Eine Küche ist oft teuer. Ob ein Versicherer bei einem Schaden einspringt, hängt auch davon ab, wem sie gehört. Im schlimmsten Fall streiten sich Hausrat-, Haft­pflicht- und Wohn­gebäude­versicherung, wer den Versicherungs­fall über­nehmen muss. Die Versicherungs­experten der Stiftung Warentest schildern typische Fälle und sagen, was Mieter und Vermieter wissen müssen.

Arbeits­platte nach Wasser­schaden hinüber — wer zahlt?

Seine Traumküche hat der Berliner Detlev Davids in einem Küchen­studio zusammen­gestellt und in seiner Miet­wohnung montieren lassen. Vorher standen im Küchenraum nur Herd und Spüle. Doch dann tropfte unbe­merkt Leitungs­wasser aus einer Therme. „Die beschichtete Holz­arbeits­platte quoll auf, bekam einen Riss. Sie war hinüber.“ Davids fragte sich: „Kommt eine Versicherung für meinen Schaden auf?“ Es ging um 350 Euro.

Hohe Reparatur­kosten

Designerküchen liegen im Trend, schon Stan­dard­küchen kosten zwischen 10 000 Euro und 20 000 Euro. Hoch­wertige maßgefertigte Traumküchen mit Holz, Granit und Edelstahl sind noch viel teurer. Da können für Schäden an Einbauküchenmöbeln schnell mehrere Tausend Euro zusammen­kommen.

Unser Rat

Einbauküche. Für Schäden an Ihrer Küche zum Beispiel durch Feuer oder Leitungs­wasser kann der Hausrat- oder Wohn­gebäude­versicherer zuständig sein. Entscheidend ist, ob die Einbauküche Gebäude­bestand­teil, also wesentlich mit dem Gebäude verbunden ist – wie oft bei hoch­wertigen individuell maßgefertigten Küchen. Dann ist der Gebäude­versicherer der richtige Ansprech­partner.

Hausrat­police. Ihre eigene Einbauküche ist in der Hausratpolice mitversichert, wenn die Einzel­teile zum Beispiel serien­mäßig hergestellt und nach einem Baukastensystem zusammen­gestellt sind. Schäden, etwa durch Feuer oder Leitungs­wasser, werden ersetzt.

Mieter. Nutzen Sie als Mieter eine Küche Ihres Vermieters, die Gebäude­bestand­teil ist, sind Sie über die Wohngebäudeversicherung des Vermieters geschützt, wenn Sie einen Feuer- oder Leitungs­wasser­schaden verursachen. Denn über die Betriebs­kosten zahlen Sie anteilig Beiträge für die Wohn­gebäude­versicherung. Der Schutz gilt jedoch nur, wenn der Schaden „leicht fahr­lässig“ verursacht wurde.

Privathaft­pflicht­police. Beschädigen Sie als Mieter die Räumlich­keiten Ihres Vermieters, springt Ihre Privathaftpflichtversicherung ein, wenn Sie einen Tarif mit sogenannter Mietsach­schadenklausel haben – das bieten fast alle guten Haft­pflicht­tarife. Einen auto­matischen Schutz für andere gemietete Sachen in der Miet­wohnung gibt es nicht. Dafür benötigen Sie einen Tarif, der solche Schäden extra einschließt, wie es bei Premium-, XXL- oder Exklusiv­tarifen manchmal der Fall ist. Fragen Sie nach.

Welche Versicherung bezahlt? Kommt drauf an

Drei Versicherungen können beim Küchenschaden Ansprech­partner sein: Hausrat-, Wohn­gebäude- oder Privathaft­pflicht­versicherung. Welche im Schadens­fall einspringt, hängt im Wesentlichen von drei Punkten ab:

  • Wem gehört die Einbauküche?
  • Ist die Einbauküche Teil des Gebäudes wie eine vom Innen­architekten entworfene und vom Tischler maßgefertigte Küche?
  • Wem gehört die Wohnung?

Fall 1: Schäden am eigenen Mobiliar

In vielen Fällen springt der Hausrat­versicherer ein, wenn etwa Feuer oder Leitungs­wasser Schadens­ursache sind. So auch in Davids Fall. Sein Hausrat­versicherer Feuersozietät zahlte die 350 Euro für eine neue Arbeits­platte.

Grund­sätzlich kommt eine Hausrat­versicherung für Schäden am eigenen Hab und Gut auf, dazu gehören Mobiliar, elektronische Geräte, oft Fahr­räder und unter bestimmten Voraus­setzungen selbst angeschaffte Ein- oder Anbaumöbel wie eine Einbauküche. Im Klein­gedruckten der Police steht dann zum Beispiel: „Anbaumöbel und Anbauküchen, die serien­mäßig vorgefertigt und lediglich mit geringem Einbau­aufwand an die Gebäude­verhält­nisse angepasst worden sind.“

Entscheidend für Davids Hausrat­versicherer war, dass die Küche sein eigener Hausrat ist. Unerheblich war dagegen, wer der Eigentümer der Wohnung ist.

