32-Jahre-Darlehen für überteuerte Wohnung

Die Badenia bringt einen Lehrer um seine Altersvorsorge.

Der heute 60-jährige Lehrer Hans-Jürgen Höger aus Daun in der Eifel wird seine Immobilienschulden wohl erst mit 85 Jahren los. Dabei wollte er mit der Vermietung der 68 Quadratmeter großen Eigentumswohnung in Wilhelmshaven seine Pension aufbessern. Als er sie für 173 000 Euro kaufte, war er 53 Jahre alt.

Doch die Traumwohnung war viel zu teuer. Allein im notariellen Kaufpreis von 173 000 Euro sind gut 38 000 Euro an Provisionen für die Vermittler der inzwischen insolventen Heinen-&-Biege-Gruppe versteckt.

Höger fühlt sich betrogen. Er glaubt, dass die Vermittler im Zusammenspiel mit der Badenia-Bausparkasse auf seine Kosten gute Geschäfte gemacht haben. Die Badenia habe ihm 1995 nicht nur den völlig überhöhten Kaufpreis finanziert, sondern auch zusätzliche Vermittlungsgebühren in Höhe von fast 14 000 Euro sowie sämtliche mit Kauf und Finanzierung zusammenhängenden Nebenkosten von rund 31 000 Euro. Das von der Badenia bewilligte Darlehen stieg somit auf rund 218 000 Euro und lag 26 Prozent über dem Kaufpreis.

Der Vermittler habe ihn damals zu ­einem Badenia-Vorausdarlehen überredet, das durch zwei hintereinander geschaltete, noch anzusparende Bausparverträge abgelöst werden soll. Erst sechs Jahre später, im Januar 2001, habe er durch eine Modellrechnung der Badenia erfahren, dass er erst im März 2027 schuldenfrei ist.

Schon in den ersten fünf Jahren waren die Zinsen für das Vorausdarlehen von 218 000 Euro mit effektiv 9,89 Prozent sehr hoch und klar über den damals marktüblichen Zinsen. Die Sparraten für den ersten Bausparvertrag stiegen von anfangs knapp 2 000 Euro jährlich auf 3 800 Euro seit dem Jahr 2001. Im Jahr 2004 werden sie auf über 4 850 Euro steigen. Diese steigenden Belastungen hatten die Heinen-&-Biege-Vermittler verschwiegen.

Die Kreditzinsen sollten teilweise durch die Mieten bezahlt werden. Das Badenia-Darlehen war an den Beitritt zu einer Mieteinnahmengemeinschaft (Mietpool) gekoppelt. Eine verhängnisvolle Mitgliedschaft, denn der Mietpool schüttete anfangs zur Täuschung der Anleger deutlich mehr Erträge aus, als er erzielte. Prompt forderte ein als Mietpoolverwalterin eingesetztes Heinen-&-Biege-Unternehmen Höger auf, die zu viel gezahlten Mieten von über 6 000 Euro zurückzuzahlen. Erst nach der Insolvenz von Heinen & Biege konnte Höger Ende 2000 den Nachfolgemietpool kündigen (www.immo-haie.de).

Das monatliche Minus vor Steuern stieg bei Höger von anfangs 1 000 ­Euro auf über 1 300 Euro in den Jahren 1998 und 1999. Nachdem Höger seine Wohnung nun selbst vermietet, beträgt sein monatliches Minus vor Steuern zurzeit 1 100 Euro.

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