Eigenheim Meldung

Nutzen Bauherren die Riester-Förderung fürs Eigenheim, müssen sie das Vorsorge­konto bis zur Rente wieder auffüllen.

Für die eigenen vier Wände können Vorsorgesparer ihr Riester-Konto vorübergehend plündern.

Im Gesetzentwurf zur Förderung der privaten Altersvorsorge war das Eigenheim gar nicht vorgesehen. Denn die eigene Immobilie erfüllt nicht die im Riester-Konzept vorgesehenen Förderkriterien, die eine regelmäßige Rentenzahlung im Alter vorschreiben.

Erst im Vermittlungsverfahren einigten sich Bundesrat und Bundestag auf einen Kompromiss, der die eigenen vier Wände wenigstens indirekt in die Riester-Förderung einbezieht: das „modifizierte Entnahmemodell“.

Zinsloser Kredit

Nach diesem Modell können Sparer ihr Vorsorgekonto für den Bau oder Kauf ihres Eigenheims vorübergehend anzapfen. Mindestens 10 000 Euro und höchstens 50 000 Euro dürfen sie dafür aus ihrem angesparten Vorsorgekapital entnehmen. Spätestens bis zu ihrem 65. Geburtstag müssen sie den Entnahmebetrag in monatlichen Raten in einen geförderten Altersvorsorge­vertrag zurückzahlen. Sie leihen sich praktisch aus ihrem Guthaben einen zinslosen Kredit und füllen das Konto bis zum Rentenbeginn wieder auf.

Nach dem ursprünglichen Gesetzentwurf wäre das in den Riester-Vertrag eingezahlte Geld samt Zulagen für das Eigenheim verloren gewesen. Mit dem Entnahmemodell können Häuslebauer nun die Riester-Förderung mit der Baufinanzierung kombinieren.

Das Guthaben auf dem Vor­sorgekonto werden die meisten Bauherren auch gut ­gebrauchen können. Denn Banken vergeben Hypothekendarlehen meist nur bis zu 70 Prozent der Gesamtkosten. Den Rest muss der Bauherr oder Käufer aus eigenen Mitteln aufbringen. Viele werden es sich daher gar nicht leisten können, ihr schlummerndes Vorsorgekapital unangetastet zu lassen.

Darüber hinaus erzielen Baufinanzierer mit der Entnahme handfeste Vorteile. Sie müssen sich weniger Geld von der Bank leihen. Dadurch sparen sie Zinsen und sie haben eine niedrigere monat­liche Belastung.

Im Gegenzug entgehen ihnen zwar Erträge auf dem Riester-Konto. Doch unterm Strich wird sich die Entnahme rechnen. Denn die Zinsen für Hypothekendarlehen werden in aller Regel über der Rendite liegen, die das Guthaben auf dem Riester-Vertrag während der Restlaufzeit bringt. Die Zinsersparnis durch den Einsatz des Ersparten für die Finanzierung ist dann größer als der Zinsverlust auf dem Vorsorgekonto.

Plus mit Riester-Vertrag

Mit einem Riester-Vertrag auf das Häuschen zu sparen lohnt sich mehr, als den gleichen Eigenanteil in einen alternativen Sparvertrag zu stecken. Modellrechnungen von Finanztest zeigen: Der Hauseigentümer steht mit Riester-Vertrag und Entnahme bei Rentenbeginn besser da als ohne. Das gilt für die Familie mit Kindern ebenso wie für den Single.

Schon allein die Zulagen sind so hoch, dass künftige Bauherren sie nicht verschenken sollten. So erhält ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem Bruttoeinkommen von 50 000 Euro bis zu einer Entnahme in zwölf Jahren Zulagen in Höhe von insgesamt 6 084 Euro – bei eigenen Einzahlungen von 11 916 Euro. Die Förderung hebelt die Rendite eines mit 4 Prozent nur mäßig verzinsten Sparplans auf satte 13 Prozent.

Für Alleinstehende ohne Kinder ist die Förderung kaum weniger attraktiv. Sie erhalten zwar eine viel kleinere Zulage. Doch bereits ab einem Bruttojahreseinkommen von rund 20 000 Euro profitieren sie von zusätzlichen Steuervorteilen. Beträgt das Bruttoeinkommen zum Beispiel 40 000 Euro, bekommt ein Single durch Zulagen und Steuervorteile 37 Prozent der Vorsorgebeiträge vom Staat.

Mit Riester-Vertrag hat der Bauherr bei gleichem Aufwand ein deutlich höheres Kapital zur Verfügung als der Bauherr, der sich auf das klassische Sparen mit Bank- oder Bausparvertrag beschränkt.