Ein Immobilien­eigentümer meldet einen Schaden an der Küche gleichermaßen seiner Hausrat­versicherung, sofern die Einbauküchenmöbel Hausrat sind.

Fall 2: Küche ist Gebäude­bestand­teil

Eine Einbauküche kann auch Gebäude­bestand­teil sein, dann ist sie wesentlich mit dem Gebäude verbunden – das gilt etwa für eine individuell auf Maß gefertigte Einbauküche, die an den Raum angepasst ist. Verursachen zum Beispiel Feuer, Leitungs­wasser oder Blitz einen Schaden, ist die Wohn­gebäude­versicherung der richtige Ansprech­partner.

Doch die Abgrenzung zum Hausrat ist oft schwierig. „Faustformel: Kann die Küche ausgebaut und relativ unpro­blematisch an einem anderen Ort errichtet werden, handelt es sich eher um Hausrat“, sagt der Berliner Versicherungs­makler Michael Salzburg von Friedels Fairsicherungs­büro. „Sehr viele Versicherungs­streits drehen sich um die Frage, ob die Einbauküche Mobiliar oder Gebäude­bestand­teil ist.“ Fest steht aber auch: „Sofern die Küche Gebäude­bestand­teil ist, kommt für Reparatur- und etwaige Reinigungs­kosten der Wohn­gebäude­versicherer auf.“

Schadenbei­spiel Eine Mieterin hantiert auf dem Gasherd mit einer Pfanne und das Fett darin fängt Feuer. Obwohl der Brand schnell gelöscht wird, beschädigt das Feuer die Küchen­einrichtung, Rauch und Ruß verursachen weitere Schäden. Weil die Küche Gebäudeteil ist und die Mieterin den Brand nur leicht fahr­lässig verursacht hat, springt der Wohn­gebäude­versicherer ein. Dasselbe würde für einen Leitungs­wasser­schaden gelten.

Mieter schließen nicht selber eine Wohn­gebäude­versicherung ab, das tun nur Eigentümer. Was viele Mieter nicht wissen: Sie sind meist über die Wohn­gebäude­police ihres Vermieters geschützt – wenn sie im Rahmen der Betriebs­kosten anteilig dafür zahlen.

Früher haben Wohn­gebäude­versicherer solche Schäden zwar gezahlt, aber versucht, sich das Geld vom Mieter zurück­zuholen. Schließ­lich hat dieser ja einen Schaden an fremdem Eigentum verursacht – in der Regel ein Fall für eine Privathaft­pflicht­police. Doch der Bundes­gerichts­hof hat in einem Urteil einem solchen Vorgehen bei Feuerschäden eine klare Absage erteilt (Az. VIII ZR 292/98) und das auch auf Leitungs­wasser­schäden ausgedehnt (Az. VIII ZR 28/04) – sofern der Mieter nur leicht fahr­lässig gehandelt hat.

Anders ist das, wenn ein Mieter grob fahr­lässig handelt, etwa Kerzen unbe­aufsichtigt brennen lässt. Dann hat er die erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt. Hier zahlt der Gebäude­versicherer des Vermieters nicht. Der Mieter kann sich dann nur an seinen Privathaft­pflicht­versicherer wenden.

Fall 3: Küche gehört dem Vermieter

Häufig über­lassen heute Vermieter ihren Mietern Einbauküchenmöbel zur Nutzung oder nehmen dafür einen Extra-Miet­preis. Im Miet­vertrag gibt es viele Gestaltungs­möglich­keiten. Verursacht ein Mieter dann einen Schaden – fällt ihm etwa eine Flasche ins Keramikspül­becken und es zerspringt – , zahlt er meistens selbst.

Nur in Ausnahme­fällen kann seine Privathaft­pflicht­versicherung ins Spiel kommen, weil in den meisten Tarifen Schäden an gemieteten Sachen ausgeschlossen sind. Selbst über die verbreitete „Mietsach­schadenklausel“ sind meist nur Schäden an den gemieteten Räumen selbst, also an Wänden und Fußboden, gedeckt.

Manchmal ist gemietetes Inventar über eine Zusatz­klausel mitversichert, etwa beim Versicherer Interrisk im Tarif XXL: „Versichert ist die gesetzliche Haft­pflicht wegen Schäden an Sachen, die von den versicherten Personen gemietet (...) sind.“

Doch Achtung: Schäden durch Verschleiß und über­mäßige Bean­spruchung von Mietsachen sind auch hier oft ausgeschlossen – ebenso solche an fest einge­bauten Elektro- und Gasgeräten sowie Glasschäden.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3 Nutzer finden das hilfreich.