Was nach der Scheidung passiert

Wie viel Förderung nach der Scheidung für die Expartner noch drin ist, hängt den von Eigentumsverhältnissen während der Ehe ab.


Variante 1: Jeder Ehegatte besitzt eine eigene Immobilie

Ist die Förderung bereits für beide Häuser beendet, haben beide Ehegatten keinen weiteren Anspruch mehr auf Eigenheimzulage. Sind dagegen die acht Förderjahre noch nicht vorbei, darf jeder Ehegatte für sein Objekt die Förderung in voller Höhe fortsetzen.

Konnte ein Ehegatte die Förderung für sein Objekt nicht bis zum Ende ausnutzen, etwa wegen Verkauf oder Vermietung, kann er die fehlenden Jahre bei einem Folgeobjekt nachholen.

Variante 2: Einer ist Alleineigentümer von zwei Immobilien

Hat ein Ehegatte die Vergünstigungen für ein Objekt vollständig und für ein zweites teilweise in Anspruch genommen, fällt für ihn die Förderung ab dem Jahr nach dem Trennungsjahr weg.

Für die Frage des "Objektverbrauchs" kommt es aber immer nur auf das erste geförderte Objekt an. Konnte der Besitzer die Förderung bei diesem Immobilienkauf nicht bis zum Ende nutzen, verbleibt für ein drittes Objekt (Folgeobjekt) ein Restanspruch.

Darüber hinaus kann der Eigenheimer mit einem neuen Ehegatten erneut Eigenheimzulage beantragen, wenn der neue Partner noch keine Förderung bekommen hat. Wer noch kein Eigentümer einer selbst genutzten Immobilie war, dem wird auch keine Eigenheimförderung angerechnet.

Beispiel: Die Eheleute Ilse und Walter erhalten für ein Einfamilienhaus, das Walter 1997 allein erwarb, seit 1997 Eigenheimzulage. Als Junggeselle hatte Walter von 1987 bis 1994 schon einmal die komplette Wohneigentumsförderung nach Paragraph 10e EStG ausgeschöpft.

Im Laufe des Jahres 2000 scheitert die Ehe. Während Walter in dem Haus wohnen bleibt, kauft Ilse sich 2001 eine neue Eigentumswohnung. Sie zieht dort ein und erhält ab 2001 acht Jahre 5000 Mark Zulage.

Walter kann die zweite Eigenheimzulage wegen "Objektverbrauchs" ab 2001 nicht weiter beanspruchen. Auch beim Erwerb eines neuen Objekts hilft ihm die Folgeobjektregelung nicht weiter, weil er die erste Förderung bereits voll ausgenutzt hat.

Heiratet Walter jedoch später erneut und hat die neue Partnerin noch kein Objekt "verbraucht", können die frisch Vermählten für dieses weitere (dritte) Objekt die Zulage bekommen, selbst wenn es wiederum im alleinigen Eigentum von Walter stünde.

Variante 3: Einer ist Alleineigentümer einer Immobilie

Steht dem Eigentümer noch eine Restförderung zu, erhält er sie weiter bis zum Ende des achtjährigen Förderzeitraums. Muss der Besitzer aber die Immobilie vorzeitig verkaufen und nutzt er so den achtjährigen Förderzeitraum nicht bis zum Ende aus, kann er die restlichen Förderjahre für ein neues Objekt nutzen. Der Ehegatte, der nicht Eigentümer war, hat dann noch die volle Eigenheimzulage gut.

Beispiel (siehe Variante 2): Hätte Walter sich als Junggeselle keine Immobilie gekauft, könnte er ab 2001 auch nach der Scheidung die für ihn erste volle Eigenheimzulage bis zum Ende des Förderzeitraums bis im Jahr 2004 kassieren. Ilse könnte wie in Variante 2 für ihre neue Eigentumswohnung Eigenheimzulage beantragen. Sie wäre noch unbelastet, weil Walter der Alleineigentümer war.

Variante 4: Beiden gehört gemeinsam eine Immobilie

Gehört das Haus beiden Ehepartnern je zur Hälfte, bekommt jeder für seinen Eigentumsanteil eine halbe Zulage. Im Jahr nach der Trennung werden die beiden Eigentumsanteile wieder als zwei Objekte gezählt. Für beide Ehegatten ist grundsätzlich keine weitere staatliche Förderung mehr drin.

Das empfinden viele als ungerecht. Doch es gibt einen Ausweg: Überträgt ein Ehegatte spätestens im Trennungsjahr seinen Anteil entgeltlich oder unentgeltlich auf den anderen, wird nur diesem das ganze Objekt als Alleineigentum zugerechnet. Das gilt selbst dann, wenn der achtjährige Förderzeitraum abgelaufen ist. Der Übertragende wird so vom "Objektverbrauch" befreit und hat Eigenheimzulage gut.

Die Anteilsübertragung muss aber auf jeden Fall im Trennungsjahr stattfinden. Sonst werden jedem Miteigentümer die Jahre der bisherigen Förderung angerechnet und es verbleibt höchstens die Restförderung für ein Folgeobjekt.

Beispiel (siehe Variante 3): Gehörte Ilse und Walter das Haus je zur Hälfte, könnte Ilse ihren Eigentumsanteil noch vor der Scheidung auf Walter übertragen. Dann darf sie ab 2001 auf keinen Fall die bisherige Förderung fortsetzen. Dafür kann sie aber für ihre neue Eigentumswohnung acht Jahre lang Zulage erhalten.

Walter kassiert dann die bisherige Förderung in voller Höhe bis zum Ende des Förderzeitraums. Künftig hat er wegen "Objektverbrauchs" nur Chancen auf eine weitere Förderung, wenn er eine Frau heiratet, die bisher noch keine Eigenförderung bekam.

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