Der Europäische Gerichtshof (EuGH) beschert Käufern und Bauherren, die ein Eigenheim sowohl privat als auch für ihre Arbeit als Selbstständige nutzen, viel Geld. Er entschied, dass sie die Umsatzsteuer für die Herstellungs- oder Anschaffungskosten des Gebäudes voll als Vorsteuer abziehen können (Rechtssache C-269/00). Bisher erkannten deutsche Finanzämter nur die Umsatzsteuer für die Geschäftsräume an.

Einem Anwalt, der für 500 000 Euro ein Haus baut und dafür 80 000 Euro (16 Prozent) Umsatzsteuer zahlt, bringt das Urteil 40 000 Euro. Er hat in dem Haus seine Kanzlei und eine gleich große Privatwohnung. Bisher konnte er nur die Hälfte der Umsatzsteuer als Vorsteuer geltend machen – also 40 000 Euro. Jetzt sind es 80 000 Euro.

Dafür muss der Anwalt dem Finanzamt schriftlich erklären, dass er das Gebäude voll dem Geschäftsbereich zuordnet. Außerdem muss er für die Privaträume Umsatzsteuer zahlen. Die Höhe hängt von der Abschreibung der Herstellungskosten für die Privaträume ab.

Da der Anwalt das Haus zur Hälfte privat nutzt und es 500 000 Euro gekostet hat, setzt er 250 000 Euro an. Die Abschreibung beträgt normalerweise zwei Prozent im Jahr – also 5 000 Euro. Dafür verlangt das Finanzamt 800 Euro (16 Prozent) Umsatzsteuer.

Der Anwalt kann sein Haus bereits nach 10 Jahren wieder verkaufen, vermieten oder voll ins Privatvermögen übernehmen, ohne dass er die Vorsteuer zurück- zahlen muss. Tut er das, hat er nur 8 000 Euro Umsatzsteuer gezahlt, aber 80 000 Euro Vorsteuer kassiert.

Das Modell klappt bei allen, die mindestens 10 Prozent ihres Eigenheims für die selbstständige Arbeit nutzen und zum Vorsteuerabzug berechtig sind.

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