Früh das Haus den Kindern übertragen und dennoch selbst darin alt werden. Eigenheimbesitzer können das mit einem Übergabevertrag regeln.

Alles war so schön geregelt. Tochter Annegret war mit ihrem Ehemann und den zwei Kindern unten eingezogen. Ihre Eltern Katja und Thomas Merten wohnten im ersten Stock. Beide hatten ihr Zweifamilienhaus schon vor Jahren Annegret übertragen. Sie selbst hatten dafür ein lebenslanges Wohnungsrecht bekommen.

Dann kam der Schock. Annegret und ihr Mann stecken auf einmal tief in Schulden. Beide waren vor einiger Zeit arbeitslos geworden, doch ihren üppigen Lebensstil hatten sie nicht aufgegeben.

Die Gläubiger wollen Annegrets Grundbesitz zu Geld machen, falls sie ihre Schulden nicht bezahlt. Die Eltern fürchten jetzt, dass das Haus in fremde Hände fällt.

Auch wenn dies nur ein angenommenes Beispiel ist, um die Tücken von Schenkungen zu veranschaulichen: Ein solcher Fall kann leicht eintreten. Dabei ist es gar nicht schwer, schon bei der Übergabe des Hauses zu verhindern, dass es so weit kommt. Die Mertens hätten das im Übergabevertrag ­regeln können. So einen Vertrag schließen Eltern mit ihren Kindern, wenn sie ihnen vorzeitig eine Immobilie vermachen.

Übergabe sehr genau planen

Eltern können ihr Hausgeschenk im Übergabevertrag an Bedingungen knüpfen. Sie können mit ihrem Kind vereinbaren, dass das Haus wieder an sie zurückgeht, falls das Kind überschuldet ist. Dann ist die Immobilie vor den Gläubigern sicher.

Daran hatte das Ehepaar Merten damals beim Notar nicht gedacht. Mit Annegret ist eine Rückgabe nur für den Fall vereinbart, dass sie vor ihren Eltern stirbt.

Im Vertrag steht zwar, dass sie das Haus nicht verkaufen darf. Das verhindert aber nicht den Zugriff durch Gläubiger.

Sollte es wirklich einmal zur Rückübertragung kommen, bekommen die früher Beschenkten in der Regel die Schenkungsteuer wieder zurück, falls sie überhaupt welche zahlen mussten (siehe „Beschenkte Kinder zahlen selten Steuern“).

Erst an sich selbst denken

Eltern, die ihre Immobilie an ihre Kinder übertragen, geben damit ihr Eigentum weg und oft auch einen großen Teil ihres Vermögens. Was das für sie bedeuten kann, denken nicht alle vorher zu Ende.

„Manch einer bereut es später, wenn er altersbedingt in ein teures Betreutes-Wohnen-Projekt einsteigen will und nicht mehr genügend Vermögen dafür hat“, warnt der Notar Dr. Jörg W. Britz aus Lebach nahe Saarbrücken.

Eltern sollten sich vor der Übergabe deswegen genau überlegen, ob sie im Fall von Pflegebedürftigkeit in einem Heim unter Sozialhilfeverhältnissen leben wollen oder ob der Wert der Immobilie nicht gerade als Altersabsicherung gedacht war.

Nießbrauch oder Wohnungsrecht

Wenn die Eltern ihr Haus übertragen, aber weiter in ihm wohnen wollen, werden die Bedingungen dafür ebenfalls im Übergabevertrag festgelegt.

Um ein lebenslanges Recht zum Wohnen zu vereinbaren, sind zwei Möglichkeiten verbreitet. Das beschenkte Kind kann den Eltern einen so genannten Nießbrauch oder ein Wohnungsrecht einräumen. Beides wird im Grundbuch als Belastung des Grundstücks eingetragen.

Lassen sich Eltern einen Nießbrauch einräumen, dürfen sie das gesamte Grundstück nutzen. Sie dürfen es selbst bewohnen oder an andere Personen vermieten.

Weil der Nießbrauch ein umfassendes Nutzungsrecht am ganzen Haus und nicht etwa nur an bestimmten Räumen sichert, wird er meist dann vereinbart, wenn das beschenkte Kind erst einmal nicht selbst in das Haus einzieht.

Bis zum Lebensende können Eltern so im ehemaligen Eigenheim wohnen oder sich durch Vermietung Geld verdienen.

Das Ehepaar Merten wollte aber mit Tochter, Schwiegersohn und Enkeln unter einem Dach wohnen. Sie haben deshalb die andere Variante gewählt und ein Wohnungsrecht vereinbart. Dabei kann anders als beim Nießbrauch eindeutig aufgeteilt werden, welche Räume Tochter Annegret nutzen darf und welche die Mertens.

Um die eigenen vier Wände – den zweiten Stock des Zweifamilienhauses – auch wie beim Nießbrauch an Dritte vermieten zu können, haben sie dieses Recht mit Annegret zusätzlich zum Wohnungsrecht individuell vereinbart. Wer das nicht tut, hat zum Beispiel nach einem Umzug in ein Pflegeheim in der Regel keinen Nutzen mehr vom Wohnungsrecht.

Nebenkosten beachten

Genauso wie die Nutzung des Wohnraums müssen Eltern und Kinder miteinander klären, wer die mit Haus und Grundstück verbundenen Nebenkosten trägt.

