hat, kann auch über dieses Hilfs­mittel den Eindruck erwecken, dass man zu Hause sei. Übrigens: Nach Aussage der Polizei bringt es meistens nichts, potenziellen Einbrechern ein paar Geld­scheine als „Schutz­geld“ dazu­lassen. Die Einbrecher freuen sich über den tollen Fund – und setzen die geplante Suche nach Wert­vollem ungebremst fort.

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„Haussitter“ beschäftigen

Auch eine Möglich­keit: Fragen Sie einen Verwandten oder einen Nach­barn, ob dieser einen Blick auf Ihr Haus werfen kann. Wenn der „Haussitter“ beispiels­weise die Blumen gießt, dann hat das einen doppelten Effekt: Zum einen bleiben die Blumen frisch, zum anderen erwecken gepflegte Pflanzen den Eindruck von Alltag. Genauso verhält es sich mit dem Leeren des Brief­kastens. Und wieso bieten Sie Ihren Nach­barn nicht an, Auto, Roller und Fahr­rad gelegentlich bei Ihnen in der Garagen­einfahrt zu parken? Die Nach­barn freuen sich über den zusätzlichen Park­platz, und Ihr Haus wirkt noch einmal deutlich bewohnter.

Sonderfall Beerdigungen

Einbruch bei Abwesenheit, das gibt es nicht nur dann, wenn man im Urlaub ist. Selbst Beerdigungen werden von Gaunern gerne dazu genutzt, ein Haus zu plündern. Dazu durch­forsten die Verbrecher die Todes­anzeigen in Zeitungen. Stehen dort sowohl der Beerdigungs­termin als auch eine Privat­adresse für die Kondolenz­post, dann haben die Einbrecher leichtes Spiel. Deswegen empfiehlt es sich, dass die Beileids­schreiben an das Beerdigungs­institut geschickt werden. Noch sicherer ist es, wenn ein Freund während der Beerdigung das Haus hütet.

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