Eigenheimförderung Test

Die staatlichen Förderquellen sprudeln wieder. Ob Bauherr, Wohnungskäufer oder Modernisierer: Mit günstigen Förderdarlehen und Zuschüssen sparen sie alle viele Tausend Euro.

Es gibt wieder mehr Geld vom Staat. Bauherren und Wohnungskäufer können zum Beispiel seit November die neuen Riester-Darlehen abschließen. Für manche summieren sich die staatlichen Zulagen und Steuervorteile auf über 50 000 Euro.

Auch Modernisierer profitieren. Die staatliche KfW-Bank stockt ihre Kredite für Energiesparmaßnahmen ab 1. April um bis zu 50 Prozent auf. Und vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gibt es schon seit vergangenem Jahr höhere Zuschüsse für den Einbau von Solaranlagen oder Pelletheizungen.

Geld stellen auch die meisten Bundesländer bereit. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben ihre Eigenheimförderung gerade erhöht. Und immer mehr Städte vergeben billige Grundstücke an Familien.

Jeder kann Geld bekommen für sein ­neues oder altes Eigenheim. Er muss nur die passenden Förderprogramme finden. Viele lassen sich sogar kombinieren.

Schneller tilgen mit Wohn-Riester

Ganz neu ist die Riester-Förderung für Haus- und Wohnungseigentümer. Haben sie ihr Haus oder ihre Wohnung nach 2007 angeschafft oder gebaut, bekommen sie für die Tilgung ihres Darlehens die gleichen Zulagen und Steuervorteile wie für einen herkömmlichen Riester-Sparvertrag.

Voraussetzung ist, dass sie selbst in der Immobilie wohnen und das Darlehen spätestens bis zum 68. Lebensjahr zurückzahlen. Außerdem muss der Kreditvertrag von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zertifiziert sein.

Wer jährlich mindestens 4 Prozent seines Bruttoeinkommens (maximal 2 100 Euro) in die Tilgung steckt, erhält pro Jahr 154 Euro Grundzulage plus 185 Euro pro Kind. Für Kinder, die 2008 und später geboren wurden, erhöht sich die Zulage auf 300 Euro.

Außerdem können Hauseigentümer eine Tilgung bis zu 2 100 Euro jährlich steuerlich als Sonderausgaben absetzen. Ist die Steuerersparnis aus dem Sonderausgabenabzug höher als die Zulagen, bringt das ein zusätzliches Plus.

Im Rentenalter müssen die geförderten Beträge zwar versteuert werden, doch unterm Strich sind Hauseigentümer mit Wohn-Riester klar im Vorteil. Sie müssen nur aufpassen, dass sie für ihr Riester-Darlehen keinen deutlich höheren Zinssatz zahlen als für ein ungefördertes Darlehen.

Förderbeispiel. Ein Ehepaar (beide 35) mit einem 2008 geborenen Kind hat ein Bruttoeinkommen von 70 000 Euro im Jahr. Für den Hauskauf nimmt es Darlehen in Höhe von 200 000 Euro zu 5 Prozent Zinsen und 1,4 Prozent Tilgung auf. Zulagen, Steuer­vorteile und Zinsersparnis durch die schnellere Tilgung summieren sich bis zum Rentenbeginn auf 51  500 Euro.

Antrag. Die Hauseigentümer nehmen ein spezielles Riester-Darlehen auf und stellen den Antrag auf Zulage über das finanzierende Kreditinstitut. Den Sonderausgabenabzug können sie in der Einkommensteuererklärung geltend machen.

Information. Allgemeines zur Wohn-Riester-Förderung gibt es im Internet unter www.bundesfinanzministerium.de (unter „Bürgerinnen und Bürger“ > Alter und Vorsorge). Aktuelle Zinssätze für Riester-Darlehen veröffentlichen wir ab sofort in jeder Finanztest-Printausgabe im Marktplatz. Weitere Informationen geben wir auf www.test.de unter dem Stichwort „Wohn-Riester“.

KfW-Kredite für Bauherren und Käufer

Unschlagbar günstig sind die Darlehen der staatlichen KfW-Förderbank im Programm „Ökologisch Bauen“, das ab 1. April durch das ähnliche Programm „Energieeffizient Bauen“ abgelöst wird. Die KfW finanziert den Bau oder Kauf eines Energiesparhauses mit einem Darlehen bis zu 50 000 Euro zu Effektivzinsen von teilweise unter 3 Prozent (KfW-Programme siehe „Tabelle: Die Förderprogramme der staatlichen KfW-Bank im Überblick“).

Keine Auflagen an die Bauweise stellt die KfW in ihrem Wohneigentumsprogramm für den Bau oder Kauf selbstgenutzter Immobilien. Dafür stellt sie ein Darlehen bis zu 30 Prozent der Gesamtkosten oder ­maximal 100 000 Euro zur Verfügung. Die Zinssätze sind aber nur wenig niedriger als bei einer gewöhnlichen Bank. Sehr günstige Kreditinstitute können sogar besser sein.

