Alles über Wohn-Riester

Eigenheimfinanzierung Test

Finanztest beantwortet die wichtigsten Fragen zur Riester-Förderung fürs Eigenheim.

Wohn-Riester ist kompliziert. Doch wer die wichtigsten Regeln kennt, kann viele tausend Euro bei seiner Hausfinanzierung sparen.

Wer hat Anspruch auf die Riester-­Förderung?

Anspruch auf die Riester-Förderung haben Beamte und alle, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Dazu gehören auch Menschen, die Arbeitslosengeld beziehen, Väter und Mütter in ­Elternzeit und Frührentner. Einen Riester-Vertrag kann außerdem der Ehepartner ­eines Förderberechtigten abschließen, auch wenn er keine eigenen Einkünfte hat.

Wofür gibt es die Wohn-Riester-­Förderung?

Gefördert wird die Tilgung eines Darlehens, das der Eigentümer für den Bau oder Kauf einer selbstgenutzten Wohnung aufnimmt. Das Haus oder die Wohnung muss in Deutschland stehen und nach 2007 angeschafft oder fertiggestellt worden sein. Der Eigentümer muss darin den Hauptwohnsitz und Lebensmittelpunkt haben. Der Kauf einer vermieteten Wohnung und die Modernisierung einer bestehenden Immobilie werden nicht gefördert.

Welche Arten von Darlehen werden gefördert?

Gefördert werden herkömmliche Immobiliendarlehen mit direkter Tilgung (Annuitätendarlehen), Bauspardarlehen sowie Bausparkombikredite. Das Darlehen muss von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zertifiziert sein. Der Kreditvertrag muss vorsehen, dass das Darlehen bis zum 68. Lebensjahr getilgt wird. Da Ehegatten jeweils einen selbstständigen Anspruch auf die Förderung haben, müssen beide einen Darlehensvertrag abschließen, um die Förderung voll auszuschöpfen.

Wie hoch sind die Zulagen und ­Steuervorteile?

Die Grundzulage beträgt 154 Euro im Jahr (Ehepaare 308 Euro). Dazu kommen 185 Euro für jedes Kind, für das die Eltern Kindergeld erhalten. Für jedes ab 2008 geborene Kind erhöht sich die Kinderzulage auf 300 Euro. Um die vollen Zulagen zu erhalten, müssen Kreditnehmer jährlich 4 Prozent ihres Bruttoeinkommens des Vorjahres abzüglich der ihnen zustehenden Zulagen zur Tilgung einsetzen – höchstens 2 100 Euro.

Jeder Förderberechtigte kann außerdem eine Tilgung bis zu 2 100 Euro im Jahr (inklusive Zulagen) steuerlich als Sonderausgaben absetzen. Einen Steuervorteil erhält er aber nur, wenn die Steuerersparnis daraus höher ist als die Zulagen.

Kann ich meinen alten Riester-Vertrag für die Finanzierung einsetzen?

Das wird Ihnen zurzeit wohl nicht gelingen. Sie dürfen das Vermögen aus einem Riester-Sparvertrag zwar entnehmen und als Eigenkapital einsetzen. Bis Ende 2009 ist das aber nur erlaubt, wenn die Entnahme mindestens 10 000 Euro beträgt. Soviel hat bisher kaum jemand gespart.

Für die Entnahme müssen Sie einen Antrag bei der Zentralen Zulagestelle stellen. Sie ist nur in ­unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bau oder Kauf des Eigenheims erlaubt. Davon geht das Finanzministerium aus, wenn Sie das Geld innerhalb eines Zeitraumes von einem Monat vor dem Antrag auf Entnahme und zwölf Monaten nach Auszahlung für den Bau oder Kauf der Immobilie ausgeben.

Sie dürfen Ihr Riester-Vermögen nicht für eine Sondertilgung in einem laufenden Kredit einsetzen. Erst mit Rentenbeginn können Sie es zur Rückzahlung einer noch bestehenden Restschuld verwenden. Diese Möglichkeit haben auch Eigentümer, die ihre Immobilie vor 2008 gebaut oder gekauft haben.

