Eigenheimförderung Meldung

Auch Bauherren und Wohnungskäufer erhalten künftig Riester-Zulagen für die Altersvorsorge. Es lohnt sich, die neue Förderung voll auszuschöpfen.

Sie kommt spät, aber sie kommt: die neue Eigenheimförderung. Wer ein Eigenheim baut oder kauft, kann dafür künftig sein auf einem Riester-Vertrag angespartes Vermögen als Eigenkapital verwenden. Außerdem erhalten Wohneigentümer für die Tilgung ihres Darlehens die gleichen Zulagen und Steuervorteile wie für einen klassischen Riester-Sparvertrag. Dies haben Bundestag und Bundesrat jetzt nach jahrelangem Tauziehen beschlossen.

Kompliziert, schwer vermittelbar, ein bürokratisches Monster – so lautet das Urteil der Kritiker über den sogenannten Wohn-Riester. Damit liegen sie nicht ganz falsch. Doch für Bauherren und Wohnungskäufer ist entscheidend: Wohn-Riester lohnt sich!

Eine Familie mit zwei Kindern, die ein Haus kauft und in 20 Jahren abzahlt, erhält Riester-Zulagen bis zu 13 560 Euro. Weil die Zulagen aufs Darlehenskonto fließen und sofort die Schulden verringern, spart sie damit bei einem Kreditzinssatz von 5,5 Prozent zusätzlich gut 10 000 Euro Zinsen. Sind die Kinder nach 2007 geboren, steigen die Zulagen für die Familie auf 18 160 Euro und die zusätzliche Zinsersparnis erhöht sich auf 13 500 Euro.

Die Tilgung des Kredits ist ohnehin die beste Anlageform. Mit jedem Euro, den die Schuldner in die Tilgung stecken, sparen sie Zinsen in Höhe des Effektivzinses des Darlehens. Kein Sparvertrag bringt ihnen eine so hohe garantierte Rendite.

Die neue Förderung ist allerdings an Voraussetzungen geknüpft. Eigentümer müssen Haus oder Wohnung selbst nutzen und dort ihren Hauptwohnsitz und Lebensmittelpunkt haben. Die Immobilie muss außerdem in Deutschland liegen.

Zulagen für die Darlehenstilgung

Zulagen und Steuervorteile gibt es nur für Darlehen, die der Eigentümer für eine Immobilie aufnimmt, die er nach 2007 angeschafft oder fertiggestellt hat. Das Darlehen ist spätestens bis zum 68. Lebensjahr zurückzuzahlen. Und der Darlehensvertrag muss wie jeder andere Riester-Vertrag von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zertifiziert sein.

Neu gefördert werden:

  • Hypothekendarlehen,
  • Bausparverträge und
  • Kombikredite aus einem Bausparvertrag und einem tilgungsfreien Darlehen. An-stelle der Tilgung zahlt der Kunde bei dieser Finanzierung Beiträge auf einen neuen Bausparvertrag. Mit der Bausparsumme löst er das Vorausdarlehen ab, sobald der Bausparvertrag nach einigen Jahren zugeteilt ist. Solche Kombikredite werden aber nur gefördert, wenn die Bausparkasse für beide Vertragsbestandteile einen einheitlichen Effektivzins nennt. Nur so lässt sich diese Variante mit anderen Immobilienkrediten vergleichen.

Tilgungsleistungen und Bausparbeiträge fördert der Staat genauso wie Einzahlungen auf einen klassischen Riester-Sparvertrag. Die Höhe der Zulagen, der nötige Eigenbeitrag und mögliche Steuervorteile sind dieselben wie beispielsweise beim Abschluss einer geförderten Rentenversicherung (siehe „Riester-Förderung“). Da Ehegatten jeweils einen selbstständigen Anspruch auf die Förderung haben, müssen sie getrennte Darlehensverträge abschließen.

Allerdings hat die Förderung noch einen großen Haken: Denn es gibt noch keine zertifizierten Darlehens- und Bausparverträge. Voraussichtlich können Immobilienkäufer solche Verträge erst ab November abschließen.