Förderbeispiel. Für den Käufer eines Passivhauses, das ohne konventionelle Heizung auskommt, beträgt der Effektivzins 2,57 Prozent bei zehn Jahren Zinsbindung und 20 Jahren Laufzeit (Stand: 5. März). Im Vergleich zu einem herkömmlichen Bankdarlehen spart er rund 8 800 Euro Zinsen.

Antrag. Die KfW-Darlehen vermittelt das finanzierende Kreditinstitut.

Information. Online unter www.kfw.de oder KfW-Infotelefon (0 180 1/33  55  77).

Förderprogramme der Bundesländer

Eigenheimförderung Test

Ob Hausbau, Wohnungskauf oder Modernsierung – für jedes Vorhaben gibt es passende Förderbausteine vom Staat.

Alle Bundesländer bis auf Berlin, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern vergeben günstige Darlehen oder Zuschüsse fürs Eigenheim. Die Hürden sind allerdings hoch: Gefördert werden oft nur Familien mit Kindern. Und wenn die Mittel für ein Jahr ausgeschöpft sind, gehen neue Antragsteller leer aus.

Für fast alle Förderprogramme gelten Einkommensgrenzen. Chancen auf Länderförderung haben allerdings längst nicht nur Geringverdiener.

Förderbeispiel. In Baden-Württemberg kann eine Familie mit zwei Kindern und einem Jahresbruttoeinkommen von 62 000 Euro ein Darlehen von bis zu 130 000 Euro erhalten. Die ersten 15 Jahre sind zinsverbilligt, die Zinsbindung beträgt 15 bis 30 Jahre.

Wählt sie 15 Jahre Zinsbindung, startet sie mit einem Zinssatz von nur 1,40 Prozent, der sich alle zwei Jahre um 0,25 bis 0,50 Prozentpunkte erhöht (Stand:  5. März). Im Vergleich zu einem üblichen Bankdarlehen spart die Familie mit dem Förderkredit mehr als 50 000 Euro Zinsen. Zusätzlich ist eine Ergänzungsförderung möglich.

Antrag. Zuständig sind die Stadt- oder Kreisverwaltung, in einigen Bundesländern auch spezielle Förderbanken.

Information. Förderrichtlinien, Kontaktadressen und einen interaktiven Förderrechner für alle Bundesländer gibt es im Internetportal www. baufoerderer.de.

Geld von Kommunen und Kirchen

Rund 300 Städte und Gemeinden vergeben verbilligte Bauplätze oder zahlen Baukostenzuschüsse, überwiegend an Familien mit Kindern. Kirchen stellen Grundstücke im Erbbaurecht oft mit Kinderrabatt zur Verfügung.

Förderbeispiele. Hannover überlässt Familien städtische Baugrundstücke mit ­einem Preisnachlass von 10 Prozent pro Kind (maximal 40 Prozent).

Kaufbeuren zahlt Baukostenzuschüsse bis zu 20 000 Euro (5 000 Euro pro Kind) und legt Jahrestickets für den Stadtbus obendrauf.

Die Erzdiözese Freiburg vergibt Grundstücke im Erbbaurecht an Familien zu ­einem verbilligten Erbbauzins. Statt jährlich 4 Prozent des Grundstückswerts zahlt zum Beispiel eine Familie mit zwei Kindern in den ersten sieben Jahren nur 2,4 Prozent.

Antrag. Bei der Kommunal- oder Kirchenverwaltung.

Information. Das Onlineportal www.aktion-pro-eigenheim.de hat eine Datenbank mit der Förderung von Städten und Kirchen. Auch nachfragen vor Ort lohnt sich.

Steuervorteil für Baudenkmäler

Wer eine Immobilie saniert, die unter Denkmalschutz steht oder in einem Sanierungsgebiet liegt, erhält eine hohe Steuerförderung: Zehn Jahre lang erkennt das ­Finanzamt jeweils 9 Prozent der Sanierungskosten als Sonderausgaben an. Die Arbeiten dürfen erst nach Abschluss des Kaufvertrags beginnen.

Wohnungskäufer sollten aber nicht nur auf die Steuerersparnis schielen. Gerade wegen der Steuervorteile werden Baudenkmäler oft überteuert angeboten.

Förderbeispiel. Ein Ehepaar kauft eine Wohnung in einem denkmalgeschützten Altbau. Der Kaufpreis enthält 100 000 Euro für die geplante Sanierung. Davon können die Eheleute zehn Jahre lang je 9 000 Euro als Sonderausgaben absetzen. Beträgt ihr zu versteuerndes Einkommen 70 000 ­Euro, sparen sie jährlich fast 3 000 Euro Steuern, insgesamt fast 30 000 Euro in zehn Jahren.

Antrag. Der Sonderausgabenabzug kann in der Einkommensteuererklärung beim Finanzamt beantragt werden.

Information. Für den Steuervorteil sind ­eine Reihe von Regeln zu beachten. Dabei sollte ein Steuerberater helfen.

