Schalten nach Gefühl: Herde für Blinde

Wie gut sich die Herde bedienen lassen, haben wir auch von Menschen untersuchen lassen, die nicht mehr gut sehen können.

Nicht nur Blinde, auch Sehbehinderte und ältere Menschen haben oft Schwierigkei­ten, mit modernen Elektroherden umzugehen. Deshalb haben wir – wie bereits beim Mikrowellengeräte-Test – einige Modelle von Blinden und Sehbe­hin­derten auf ihre Bedienbarkeit hin untersuchen lassen. Drei Herde wurden ausgewählt: Miele, Seppelfricke, Whirlpool.

Die Beurteilungen der Blinden: Für Blinde ist es wichtig, dass sie beim Einstellen die verschiedenen Stufen fühlen können. Als Einziger der getesteten Herde bietet Miele eine aufklebbare, tastbare Schablone und eine Anleitung in Blindenschrift an. Die Schablone markiert mit hervorstehenden Punkten die verschiedenen Betriebsstufen für die Herdplatten und den Backofen. Stufe fünf und Stufe zehn sind dabei jeweils mit zwei Punkten markiert. Diese Einteilung wurde von den blinden Testpersonen bemängelt. Denn sie sind eine Markierung nach dem Zifferblatt der Uhr gewohnt mit zwei hervorstehenden Punkten bei drei, sechs, neun und zwölf. Außerdem hat Miele keine Rasten an den Bedienelementen, die das Einstellen erleichtern würden. Der eigentliche Favorit der Blinden war das Modell von Whirlpool. Denn es hat einrastende Schalter sowohl für die Einstellung der Kochplatten als auch für die Backofenfunktionen, außerdem erhabene Markierungen auf den Knöpfen. Die sind leichter zu fühlen als Einkerbungen wie bei Miele. Die Backofentemperatur ließ sich aber auch bei Whirlpool nur rastenlos einstellen.

Bei Seppelfricke lassen sich Kochplatten und Backofentemperatur nur stufenlos einstellen, die Beheizungsarten rasten aber ein. Eindeutiger Vorteil dieses Herds sind die länglichen Knöpfe. Damit können Blinde leichter fühlen, was eingestellt ist.

Die Beurteilungen der Sehbe­hin­der­ten: Für sie ist der Kontrast zwischen Herdfront und Beschriftung sehr wichtig. Schwarz auf weiß (Whirlpool) oder weiß auf dunkelbraun (Miele) ist leichter wahrzunehmen als hellgrau auf weiß (Seppelfricke). Die Markierungen für die Funktionen – heute meist mit Bildsymbolen dargestellt – sind oft so klein (Seppelfricke und Whirlpool), dass Sehbehinderte sie nur mit der Lupe erkennen können.

Außerdem müssen sie erst die Gebrauchsanleitung lesen, um die Piktogramme den Funktionen zuordnen zu können. Die ist aber oft so klein gedruckt (Whirlpool), dass die Anwender auch hier eine Lupe neh­men oder die Anleitung erst vergrößern müssen. Gut fanden die Sehbehinderten bei Miele, dass die Funktionsstufen auf der Herdblende als Wörter ausgeschrieben sind und die Gebrauchsanleitung einsprachig ist. Dadurch ist sie übersichtlich und in ausreichend großer Schrift geschrieben. Auch die Anleitung von Seppelfricke beurteilten sie als gut lesbar und nutzbar.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3195 Nutzer finden das hilfreich.