Im besten Falle macht das Engagement im Ehren­amt viel Spaß.

Immer mehr Freiwil­lige engagieren sich neben­beruflich. Sie tun vieles, was die öffent­liche Hand aus Personal- oder Geld­mangel nicht (mehr) leistet. Deshalb hat die Politik einige zusätzliche Anreize für Freiwil­lige geschaffen. Unser Special zeigt, welche Regeln für Ehren­amtliche bei Steuer, Job und Versicherung gelten.

Ehren­amt – das Wichtigste in Kürze

So können Ehren­amtliche profitieren

Rund 16 Millionen der über 14-Jährigen in Deutsch­land engagieren sich ehren­amtlich, hat das Institut für Demoskopie Allens­bach 2019 ermittelt. Ums Geld geht es dabei in der Regel nicht. Viele Ehren­amtliche erhalten – wenn über­haupt – nur eine geringe Aufwands­entschädigung. Immerhin bleiben diese Zusatz­einnahmen dank verschiedener Frei­beträge meist steuer- und sozial­abgabenfrei.

Regeln. Um von einem Ehren­amt sprechen zu können, müssen fünf Merkmale erfüllt sein: Die Tätig­keit ist freiwil­lig und unentgeltlich, wird kontinuierlich und auf organisierte Weise ausgeübt und kommt anderen zugute.

Auswahl. Wenn Sie nach einem geeigneten ehren­amtlichen Engagement suchen, können Sie sich auf Platt­formen und Netz­werken Ihres Bundes­landes oder Ihrer Stadt informieren.

Versicherungs­schutz. Fragen Sie bei dem Verein oder der Organisation, für die Sie ehren­amtlich tätig sind, ob Sie bei Ihrem Einsatz gesetzlich oder privat unfall­versichert sind und welche Haft­pflicht­versicherung einspringt, wenn Sie einen Schaden verursachen, auch wenn Sie Ihr eigenes Auto benutzen.

Steuern. Bei der Übungs­leiterpauschale bleiben Einnahmen bis 2 400 Euro im Jahr steuer- und sozial­abgabenfrei, bei der Ehren­amts­pauschale sind es 720 Euro im Jahr.

Information. Details zum Ehren­amt und über den Versicherungs­schutz bei freiwil­ligen Einsätzen finden Sie in der Broschüre Unfallversichert im freiwilligen Engagement des Bundes­ministeriums für Arbeit und Soziales (bmas.de).

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Wer von der Übungs­leiterpauschale profitiert

Die Zahl der Ehren­amtlichen steigt seit Jahren kontinuierlich. 2016 gab es mehr als 14 Millionen Freiwil­lige in der Bevölkerung ab 14 Jahre.

Wer sich zum Beispiel als Fußball­trainerin engagiert, kann von der Übungs­leiterpauschale profitieren. Dank der Pauschale bleiben Einnahmen bis 2 400 Euro im Jahr steuer- und sozial­abgabenfrei. Es gibt Pläne für eine Gesetzes­änderung, um die Pauschale auf 3 000 Euro jähr­lich anzu­heben. Bisher ist die Erhöhung aber noch nicht verabschiedet.

Die Übungs­leiterpauschale gewährt das ­Finanz­amt denen, die sich im gemein­nüt­zigen, mild­tätigen oder kirchlichen Bereich engagieren. Sie gilt auch für Tätig­keiten in öffent­lich-recht­lichen oder gemein­nützigen Körperschaften. Dazu zählen Universitäten, Schulen, Sport­ver­eine und Volks­hoch­schulen – nicht jedoch Parteien und Gewerk­schaften. Begüns­tigt sind zum Beispiel Tätig­keiten als

  • Trainer, Übungs­leiter und Ausbilder in ­Vereinen,
  • Dozent, Lehrender und Prüfer an Universitäten, Schulen, Volks­hoch­schulen und öffent­lichen Einrichtungen oder Dienst­stellen,
  • Pfleger, Spiel­kreis­betreuer oder Ferien­betreuer, Betreuer in Kirchen, Kultur­stätten oder im Umwelt- und Katastrophen­schutz,
  • Darsteller im künst­lerischen Verein, Chorleiter, Dirigent oder ausübender Künstler in Vereinen.
  • Die Pauschale steht auch einem ehren­amt­lich tätigen recht­lichen Betreuer, Vormund oder Fürsorgepfleger zu. In die Summe von 2 400 Euro werden jedoch die Einnahmen aus anderen ehren­amtlichen Jobs einge­rechnet.