Mehr Eigenkapital fürs Eigenheim

Zulagen und Steuervorteile gibt es auch für Riester-Sparer, die erst in der Zukunft ein Eigenheim planen. Egal, ob sie einen klassischen Riester-Vertrag haben oder einen neuen Riester-Bausparvertrag abschließen: Wenn sie bauen oder ein Eigenheim kaufen, können sie ihr Riester-Konto vollständig plündern und das Geld als Eigenkapital einsetzen. Das ist auch empfehlenswert. Denn sie müssen dadurch entsprechend weniger Kredite für die Finanzierung aufnehmen und weniger Zinsen zahlen.

Auch eine Teilentnahme bis zu 75 Prozent des Vermögens ist möglich. Und anders als nach der alten Entnahmeregelung müssen sie das Geld nicht mehr auf einen klassischen Riester-Vertrag zurückzahlen.

In den Jahren 2008 und 2009 müssen Sparer allerdings mindestens 10 000 Euro von ihrem Riester-Konto abheben. So viel Guthaben hat derzeit kaum jemand auf seinem Vertrag. Die meisten werden die verbesserte Entnahmemöglichkeit daher erst ab dem Jahr 2010 nutzen können. Dann fällt der Mindestbetrag weg.

Eine Entnahme ist außerdem nur in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bau oder Kauf des Eigenheims erlaubt. Ein Hauseigentümer kann sein Riester-Vermögen daher nicht Jahre nach dem Kauf zur Ablösung eines Baukredits einsetzen. Erst mit Rentenbeginn kann er den Vertrag zur Rückzahlung einer noch bestehenden Restschuld verwenden.

Steuern im Rentenalter

Ein wichtiges Prinzip der Riester-Förderung ist die nachgelagerte Besteuerung: Die Beiträge für die Altersvorsorge sind steuerfrei, dafür sind die Auszahlungen im Rentenalter in voller Höhe zu versteuern.

Auf Wohneigentum lässt sich dieses Prinzip nicht 1 : 1 übertragen. Hauseigentümer müssen zwar keine Miete zahlen. Aus dem Eigenheim fließt ihnen aber keine Geldrente im Alter zu.

Steuern müssen sie trotzdem zahlen, wenn sie den Wohn-Riester in Anspruch nehmen. Dazu werden alle geförderten Beträge – Entnahmen oder Tilgungsleistungen – auf einem Wohnförderkonto verbucht und mit 2 Prozent im Jahr verzinst. Ab Rentenbeginn müssen Hauseigentümer den rechnerischen Kontostand auf dem Wohnförderkonto entweder in gleichen Raten bis zum 85. Lebensjahr versteuern. Oder sie zahlen die Steuern auf einen Schlag zu Rentenbeginn, dann aber nur auf einen um 30 Prozent gekürzten Betrag.

Beispiel: Ein 40-Jähriger kauft ein Haus, zahlt seinen Kredit in 20 Jahren ab und schöpft die maximale Riester-Förderung mit einer Tilgung von jährlich 2 100 Euro aus. Mit 65 geht er in Rente. Das Wohnförderkonto beträgt dann 56 335 Euro. Jährlich muss er bis zum 85. Lebensjahr 2 817 Euro versteuern. Bei einem Steuersatz von 20 Prozent sind das monatlich rund 50 Euro Steuern.

Nur zur Selbstnutzung

Wohn-Riester gibt es nur für selbstgenutzte Immobilien. Wenn der Eigentümer sein Haus verkauft oder vermietet, muss er die geförderten Beträge nachversteuern. Doch es gibt Ausnahmen, in denen er um die Steuer herumkommt:

  • Der Geförderte legt sich innerhalb von vier Jahren ein neue Immobilie zu, in die er selbst einzieht. Dazu zählt auch der Kauf eines lebenslangen Wohnrechts in einem Senioren- oder Pflegeheim.
  • Er zahlt die geförderten Beträge binnen eines Jahres auf einen herkömmlichen Riester-Sparvertrag ein.
  • Der Eigentümer muss aus beruflichen Gründen umziehen und kann daher die Wohnung vorübergehend nicht selbst nutzen. Er darf sie während seiner Abwesenheit aber nur befristet vermieten. Und spätestens bis zum 67. Lebensjahr muss er wieder einziehen.

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