Günstig modernisieren mit der KfW

Für Hauseigentümer, die modernisieren wollen, ist die KfW-Förderbank die erste Adresse. Sie finanziert fast alle Maßnahmen zur Instandsetzung und Modernisierung, von der neuen Fassade bis zur Komplettsanierung (siehe „Tabelle: Die Förderprogramme der staatlichen KfW-Bank im Überblick“).

Je besser für die Umwelt, desto niedriger ist der Zinssatz, den die KfW berechnet. So ist ein Kredit für eine energiesparende Wärmedämmung günstiger als ein Darlehen für ein neues Bad. Für die aufwendige Sanierung eines Altbaus zum Energiesparhaus vergibt die Förderbank ihre Kredite in den ersten zehn Jahren sogar fast umsonst.

Daran wird sich nichts ändern, wenn die KfW ihre Förderung zum 1. April umstellt. Dann ersetzt sie die alten Programme „CO2-Gebäudesanierung“ und „Wohnraum Modernisieren – Öko plus“ durch das Programm „Energieeffizient sanieren“.

Die Umstellung bringt nicht nur neue Namen, sondern auch bessere Förder­bedingungen. Der Darlehenshöchstbetrag steigt von 50 000 Euro auf 75 000 Euro. Gefördert wird ab April auch der Kauf einer frischsanierten Immobilie. Außerdem gibt es die KfW-Darlehen künftig einheitlich für alle Wohngebäude, deren Bauantrag vor 1995 gestellt wurde. Bislang gilt die höchste Förderstufe nur für Häuser, die vor 1984 ­gebaut worden sind.

Förderbeispiel. Ein Hauseigentümer investiert 50 000 Euro in Wärmedämmung, neue Fenster und eine neue Heizanlage. ­Dadurch wird der Energiebedarf nach der Sanierung unter den für Neubauten zulässigen Wert der Energieeinsparverordnung sinken. Die KfW finanziert die komplette Summe mit einem Darlehen zu einem ­Effektivzins von nur 1,41 Prozent bei zehn Jahren Zinsbindung und 20 Jahren Gesamtlaufzeit. Außerdem erhält der Eigentümer einen Tilgungszuschuss von 2 500 Euro.

Im Vergleich zu einem Bankdarlehen spart der Eigentümer damit rund 16 500 Euro Zinsen. Alternativ zum Kredit kann er einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 5 000 Euro wählen.

Antrag. Kredite vergibt die KfW nicht selbst, sondern über Banken und Sparkassen. Zuschüsse können dagegen direkt bei der KfW beantragt werden.

Information. Online unter www.kfw.de oder vom KfW-Infotelefon (0 180 1/33 55 77).

Zuschuss für Ökoheizung

Hausbesitzer, die Solarkollektoren, Biomasseanlagen wie Pelletkessel oder Wärmepumpen installieren, erhalten dafür ­Zuschüsse vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Je nach Maßnahme profitiert der Hausbesitzer von einer Basisförderung und zusätzlichen Boni, die zum Teil kombiniert werden können.

Förderbeispiel. Der Eigentümer ersetzt die alte Heizung durch einen Holzpelletkessel und installiert eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung mit zehn Quadratmeter Kollektorfläche. Als Basisförderung erhält er 2 000 Euro für den Pelletkessel und 1 050 Euro für die Solaranlage.

Zusätzlich gibt es einen Bonus von 750 Euro für die Kombination der Maßnahmen. Insgesamt beträgt der Zuschuss 3 800 Euro. Für besonders wärmegedämmte Gebäude sind bis zu 6 100 Euro Förderung drin.

Antrag. Der Antrag kann nach Installation der Anlage beim Bafa gestellt werden.

Information. Weitere Informationen gibt es von der Bafa unter www.bafa.de oder per Telefon unter 0 61 96/90 86 25.

Geld für Energieberatung

Vor einer Sanierung sollten sich Hauseigentümer ausführlich beraten lassen. Für die Beratung durch einen Experten zahlt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) einen Zuschuss. Er beträgt 300 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser und 360 Euro für Mehrfamilienhäuser, jeweils mit Bauantrag vor 1995.

Dazu kommt ein Bonus von 50 Euro, wenn das Gutachten des Energieberaters Hinweise zur Stromeinsparung enthält. Zusammen mit dem Strombonus zahlt das Bafa bis zur Hälfte des Beraterhonorars.

Für eine thermografische Untersuchung, die Wärmeverluste der Gebäudeteile sichtbar macht, legt das Bafa noch einmal bis zu 100 Euro Zuschuss drauf.

Förderbeispiel. Das Honorar für die Beratung eines Hauseigentümers beträgt inklusive Hinweisen zur Stromeinsparung 700 Euro. Davon bezahlt das Bafa 350 Euro.

Antrag. Der Berater stellt den Antrag und zieht den Zuschuss von der Rechnung ab.

Information. Eine Liste der zugelassenen Energieberater und alle Details gibt es unter www.bafa.de (telefonische Auskünfte unter 0 61 96/90 88 80). Über Beratungsangebote für Hauseigentümer haben wir in Finanztest 3/2009 berichtet (siehe Serie Energie sparen).

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