Eigentumswohnungen als Kapitalanlage Meldung

Die BHW-Gruppe empfiehlt Kunden Immobilien und finanziert diese auch gleich. Doch wenn etwas schief geht, lässt sie ihre Kunden im Stich.

"Wir stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Von der Abwicklung bis zum Notartermin", wirbt die BHW Immobilien GmbH in einer Imagebroschüre. Doch wie dieser Beistand aussieht, wenn etwas schief läuft, mussten jetzt mehrere Kunden des Finanzdienstleisters aus Hameln erfahren. Sie werden von der BHW-Rechtsabteilung zur Kasse gebeten, müssen Bereitstellungszinsen und Nichtabnahmeentschädigungen für Darlehen zahlen, die sie nicht in Anspruch genommen haben.

Die Darlehen brauchen sie nicht mehr, weil sie vom Kauf von Eigentumswohnungen in einer Seniorenresidenz zurückgetreten sind. Die Wohnungen in einer Seniorenresidenz in der Weinheimer Altstadt hatten ihnen ihre BHW-Berater empfohlen. Doch mit dem Bau war zum vereinbarten Fertigstellungstermin im November 2000 nicht einmal begonnen worden.

Helmut Meier*, seit 25 Jahren Bausparer bei der BHW-Bausparkasse, war der Erste, der sich bei Finanztest gemeldet hat. Sein Fall ist ein Beispiel für das dubiose Geschäftsgebaren der BHW-Gruppe beim Weinheimer Objekt. Als Meiers Bausparvertrag fällig wurde, suchte ihn sein langjähriger Heidelberger BHW-Berater auf. Gleich ein Dutzend Gründe gebe es, sich für eine BHW-geprüfte Steuersparimmobilie zu entscheiden. Neben Steuervorteilen sollte der Kauf einer Eigentumswohnung für 330.000 Mark eine "inflationssichere Anlage" mit permanenter "Wertsteigerung" sein und obendrein eine für zehn Jahre garantierte Miete von über 1.500 Mark im Monat einbringen. Das sei eine "optimale Altersvorsorge".

Die Seniorenresidenz, in der die Wohnungen liegen, werde bald gebaut. Die Finanzierung des Baus der Seniorenresidenz in der Hauptstraße in der Weinheimer Altstadt mit etwa 20 Wohnungen sei durch "eine deutsche Großbank gesichert".

Rundumbetreuung durch BHW

Eigentumswohnungen als Kapitalanlage Meldung

Meier hatte bei dem Objekt ein gutes Gefühl. Im November 1999 schloss er mit der Tucan Immobilien GmbH, die als Verkäufer der Immobilie auftrat, einen Kaufvertrag ab. Dabei vertraute er darauf, dass die BHW Immobilen GmbH die Finanzkraft der Tucan GmbH geprüft habe und auch die der Firma Monopol GmbH, welche die Mieten für zehn Jahre garantierte. Zusätzliche Sicherheit gab ihm, dass der Notar, der den Kaufvertrag beurkundete, von der BHW-Gruppe ausgesucht worden war und dass der BHW-Berater ihn zum Notartermin begleitete.

Die BHW-Bausparkasse gewährte Meier entsprechend der Devise der BHW Immobilien GmbH "Alles aus einer und erster Hand" ein Darlehen in Höhe von 317.000 Mark. Zwar fand Meier es etwas merkwürdig, dass er sich binnen einer halben Stunde zum Abschluss des Darlehens entschließen musste, weil die angebotenen Zinskonditionen nur noch bis 17 Uhr gültig seien. Doch Zweifel, dass der BHW-Berater ihn schlecht beraten haben könnte, hatte er zunächst nicht.

Die kamen ihm erst, als in den darauf folgenden Monaten nicht mit dem Bau der Seniorenresidenz begonnen wurde. Bei einer Besichtigung im November stellte Meier dann fest, dass "noch nicht einmal ein Spatenstich" erfolgt war. Daraufhin trat Meier am 4. Dezember 2000 vom Vertrag zurück. Doch anstelle einer Entschuldigung für die schlechte Empfehlung erhielt er kurz darauf von seinem Finanzdienstleister Post. Darin rechnete ihm die BHW-Rechtsabteilung vor, dass er dem Unternehmen Bereitstellungszinsen und eine Nichtabnahmeentschädigung in Höhe von rund 34.000 Mark schulde. Kulant setze man diesen Betrag "sehr großzügig" auf rund 24.000 Mark herunter. Zahle Meier nicht, werde man aber den gesamten Betrag bei Gericht einklagen.

