In Kürze werden die Raupen des Eichen­prozessions­spinners gefähr­lich. Gewöhnlich bilden sie im Laufe des Monats Mai sogenannte Brenn­haare aus, die ein Gift enthalten. Das kann für Menschen gefähr­lich werden. Einige Kommunen beginnen jetzt, die Raupen in frühen Larven­stadien zu bekämpfen. test.de erklärt, wo in Deutsch­land mit Risiken zu rechnen ist, wie man die Gefahr erkennt und was schützt.

Von Juck­reiz bis zum allergischen Schock

Kleine Raupe, großes Risiko: In wenigen Wochen kommen die Raupen des Eichen­prozessions­spinners ins dritte Larven­stadium und bilden dann ihre gefähr­lichen Brenn­haare aus. Die feinen Haare enthalten das Nesselgift Thaumetopo­ein, brechen leicht, können mit dem Wind hunderte Meter weit fliegen und sich über Widerhaken auf der Haut von Mensch und Tier fest­setzen. Der Kontakt verursacht teils heftige gesundheitliche Beschwerden wie Juck­reiz, Augen­entzündungen, Atemnot und wohl auch allergische Schocks. Das Risiko steigt bis Juli: Bis dahin wachsen den Raupen immer mehr und längere Gift­haare. Sie bleiben offen­bar noch jahre­lang gefähr­lich, wenn sie in Nestern und an alten Larvenhäuten haften. Zurzeit befinden sich die Raupen nach Angaben des Julius-Kühn-Instituts im ersten oder zweiten Larven­stadium (mehr dazu im Steckbrief Eichenprozessionsspinner).

Mildes Klima begüns­tigt rasante Ausbreitung

Der Eichen­prozessions­spinner breitet sich in Deutsch­land rasant aus. Er befällt vor allem Eichen in Wäldern, aber auch in städtischen Grün­anlagen wie Parks, Sport- und Spielplätzen sowie privaten Gärten. Kahl gefressene Bäume können die Folge sein. Das Julius-Kühn-Institut (JKI) erwartet, dass auch in diesem Jahr mindestens zehn Bundes­länder von der Plage betroffen sein werden: Baden-Württem­berg, Bayern, Hessen, Rhein­land-Pfalz, Nord­rhein-West­falen, Brandenburg, Berlin, Nieder­sachsen, Meck­lenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt zur Landkarte des JKI. Der vergangene Winter habe den Larven, die in ihren Eiern über­wintern, nichts ausgemacht, erklärt eine JKI-Sprecherin. Experten führen das massenhafte Auftreten auf das zunehmend milde Klima zurück So schützen Sie sich vor den Gifthaaren.

Mit Saugern und Bioziden bekämpfen

Es ist schwierig und aufwändig, den Eichen­prozessions­spinner zu bekämpfen. Seine natürlichen Feinde – bestimmte Insekten oder der Kuckuck – kommen gegen die Larven-Invasionen nicht an. Seit einigen Jahren greifen die Kommunen ein und haben dabei zwei Möglich­keiten: So können Spezialisten mit physika­lisch-mecha­nischen Methoden die Raupennester und -haare von Einzel­bäumen absaugen. Doch das ist teuer, gefährdet die Gesundheit der Spezialisten und setzt zum Teil zu spät ein. Als effektiver gelten oft Insektizide für Wälder und Biozide für Gebiete, in denen Menschen wohnen oder sich aufhalten. Wichtig dabei: Die Mittel sollten noch vor dem dritten Larven­stadium einge­setzt werden.

Die Bekämpfung der Larven startet

Viele Kommunen starten jetzt damit, den Eichen­prozessions­spinner im ersten und zweiten Larven­stadium mit Insektiziden und Bioziden zu bekämpfen. Das Bundes­ministerium für Umwelt hat dafür in diesem Früh­jahr erst­mals eine Übersicht geeigneter Mittel vorgelegt. Die Fachleute halten für städtische Gebiete wie Parks und Spielplätze Biozide namens Neem Azal, Dimilin, Karate und Dipel ES für sicher. Das Julius-Kühn-Institut hält Dipel ES für das schonendste Mittel, weil es nur kurz­fristig und vergleichs­weise gezielt auf die Raupen wirke. Das Bundes­institut für Risiko­be­wertung rät aber zur Abwägung – zwischen dem Risiko der Gesund­heits­gefähr­dung durch die Gift­haare und den Neben­wirkungen, die von einem Insektizid ausgehen können. Natur­schutz­organisationen wie der Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land (BUND) warnen, dass die Mittel gegen die Eichen­prozessions­spinner immer in das ökologische Gefüge eingriffen. So könne das Mittel Dimilin nicht nur die dritte Häutung des Eichen­prozessions­pinners verhindern, sondern auch die Häutung anderer Insekten auf der Eiche. Die Folge: Die Insekten gehen ein, Vögeln fehlen sie als Nahrungs­quelle. Zudem können die Vögel selbst Schaden nehmen.

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