Die Deutsche Kreditbank (DKB) übernahm die Finanzierung von Immobilien, ohne die Käufer über die Risiken aufzuklären. So hat es das Landgericht Berlin festgestellt und die DKB zu Schadenersatz verurteilt.

Falsche Berechnungen

Geklagt hatten zwei Anleger. Sie hatten eine vermietete Eigentumswohnung im Dardanellenweg in Berlin Mariendorf für 89 000 Euro gekauft. Vermittelt hatte das Geschäft die inzwischen nicht mehr tätige R+R First Concept Vertriebs GmbH. Um die Finanzierung kümmerte sich die Thomas Friese Unternehmensberatung, die sich in ihrem Briefkopf als Partner der DKB bezeichnet. Um den Anlegern den Kauf schmackhaft zu machen, schönten die Vermittler die monatlichen Belastungen. Danach sollten die Anleger für ein Darlehen über 94 000 Euro bei der DKB in den ersten fünf Jahren durch Steuervorteile und Abzug aller Kosten nur 145 Euro pro Monat für die Wohnungsfinanzierung zahlen. Doch die vom Untervermittler der R+R First Concept aufgestellte Berechnung stimmte nicht. Tatsächlich war die monatliche Belastung mehr als doppelt so hoch. Das war der R+R First Concept Vertriebs „ohne jede Frage bekannt“, heißt es im Urteil.

DKB in der Pflicht

Wegen der mehr als doppelt so hohen monatlichen Raten gerieten die Anleger in finanzielle Schwierigkeiten. Sie bevollmächtigten Resch Rechtsanwälte in Berlin und verklagten die DKB auf Schadenersatz. Das Landgericht Berlin gab ihnen Recht. Da die DKB allein im Dardanellenweg und in der Rixdofer Straße für 14 Anleger Wohnungen finanzierte, habe sie mit der R+R First Concept institutionell zusammengearbeitet, urteilten die Richter. Dabei sei es ohne Belang, ob die Finanzierung von der R+R First Concept oder über den beauftragten Untervermittler, die Thomas Friese Unternehmensberatung, erfolgt sei. Die DKB hätte die Anleger über die Risiken des Geschäfts aufklären müssen.

Viele Käufer betroffen

Nach dem Urteil muss die DKB den Anlegern jetzt alle im Zusammenhang mit dem Wohnungskauf entstandenen Schäden ersetzen. Allerdings will die DKB gegen das Urteil Berufung einlegen. [Update 10.03.2010] Die DKB hat am 10. März mitgeteilt, dass sie gegen das Urteil Berufung eingelegt hat. [Ende Update] Für die Bank geht es offenbar um mehr als den Schadenersatz in einem Fall. Rechtsanwalt Jochen Resch hat nach eigenen Angaben weitere Mandanten, die mit DKB-Krediten vermietete Wohnungen finanziert haben.

DKB weist Vorwürfe zurück

In einer Stellungnahme zu dem Urteil des Landgerichts Berlin bestreitet die DKB, dass die R+R First Concept als Vermittler für sie tätig sei. Nebulös heißt es: „Es ist uns jedoch bekannt, dass Finanzierungsvermittler, mit denen die DKB in Geschäftsbeziehungen steht, ihrerseits mit dem Immobilienvermittler R+R First Concept zusammengearbeitet haben. Daher können wir auch keine Angaben über die Anzahl der von Immobilien-Vertrieben an Kunden vermittelten Wohnungen machen.“ Glaubwürdig klingt das nicht. Denn die Finanzierungen für die R+R First Concept und einer weiteren Immobilienfirma Safin wurden häufig von der Thomas Friese Unternehmensberatung bei der DKB eingereicht. Da die Thomas Friese Unternehmensberatung sich in ihrem Briefkopf als „Partner der DKB“ bezeichnet, ist es wenig glaubwürdig, dass die DKB nicht wissen will, wie viele Wohnungen sie finanziert hat. Auf Nachfrage räumte die DKB schließlich ein, dass sie die Anzahl der Finanzierungen nicht nennen wolle. In den Jahren von 2007, 2008 und 2009 seien zwischen rund 14 und 17 Prozent aller DKB-Immobilienfinanzierungen auf vermietete Eigentumswohnungen als Kapitalanlage entfallen. Die absoluten Zahlen wollte sie partout nicht nennen.

DKB: Wir prüfen unabhängig vom Vertrieb

So stellt die DKB-Bank ihre Kreditvergabe dar: Die Bank prüfe Darlehensverträge unabhängig von den Angaben des Vertriebs. Dabei würden sowohl Vermögens- und Einkommensverhältnisse des Kunden als auch die Angaben zur erzielbaren Miethöhe geprüft, erklärt die DKB. Zudem würde die Plausibilität des Preises einer Immobilie mittels eines „zertifizierten Bewertungsverfahrens“ sowie anhand öffentlich zugänglicher Datenbanken zu Immobilienpreisen geprüft.

Gutachter: „Kaufpreis völlig überzogen“

Rechtsanwalt Resch legte Finanztest unter anderem zwei Gutachten vor, nach denen die Kaufpreise für von der DKB finanzierte Wohnungen deutlich überhöht sind. Weiter schickte er Finanztest Berechnungen der Unternehmensberatung Thomas Friese, wonach Wohnungen der Rolf Albern Gruppe, die zunächst über die R+R First Concept und später über die inzwischen insolvente Safin in Berlin Zehlendorf vermittelt wurden, überteuert verkauft worden sind. In einem Gutachten eines von Resch beauftragten öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen zu einer Wohnung in der Cunostraße heißt es wörtlich: „Die finanzierende Bank hätte ohne viel Aufwand erkennen müssen, dass eine Finanzierung in dieser Höhe keinesfalls in Frage kommen kann, und das der Kaufpreis völlig überzogen ist“.

Landgericht Berlin, Urteil vom 29. Januar 2010
Aktenzeichen: 38 O 264/09

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