"Beratungspflichten verletzt"

Meier und zwei weitere Geschädigte wandten sich an den Heidelberger Anwalt Robert Seelig. Der forderte von dem Unternehmen, auf Nichtabnahmeentschädigung und Bereitstellungszinsen zu verzichten. Denn die BHW Immobilien GmbH habe ihre Beratungspflichten beim Abschluss des Kaufvertrags verletzt.

Doch das Unternehmen sieht keinerlei Verschulden bei seinen Mitarbeitern. Dass ihre Zusagen nicht zutreffen würden, hätten sie vorher nicht wissen können. Damit ist ein Baustopp gemeint, den die Denkmalbehörde der Stadt Weinheim verhängt hatte, weil auf dem Grundstück der künftigen Seniorenresidenz Reste der alten Stadtmauer gefunden wurden.

Im Übrigen sei im Exposee zu dem Objekt ausdrücklich festgehalten, dass Änderungen gegenüber den dort beschriebenen Baumaßnahmen vorbehalten seien. Doch von Verzögerungen und Risiken steht in dem Finanztest vorliegenden Exposee nichts. Vielmehr heißt es dort, dass die Wohnungen in der Seniorenresidenz am Schlosspark "regelmäßige und auch langfristig sichere Mieten" gewährleisteten.

Zusagen erwiesen sich als falsch

Auch die schriftlich von Beratern gegebene Zusage, die Finanzierung des Baus sei "durch eine deutsche Großbank gesichert", hat sich im Nachhinein als falsch erwiesen. Auch dafür könne die BHW Unternehmensgruppe nichts. Ihre Mitarbeiter hätten nicht wissen können, dass sich die Württembergische Hypothekenbank nach dem Baustopp aus dem Projekt zurückziehen und sich auch nach der Aufhebung des Baustopps nicht mehr engagieren würde. Jetzt will die Tucan selber bauen. Ob ihre Finanzen dafür reichen, ist allerdings zweifelhaft.

Die betroffenen BHW-Kunden halten die BHW-Gruppe sehr wohl für verantwortlich. Erwin Ludwig* aus Philippsburg beispielsweise, der ebenfalls von seinem Kaufvertrag zurücktrat, wirft dem Unternehmen vor, falsche Zusagen gemacht zu haben und die dadurch entstandenen Schäden auf Kunden abzuwälzen. Wie negativ die BHW-Gruppe das von seinen Beratern empfohlene Objekt selbst bewerte, lasse sich daran ablesen, dass auch die zur BHW-Gruppe gehörende AHB-Bank nach dem Ausfall der Württembergischen Hypothekenbank die Übernahme der Finanzierung für die Seniorenresidenz abgelehnt habe.

Zusagen von BHW-Beratern sind für die Rechtsabteilung des Finanzdienstleisters BHW offenbar nicht unbedingt verbindlich. Ludwig hatte noch eine Zusage erhalten, nachdem das Immobiliengeschäft gefloppt war: Sein BHW-Berater hatte ihm schriftlich versichert, auf eine Nichtabnahmeentschädigung und Bereitstellungszinsen für ein Darlehen über rund 370.000 Mark zu verzichten. Zynisch heißt es dazu später im Schreiben der BHW-Juristen, dass sich der Berater wohl etwas zu "kundenfreundlich" verhalten habe. Zu einer solchen verbindlichen Zusage seien BHW-Berater im Übrigen auch nicht befugt, erklärte Rüdiger Grimmert, Pressesprecher der BHW Holding AG. Deshalb bestehe die BHW-Gruppe weiter auf ihre Forderungen.

BHW übt Kaufdruck aus

Anders sähe es aus, wenn die betroffenen Kunden ein von der BHW-Gruppe vorgeschlagenes Ersatzobjekt akzeptieren würden. In diesem Fall, so Grimmig, "werden den Kunden keine finanziellen Nachteile entstehen". Mag sein. Doch die Betroffenen haben das Vertrauen in BHW-Offerten längst verloren. Entscheiden sie sich gegen das Angebot, bleibt ihnen nur die Klage gegen die Berater und die Firmen.

* Name von der Redaktion geändert.

Dieser Artikel ist hilfreich. 555 Nutzer finden das hilfreich.