Zusätzliche Frei­grenze für Betreuer

Wenn jemand als Betreuer tätig ist, hat er außerdem Anspruch auf eine zusätzliche Frei­grenze von 256 Euro pro Jahr. Sind die Einkünfte jedoch insgesamt höher als 2 656 Euro (2 400 + 256 Euro), sind sie voll steuer­pflichtig. Im Gegen­zug dürfen Betreuer aber pauschal 25 Prozent ihrer Einnahmen für ihre Aufwendungen absetzen. Wer seine Übungs­leiter­tätig­keit mit einem 450-Euro-Minijob kombiniert, kann bis zu 650 Euro im Monat verdienen, ohne Steuern und Sozial­abgaben zu zahlen – bis zu 200 Euro über die Pauschale und bis zu 450 Euro für die Beschäftigung.

Ehren­amt und Haupt­beruf

Die Übungs­leiterpauschale wird aber nur für neben­berufliches Engagement gewährt. Die Zeit dafür darf – bezogen auf das Kalender­jahr – nicht mehr als ein Drittel der Arbeits­zeit ­eines vergleich­baren Voll­zeitjobs ausmachen. Viele Arbeits­verträge enthalten eine Bestimmung, wonach ein Mitarbeiter dem Chef seine Neben­tätig­keit anzeigen muss. Dieser muss zwar nicht zustimmen, darf aber eine Neben­tätig­keit untersagen, wenn sie dem Ruf des Unter­nehmens schadet oder mit betrieblichen Interessen in Konflikt gerät. Der jeweilige Verdienst in Haupt- und Neben­job spielt jedoch keine Rolle. Auch Arbeits­lose, Studenten, Rentner, Hausfrauen oder -männer können die Übungs­leiterpauschale nutzen, wenn sie eine entsprechende Tätig­keit ausüben.

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Pauschale für ehren­amtliche Tätig­keit

Nicht bei allen Tätig­keiten greift die Übungs­leiterpauschale. Manche Entschädigungen für Tätig­keiten in Vereinen oder Institutionen fallen unter die Ehren­amts­pauschale von derzeit 720 Euro im Jahr. Dieser Frei­betrag steht Steuer­pflichtigen zum Beispiel für folgende ­Tätig­keiten zu:

  • Kassierer, Platz­wart, Vorstand, Reinigungs­personal oder Schieds­richter in Vereinen,
  • Fahr­dienste, die Eltern im gemeinnützigen Verein über­nehmen,
  • Betreuer in öffent­lichen Jugend­klubs, Seel­sorger in Kirchen oder als Helfer in Wohl­fahrts­organisationen.

Sie können auch beide Pauschalen in Anspruch nehmen, aber nur für unterschiedliche Aufgaben.

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So klappt es bei der Steuererklärung

Wer mit seinem Engagement Einnahmen ­erzielt, muss diese in der Steuererklärung ­angeben. Angestellte im Ehren­amt geben sie in der Anlage N zur Steuererklärung an, Selbst­ständige in der Anlage S. Selbst wenn die Einnahmen ober­halb der Übungs­leiter- oder Ehren­amts­pauschale liegen, bleibt der Zusatz­verdienst häufig steuerfrei. Denn ­Ehren­amtliche können eigene Ausgaben für ihr Engagement entweder als Betriebsaus­gaben oder als Werbungs­kosten absetzen.

Viele Ehren­amtliche können von einem Urteil des Bundes­finanzhofs profitieren (Az. VIII R 17/16): Früher war es nur möglich, eigene Ausgaben abzu­rechnen, wenn sowohl die Einnahmen als auch die Aufwendungen über den Pauschalen von 720 Euro oder 2 400 Euro im Jahr lagen. Inzwischen können Steuerzahler Ausgaben auch abrechnen, wenn sie unter den Frei­beträgen liegen. Ergibt sich aus der Verrechnung von Einnahmen und Ausgaben ein Verlust, sinkt insgesamt die Steuerlast. Dafür müssen sie aber nach­weisen können, so die obersten Finanz­richter, dass sie mit Ihrer Tätig­keit Gewinne erzielen wollen.

Wer für seinen ehren­amtlichen Einsatz auf die Vergütung verzichtet, kann den Gegen­wert als sogenannte Aufwands­spende als Sonder­ausgabe steuer­mindernd gelten machen. Dazu müssen aber einige Voraus­setzungen erfüllt sein. Weitere Infos gibt es im Spezial Steuern 2020.