Höhere Raten bei Rückzahlung

Der Riester-Sparer hat dafür allerdings einen Nachteil: Weil er das Entnahmekapital nach und nach zurückzahlen muss, steht ihm monatlich weniger Geld zur Verfügung, um die Raten für ein Hypothekendarlehen zu zahlen.

Vor allem die Bausparkassen sehen in der Rückzahlungsverpflichtung die entscheidende Schwäche des Entnahmemodells. „Für das Gros der Immobilieninteressenten ist das Entnahmemodell nur schwer finanzierbar“, verbreitete die Landesbausparkasse Münster schon kurz nach der Verabschiedung des Altersvorsorgegesetzes. Auch der Verband der Privaten Bausparkassen warnt künftige Bauherren vor einer Doppelbelastung durch das Entnahmemodell.

Für Bauherren, die erst relativ spät, zum Beipiel mit 55 oder 60 Jahren, ein Eigenheim kaufen, können die Rückzahlungsraten tatsächlich zum Problem werden. Ihnen bleibt nur relativ wenig Zeit, den Entnahmebetrag zurückzu­zahlen. Entsprechend hoch sind die dafür zu zahlenden Raten.

Für Bauherren und Wohnungskäufer, die bis zum 45. Lebensjahr in die eigenen vier Wände ziehen, ist die Zusatzbelastung jedoch gering.

Dazu ein Beispiel aus dem Finanztest-Modellvergleich. Ein Arbeitnehmerehepaar mit zwei Kindern entnimmt hier im Alter von 39 Jahren 26 908 Euro aus seinen beiden Vorsorgekonten. Daraus ergibt sich eine Rückzahlungsrate von monatlich knapp 90 Euro, die das Ehepaar zusätzlich zu den Kreditraten für ein Bankdarlehen aufbringen muss.

Damit ist die Rechnung aber nicht komplett. Ohne Riester-Förderung wäre der Sparplan erst auf 19 056 Euro angewachsen. Durch die Zulagen muss das Paar 7  852 Euro weniger Kredit aufnehmen. Bei einem Hypothekenzinssatz von 7,5 Prozent und einer Tilgung bis zum Rentenbeginn spart es damit monatlich 63 Euro.

Unterm Strich ergibt sich durch das Entnahmemodell eine wirkliche Mehrbelastung von lediglich 27 Euro im Monat. Daran dürfte kaum eine Finanzierung scheitern. Und im Gegenzug erwirbt der Riester-Bauherr durch die Wiederauffüllung seines Vorsorgekontos einen Rentenanspruch, der die geringe Zusatzbelastung in der Finanzierungsphase mehr als ausgleicht.

Lange Sparzeit

Künftige Bauherren sollten sich dennoch davor hüten, die Bedeutung des Entnahmemodells für ihre Immobilienfinanzierung zu überschätzen. Dazu sind die Beträge vor allem in der Anlaufphase viel zu gering.

Die volle Riester-Förderung gibt es erst ab dem Jahr 2008. Ein Arbeitnehmer, der noch 2002 einen Vorsorgevertrag abschließt und den vollen, geförderten Eigenbeitrag einzahlt, hat frühestens in acht bis zehn Jahren den Mindestentnahmebetrag von 10 000 Euro auf seinem Vorsorgekonto stehen. Wer früher in die eigenen vier Wände ziehen will, kann den Riester-Vertrag dafür nicht nutzen.

Außerdem leistet der Entnahmebetrag aus dem Vorsorgevertrag in absehbarer Zeit nur einen bescheidenen Beitrag zum Eigenheim. 10 000 oder 15 000 Euro reichen vielleicht für die Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notargebühren und Maklerprovision, aber sicher nicht als Eigenkapital fürs ganze Haus.

Ein Riester-Vertrag kann die Eigenheimfinanzierung sinnvoll ergänzen, macht aber zusätzliches Sparen nicht überflüssig. Wer den Kauf des Eigenheims nicht auf Jahrzehnte hinausschieben will, dem bleibt gar nichts anderes übrig, als einen Großteil des Eigenkapitals auf andere Weise zu sparen.

Betriebsrente im Abseits

Viele Sparer können kein Geld aus der Altersvorsorge für die Immobilie ein­planen. Denn ein gesetzliches Entnahmerecht gibt es nur bei zertifizierten ­Altersvorsorgeverträgen, also privaten Fondssparplänen, Rentenversicherungen und Banksparplänen. Im Rahmen der geförderten betrieblichen Altersvorsorge über Direktversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds ist derzeit keine Entnahme vorgesehen. Vor allem die Verbände der Wohnungswirtschaft fordern hier eine Nachbesserung.

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