Wie beantrage ich die Riester-­Förderung?

Den Antrag stellen Sie bei dem Kreditinstitut, das die Tilgungsleistungen bescheinigt. Es leitet ihn an die Zulagenstelle weiter. Für die Folgejahre reicht eine Vollmacht an den Anbieter.

Den Sonderausgabenabzug können Sie Jahr für Jahr in der Einkommensteuererklärung geltend machen.

Wie wird Wohn-Riester im ­Rentenalter besteuert?

Alle geförderten Beträge – Entnahmen, Tilgungsleistungen und Zulagen – werden auf einem Wohnförderkonto verbucht. Dann wird so gerechnet, als verzinse sich dieses Geld bis zum Rentenbeginn mit 2 Prozent im Jahr. Ab Rentenbeginn ist der so errechnete Betrag in gleichen Raten bis zum 85. Lebensjahr zu versteuern. Oder der Eigentümer zahlt die Steuern auf einen Schlag zu Rentenbeginn, dann aber auf einen um 30 Prozent verminderten Betrag.

Beispiel: Ein 40-Jähriger kauft ein Haus, zahlt seinen Kredit in 20 Jahren ab und schöpft die maximale Riester-Förderung mit einer Tilgung von jährlich 2 100 Euro aus. Mit 65 geht er in Rente. Das Wohnförderkonto weist dann 56 335 Euro aus. Jährlich muss er bis zum 85. Lebensjahr 2 817 Euro versteuern. Bei 20 Prozent Steuersatz sind das monatlich rund 50 Euro Steuern.

Was passiert, wenn ich das Haus ­später verkaufe oder vermiete?

Dann besteht die Gefahr, dass Sie den ­Kontostand auf dem Wohnförderkonto auf ­einen Schlag nachversteuern müssen. Doch es gibt einige Ausnahmen, mit denen Sie steuerliche Nachteile vermeiden können:

  • Sie legen sich innerhalb von vier Jahren ein neue Immobilie zu, in die Sie selbst einziehen. Dazu zählt auch der Kauf ­eines Dauerwohnrechts in einem Senioren- oder Pflegeheim.
  • Sie zahlen die geförderten Beträge binnen eines Jahres auf einen herkömmlichen ­Riester-Sparvertrag ein.
  • Sie müssen aus beruflichen Gründen umziehen und können die Wohnung deshalb vorübergehend nicht selbst nutzen. Sie dürfen die Wohnung dann aber nur befristet vermieten und müssen spätestens bis zum 67. Lebensjahr wieder einziehen.

Ich habe mein Haus schon 2008 ­gebaut und mit einem normalen ­Darlehen finanziert. Kann ich auf einen Riester-Vertrag umsteigen?

Ja, aber in aller Regel erst zum Ende der Zinsbindung. Vorher wird Sie Ihre Bank vermutlich nicht aus dem alten Vertrag lassen. Und weil dieser nicht zertifiziert ist, gibt es darauf keine Riester-Förderung. Wenn Sie Ihre Immobilie vor 2008 gebaut oder angeschafft hätten, könnten Sie gar nicht auf ein Riester-Darlehen umsteigen.

Ich will erst in einigen Jahren bauen. Soll ich einen Riester-Bausparvertrag abschließen?

Ein Bausparvertrag kann sich lohnen, wenn Sie sich vor steigenden Zinsen schützen wollen. Sie sollten aber sicher sein, dass Sie das günstige Bauspardarlehen nutzen. Sonst ist ein Riester-Banksparplan besser. Wegen der höheren Guthabenzinsen eignet er sich auch dann zur Altersvorsorge, wenn Sie sich keine Immobilie zulegen. Den jüngsten Test finden Sie hier: Test Riester-Banksparpläne.

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