Wenn die Eltern einen Nießbrauch vereinbaren und keine abweichende Regelung treffen, müssen sie die laufenden Kosten des gesamten Hauses bezahlen. Sie kommen für alle Schönheitsreparaturen auf und tragen die öffentlichen Lasten wie zum Beispiel die Gebühren für Abwasser und Müllabfuhr. Außerdem zahlen sie die Zinsen für die Hypotheken, die auf dem Haus lasten.

Der Eigentümer, das beschenkte Kind, ist hingegen für außergewöhnliche Unterhaltskosten wie den Austausch einer ­veralteten Heizungsanlage und die Tilgung eines Hypothekenkredits zuständig.

Haben die Eltern ein Wohnungsrecht, gelten andere Regeln. Dann tragen sie nur die laufenden Kosten für die Räume, die sie nutzen. Die übrigen Kosten zahlt der Eigentümer. Allerdings ist der Eigentümer nicht automatisch zur Instandhaltung der Wohnung verpflichtet. Wollen Eltern das erreichen, müssen sie das im Übergabevertrag vereinbaren.

Die beschriebene Lastenverteilung bei Nießbrauch und Wohnungsrecht ist nicht unumstößlich. Im Übergabevertrag kann anderes vereinbart werden. Die Mertens haben zum Beispiel vertraglich vereinbart, dass Tochter Annegret sämtliche Kosten, also etwa auch die Heizkosten der Mertens, übernimmt. So bleibt ihnen später im Alter mehr von ihrer Rente.

Oft bestimmen steuerliche Motive die Entscheidung zwischen Nießbrauch und Wohnungsrecht und die Verteilung der Nebenkosten: Übernimmt ein Nießbrauchsberechtigter alle Lasten und Aufwendungen des Grundbesitzes und vermietet das Haus oder einzelne Räume, kann er von den Einnahmen aus der Vermietung auch die außergewöhnlichen Kosten für die Unterhaltung des Gebäudes als Werbungskosten abziehen.

Gerechtigkeit unter Kindern

Mit der Übergabe des Hauses hatte das Ehepaar Merten seiner Tochter ein üppiges Geschenk gemacht. Ihre anderen Kinder wollten sie aber nicht übergehen und ­sicherstellen, dass es nicht nach ihrem Tod noch zu Streit kommt.

Sie haben deshalb von Annegret verlangt, dass sie sich das Geschenk beim späteren Erben auf ihren Pflichtteil anrechnen lassen muss. Eine solche Vereinbarung im Übergabevertrag ist äußerst wichtig, weil das Geschenk im Erbfall nicht automatisch angerechnet wird.

Streit unter den Geschwistern haben die Mertens auch vermieden, indem sie Tochter Annegret dazu verpflichtet haben, ihnen eine Abfindung zu zahlen. Diese Zahlungen berücksichtigt das Finanzamt, wenn es prüft, ob Schenkungsteuer anfällt.

Die Eltern von Annegret Merten haben ihre Tochter aber auch geschützt. Sie haben mit den übrigen Geschwistern im Übergabevertrag einen Pflichtteilsverzicht bezogen auf Haus und Grundstück ausgemacht. Sonst bestünde die Gefahr, dass Annegret das Haus verkaufen muss, um nach dem Tod der Eltern die Ansprüche­ ­ihrer Geschwister erfüllen zu können.

Gegenleistung für Hausübergabe

Für ihr Haus können Eltern natürlich auch andere Gegenleistungen als ein Wohnrecht verlangen. Wenn sich die Kinder darauf einlassen, können sie zum Beispiel vertraglich dazu verpflichtet werden, ihre Eltern im Alter zu pflegen.

Oder Eltern und Kinder vereinbaren Geldzahlungen statt des Wohnrechts oder auch zusätzlich. Das könnte eine Einmalzahlung sein oder monatliche Beträge als Ergänzung zur Rente. Solche monatlichen Rentenzahlungen kann das verpflichtete Kind unter engen Voraussetzungen vom Finanzamt als Sonderausgabe vom zu versteuernden Einkommen abziehen.

Die Hausübergabe dient so auch als Steuersparmodell: Ein mit einem hohen Steuersatz belastetes Kind zahlt seinen ­Eltern eine monatliche Rente in Höhe von 1 000 Euro. Die Aufwendungen kann das Kind als Sonderausgabe einkommensteuermindernd geltend machen.

Das funktioniert aber nur, wenn die Rentenzahlungen aus dem übertragenen Vermögen erwirtschaftet werden könnten. Deshalb sollte die Familie einen Steuerberater einschalten.

Die Eltern müssen die Rente zwar als Einnahme versteuern. Aber Rentner zahlen oft einen viel geringeren Steuersatz als ihre berufstätigen Kinder.

Bei Rentenzahlungen bis ans Lebensende der Eltern sollte im Übergabevertrag die Höhe der Raten an die allgemeine Preissteigerung gekoppelt werden.

„Gesetzliche Vorschriften darüber, wie hoch solche Zahlungen zu sein haben oder wann sie erfolgen müssen, gibt es nicht“, so Notar Britz. Das ist Verhandlungssache innerhalb der Familie.

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