Trotz eindeutiger Urteile zu Lebensversicherungsverträgen haben bis­lang nur wenige Betroffene das ihnen zustehende Geld erhalten. Die Entscheidungen des Bundesgerichtshofs sind klar: Lebensversicherungskunden, die ihren Vertrag in den ersten Jahren der Laufzeit gekündigt oder beitragsfrei gestellt haben, müssen eine Nachzahlung erhalten. Doch bisher haben Betroffene nur Geld bekommen, wenn sie die Versicherung ausdrücklich in die Pflicht nahmen. test.de erklärt den Streit um die frühzeitige Kündigung und Beitragsfreistellung von Lebensversicherungsverträgen und sagt, wie Sie Ihr Recht auf Nachzahlung geltend machen. Dazu gibts Mustertexte zum Download.

Ärgernis für Versicherungskunden

Über Jahrzehnte hinweg war das für Betroffene ein Ärgernis: Wer den Vertrag etwa wegen Arbeitslosigkeit oder sonst einer Änderung der finanziellen Verhältnisse in den ersten Jahren der Laufzeit kündigen musste, ging leer meist aus. Von den Beiträgen in dieser Zeit bezahlten die Versicherungen zunächst die Kosten und vor allem die Provision an den Vermittler. Lebensversicherungskunden erhielten meist überhaupt nur bei Kündigungen ab drei bis vier Jahren Laufzeit Geld zurück. Auch bei einer Beitragsfreistellung ging in der Regel viel Geld verloren. Die Versicherungen verringerten das Guthaben der Kunden um mehr oder weniger hohe Stornoabzüge.

Recht auf Mindestrückzahlung

Damit ist nach den Grundsatzurteilen des Bundesgerichtshofs aus dem Vorjahr Schluss. Für die Beitragsfreistellung betroffener Lebensversicherungsverträge gilt seitdem: Stornoabzüge sind unzulässig. Die Versicherungen müssen das Guthaben neu berechnen und am Ende der Vertragslaufzeit entsprechend mehr Geld auszahlen. Bei frühzeitiger Kündigung der Verträge gilt: Kunden müssen mindestens die Hälfte des Deckungskapitals zurück bekommen. Kosten und Provisionen dürfen die Versicherer zwar abziehen, müssen sie aber über die gesamte Laufzeit verteilen. Praktisch heißt das: Nach Kündigung eines Lebensversicherungsvertrags haben die Kunden Anspruch auf eine Mindestrückzahlung von 40 bis 45 Prozent ihrer Beiträge.

Hilfe durch Musterschreiben

Meist zahlen die Lebensversicherer, wenn Betroffene sie schriftlich zur Zahlung auffordern. Der Aufwand lohnt. Nach Berechnungen der Verbraucherzentrale Hamburg ist eine Nachzahlung von durchschnittlich 500 Euro fällig. test.de hält für Betroffene Musterschreiben für Fälle frühzeitiger Kündigung und Beitragsfreistellung zum Download bereit. Zusätzliche Details zum Grundsatzurteil des Bundesgerichtshof enthält die Meldung Mehr Geld bei frühem Ausstieg. Über erste Reaktionen der Versicherer und ihr Umgang mit Nachzahlungsforderungen informiert der Finanztest-Report Jetzt gibts Geld.

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