Eigenheim Special

Besitzer von Eigen­heimen können die Riester-Förderung künftig flexibler nutzen – und müssen im Alter weniger Steuern zahlen.

Im Koalitions­vertrag aus dem Jahr 2009 steht das Versprechen: „Wir werden die Eigenheimrente vereinfachen.“ Nun will die Bundes­regierung ihr Wort halten. Läuft alles nach Plan, wird das „Alters­vorsorge-Verbesserungs­gesetz“ bis Februar die parlamentarischen Hürden nehmen. Dann können Besitzer von Eigen­heimen schon ab dem kommenden Jahr von der Reform des sogenannten Wohn-Riester profitieren.

Die Grund­sätze der Eigenheim-Förderung bleiben gleich (siehe „Eigenheimrente: Förderung kompakt“). Doch im Detail gibt es eine Reihe von Verbesserungen. Viel einfacher wird Wohn-Riester dadurch nicht – aber flexibler und güns­tiger.

Die wichtigste Neuerung: Haus- und Wohnungs­eigentümer können ihr Guthaben auf einem Riester-Vertrag zukünftig jeder­zeit für die Entschuldung ihrer selbst­genutzten Immobilie einsetzen. Bisher können sie ihr Riester-Kapital nur für den Bau oder Kauf verwenden oder damit erst zu Renten­beginn Schulden tilgen.

Schulden tilgen mit Riester-Vertrag

Die neue Entschuldungs­variante bietet Kreditnehmern neue Spar­chancen. Sie können zum Beispiel ihr Riester-Konto plündern, um damit am Ende der Zins­bindung ihres Darlehens einen Teil der Rest­schuld abzu­lösen. Auch eine Riester-Sondertilgung während der Zins­bindung ist möglich, wenn der Darlehens­vertrag Extrazah­lungen erlaubt.

Damit werden Kreditnehmer ihre Schulden schneller los und sie sparen die Zinsen, die sie sonst für ihr Darlehen zahlen müssten. In der Regel wird diese Zins­ersparnis höher ausfallen als die Zinsen, die ihr alter Riester-Vertrag bringt.

Die geplante Entnahme müssen Riester-Sparer bei der Zentralen Zula­gestelle beantragen – am besten schon ein paar Monate im Voraus, damit das Geld pünkt­lich ausgezahlt werden kann.

Alters­gerecht umbauen mit Riester

Die Kapitalent­nahme aus einem Riester-Vertrag soll künftig auch für den alters­gerechten Umbau der eigenen vier Wände möglich sein. Dazu gehören zum Beispiel die Installation einer bodengleichen Dusche, der Abbau von Schwellen und der Einbau von breiteren Türen, Rampen, Treppenliften und Notrufsystemen. Die Förderung ist allerdings an Voraus­setzungen geknüpft:

  • Baut der Eigentümer seine Wohnung inner­halb von drei Jahren nach dem Bau oder Kauf um, muss er dafür mindestens 6 000 Euro aus seinem Riester-Vertrag entnehmen.
  • Baut er später um, beträgt die Mindest­summe laut Gesetz­entwurf sogar 30 000 Euro. So viel dürften die ersten Sparer frühestens 2017 auf dem Riester-Konto haben.
  • Der Eigentümer muss mindestens die Hälfte des Entnahme­betrags für Umbauten verwenden, die die Din-Norm für barrierefreies Bauen erfüllen (Din 18040 Teil 2). Die restlichen Maßnahmen müssen zwar nicht die Norm einhalten, aber ebenfalls zum Abbau von Barrieren führen. Das muss ein Sach­verständiger bescheinigen.
  • Wer die Riester-Förderung für den alters­gerechten Umbau nutzt, darf dafür keine weiteren öffent­lichen Zuschüsse oder Steuer­vorteile in Anspruch nehmen.
  • Die Umbauten dürfen auch mit einem geförderten Riester-Darlehen finanziert werden.

Weniger Steuern für Rentner

Haus­eigentümer müssen im Alter Steuern zahlen, wenn sie die Riester-Förderung für ihre Finanzierung nutzen. Anders als bei Riester-Spar­verträgen verlangt das Finanz­amt die Steuern nicht auf die Einnahmen aus einer Rente, sondern auf den Betrag auf dem sogenannten Wohn­förderkonto.

Auf diesem Konto werden alle geförderten Beträge – Entnahmen und Tilgungs­leistungen – verbucht. Ab Renten­beginn ist die Summe zu versteuern.

Bislang erhöht sich der Betrag auf dem Wohn­förderkonto jedes Jahr um fiktive Zinsen in Höhe von 2 Prozent. Dieser Zins­satz soll künftig auf 1 Prozent sinken. Der scheinbar kleine Unterschied bringt Haus­eigentümern eine spür­bare Entlastung.

Beispiel: Ein Allein­stehender entnimmt für die Finanzierung seiner Wohnung 10 000 Euro aus seinem Riester-Vertrag. Außerdem nimmt er ein Riester-Darlehen auf, das er bis zum Renten­beginn in 25 Jahren zurück­zahlt. Die maximal geförderte Tilgung von 2 100 Euro schöpft er jedes Jahr voll aus. Sinkt der Zins­satz des Wohn­förderkontos von 2 auf 1 Prozent, muss er im Alter statt 85 000 Euro nur noch 72 700 Euro versteuern. Bei einem Steu­ersatz von 25 Prozent spart er dadurch mehr als 3 000 Euro Steuern.

Bislang müssen sich Immobilien­eigentümer zu Renten­beginn zwischen zwei Varianten zur Besteuerung entscheiden: Sie versteuern das Förderkonto entweder in gleichen Raten bis zum 85. Lebens­jahr. Oder sie zahlen alle Steuern sofort – dann aber nur auf 70 Prozent des Wohn­förderkontos.

Künftig können sie die Einmalbesteuerung jeder­zeit wählen. Sie können zum Beispiel mit der jähr­lichen Besteuerung anfangen und nach ein paar Jahren den noch offenen Rest­betrag abzüglich 30 Prozent auf einmal versteuern, um die Besteuerung auf einen güns­tigen Zeit­punkt zu verlagern.

Mehr Zeit zum Wohnungs­wechsel

Die Wohn-Riester-Förderung gibt es nur für selbst­genutzte Immobilien. Wenn der Geförderte sein Haus verkauft oder vermietet, muss er die geförderten Beträge nach­versteuern – es sein denn, er zahlt sie inner­halb eines Jahres in einen Riester-Vertrag ein oder investiert erneut in ein Eigenheim.

Bislang muss er sich die neue Immobilie inner­halb eines Zeitraums von einem Jahr vor und vier Jahren nach dem Auszug aus der geförderten Wohnung zulegen. Diese Spanne soll jetzt auf zwei Jahre vor und fünf Jahre nach dem Auszug verlängert werden.

Details noch unsicher

Bei Redak­tions­schluss Ende November galt als sicher: Die Riester-Reform kommt. Ob der Regierungs­entwurf das Parlament unver­ändert passiert, stand aber noch nicht fest. Diskutiert wurde zum Beispiel noch über die Höhe der Mindest­entnahme für den alters­gerechten Umbau. Über den letzten Stand informieren wir unter www.test.de/thema/eigenheimfoerderung.

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