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Gut versichert im Ehren­amt

Freiwil­lige Helfer sind versichert

Viele Freiwil­lige sind während ihrer Arbeit gesetzlich unfallversichert, weil sie im Auftrag von Bund, Ländern, Städten und Gemeinden tätig sind. Das gilt auch für Helfer in Rettungs­organisationen wie der Freiwil­ligen Feuerwehr – ebenso für Freiwil­lige in der freien Wohl­fahrts­pflege. Die Leistungen sind umfassender als die der gesetzlichen Kranken­versicherung. Der Betroffene muss sich zum Beispiel nicht an den Kosten einer Heilbe­hand­lung beteiligen.

Schutz auch für Weiterbildung

Gemeinnützige Organisationen wie Natur­schutz­ver­eine und Förderver­eine können eine freiwil­lige gesetzliche Unfall­versicherung für Vorstand oder Kassenwart abschließen. Der Versicherungs­schutz gilt auch für die Weiterbildung im Ehren­amt sowie auf dem Hin- und Rückweg zu der ehren­amtlichen Arbeit. Doch wer während des Ehren­amts für zu Hause einkauft oder zur Bank geht, ist in dieser Zeit nicht versichert.

Versicherung für Sport­ver­eine

Für ehren­amtliche Helfer in Sport­ver­einen gilt die gesetzliche Unfall­versicherung nicht. Übungs­leiter sind in der Regel über den Verein mit einer privaten Gruppen­unfall­versicherung geschützt. Daneben kann eine gute private Unfallversicherung sinn­voll sein, um die finanziellen Folgen dauer­hafter Gesund­heits­schäden abzu­sichern. Ist jemand durch den Unfall auf Dauer in seiner körperlichen oder geistigen Leistungs­fähig­keit beein­trächtigt, zahlen die gesetzlichen Unfall­versicherungen erst eine Rente, wenn die Erwerbs­fähig­keit um 20 Prozent gemindert ist. Eine private Unfallversicherung zahlt dagegen oft schon beim kleinsten mess­baren Invaliditäts­grad eine Leistung.

Ehren­amt und private Haft­pflicht­versicherung

Freiwil­lige Helfer sind bei Schäden, die sie selbst verursachen, durch ihre private Haftpflichtversicherung geschützt. Auch ehren­amtliche Tätig­keit ist in vielen dieser Tarife versichert. Viele gemeinnützige Vereine treffen weitere Vorsorge über eine private Gruppen­haft­pflicht­versicherung. Sie kommt zum Beispiel für Sach­schäden auf, die Vereins­mitglieder Dritten bei ihrem Einsatz im Verein zufügen.

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Diese Vorteile bietet die Ehren­amts­karte

Mit der Ehren­amts­karte ist der Eintritt in staatliche Museen ermäßigt.

Eine Würdigung des Ehren­amtes

Ehren­amtliche Arbeit wird gewürdigt. Die meisten Bundes­länder vergeben eine Ehren­amts­karte, die materielle Vergüns­tigungen bringt. Dafür müssen bestimmte Voraus­setzungen erfüllt sein, die sich von Land zu Land unterscheiden. In Bayern beispiels­weise vergeben fast alle Land­kreise und kreisfreien Städte die blaue Karte, die ermäßigten Eintritt für staatliche Samm­lungen und Museen sowie für Frei­zeit­parks ermöglicht und Rabatt bei Einkäufen gewährt. Sie gilt für drei Jahre. Voraus­setzung: Man sollte bereits zwei Jahre lang mindestens fünf Stunden pro Woche freiwil­lig und unentgeltlich im Einsatz gewesen sein. Das Mindest­alter beträgt 16 Jahre.

So beantragen Sie die Ehren­amts­karte

Ehren­amtlich Tätige können die Karte beim Land­rats­amt oder bei ihrer Stadt­verwaltung beantragen. Unbe­grenzt gültig ist die goldene Ehren­amts­karte für freiwil­lige Helfer in Bayern, die mindestens 25 Jahre lang fünf Stunden pro Woche oder 250 Stunden im Jahr ehren­amtlich tätig waren. Außerdem können Ehren­amtliche einen Nach­weis über ihren Einsatz und über Weiterbildungen bekommen. Er kann bei Bewerbungen oder Vorstellungs­gesprächen wichtig sein. Es gibt unter anderem den Berliner Freiwil­ligenpass, den Hamburger Nach­weis und das Ehren­amts­zertifikat in Thüringen.

Dieses Special ist im September 2017 auf test.de erschienen. Es wurde im Februar 2020 aktualisiert. Ältere Kommentare beziehen auf die ältere Fassung.

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