Ehegatten­splitting Diese Steuer­vorteile bringt eine Heirat

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Ehegatten­splitting - Diese Steuer­vorteile bringt eine Heirat
Steu­ersparmodell Ehe. Neben Torte und Konfetti bietet eine Hoch­zeit hand­feste Steuer­vorteile. © Getty Images / GoodLifeStudio

Die Ehe zahlt sich für viele Paare aus – wenn die Gehälter unterschiedlich hoch sind. Mehr Netto sichern sich Paare mit clever kombinierten Steuerklassen nach der Heirat.

Ehegatten­splitting – das Wichtigste im Über­blick

Steuer­vorteil. Als Ehepaar oder einge­tragene Lebens­partner wählen Sie die Zusammen­ver­anlagung, um vom meist güns­tigeren Splitting­tarif zu profitieren. Tipps zur Steuererklärung finden Paare im Steuerratgeber von Finanztest.

Faust­regel. Je größer die Einkommens­differenz der Partner und je höher der Steu­ersatz, umso höher der finanzielle Vorteil durch das Ehegatten­splitting. Verdienen beide gleich viel, geht der Splitting­vorteil gegen Null.

Rechnen. Ob Sie als Paar durch eine Heirat profitieren, können Sie mit einer kommerziellen Steuersoftware berechnen. Die Programme bieten oft einen direkten Vergleich zwischen Einzel- und Zusammen­ver­anlagung.

Steuerklassen. Kombinieren Sie bei unterschiedlichen Einkommen am besten die Steuerklassen III und V. Für das laufende Jahr können Sie bis zum 30. November wechseln.

So funk­tioniert das Ehegatten­splittung

Beim Heiraten zählt nicht nur Romantik, sondern auch das Geld. Mit hand­festen Steuer­vorteilen unterstützt das Finanz­amt Paare, die sich vor den Trau­altar wagen. Ganz oben steht das Ehegatten­splitting. Dabei wird das zu versteuernde Einkommen der Partner im ersten Schritt addiert und danach wieder halbiert. Das Finanz­amt berechnet die Steuer aufs halbierte Einkommen und verdoppelt sie dann.

Mit Trau­schein – steuerlich gilt das Gleiche für einge­tragene Lebens­part­nerschaften – sind für viele Paare oft mehrere Tausend Euro Ersparnis drin. Wie viel Ehe- und einge­tragene Lebens­partner bei der Einkommensteuer konkret sparen, hängt von der Höhe Ihrer Einkommen und der Differenz ihrer Einkommen ab (siehe Beispiel).

Faustformel: Je größer das Einkommens­gefälle zwischen den Part­nern, desto größer der Steuerbonus. Maximal lassen sich 2022 durch den Splitting­tarif 17 672 Euro sparen.

So viel sparen Paare, wenn sie heiraten – ein Beispiel

Martin verdient 60 000 Euro im Jahr, sein Partner Hannes 20 000 Euro. Ende Oktober geben sich die beiden das Jawort. Der Trau­schein bringt den beiden für 2022 eine Steuerersparnis von 1 131 Euro durch den Splitting­tarif.

Für Vermählte mit höherem Gesamt­einkommen und höherer Einkommens­differenz ist noch mehr drin. Am besten fährt die Einverdien­erfamilie: Verdient ein Partner 100 000 Euro Brutto und der oder die andere gar nichts, spart das Paar 8 365 Euro Steuern.

Ist das Einkommen dagegen fast gleich hoch, zahlt sich der Gang zum Standes­amt kaum bis gar nicht aus. Bei gleichem Einkommen geht der Splitting­vorteil gegen null. Verdienen beide Eheleute etwa je 30 000 Euro, zahlt jeder genauso viel wie sie als Allein­stehende zahlen würden.

Steuerersparnis durch Ehegatten­splitting berechnen

Ist heiraten steuerlich sinn­voll? Wie viel Steuern Ehepaare sparen, wenn sie heiraten, können sie am einfachsten mit einer kommerziellen Steuersoftware berechnen. Die Programme bieten oft einen direkten Vergleich zwischen Einzel- und Zusammen­ver­anlagung.

Bei Elster, dem Onlineportal der Finanz­verwaltung, ist der Vergleich etwas komplizierter: Ermitteln Sie test­weise Ihre Steuerlast für die Zusammen­ver­anlagung, erstellen danach für beide getrennt die Einzel­ver­anlagung, addieren Sie die Ergeb­nisse und vergleichen Sie diese mit der Zusammen­ver­anlagung.

Wann sich die Einzel­ver­anlagung für Paare lohnt

Mit einer gemein­samen Steuererklärung fällt die Steuer meist nied­riger aus. Im Einzel­fall können aber zwei separate Erklärungen besser sein, etwa wenn:

  • ein Partner Lohn­ersatz wie Arbeits­losengeld oder Kurz­arbeiter-, Mutter­schafts-, Eltern- oder Krankengeld erhalten hat. Denn Lohn­ersatz­leistungen unterliegen dem Progressions­vorbehalt: Das Finanz­amt rechnet sie fiktiv dem Einkommen zu und ermittelt dann den Steu­ersatz. Dieser etwas höhere Satz gilt dann für das gemein­same Einkommen. Das führt oft zu Nach­zahlungen,
  • ein Partner Verluste aus Vermietung erzielt hat,
  • ein Partner seinen Job verloren und eine Abfindung erhalten hat,
  • ein Partner Kirchgeld zahlt, weil nur der andere Kirchen­mitglied ist,
  • ein Partner sehr hohe Krank­heits­kosten hat,
  • beide Partner Neben­einkünfte hatte, für die jeder der beiden einen Härte­ausgleich bekommt,
  • ein Partner im letzten Jahr im Ausland gearbeitet hat.

Mehr Netto mit Steuerklassen nach Heirat rausholen

Eine Liquiditäts­spritze sichern sich Eheleute mit der optimalen Wahl ihrer Steuerklassen. Ab dem Tag der Trauung erhalten Verheiratete auto­matisch die Steuerklasse IV. Arbeitnehmer­ehepaare dürfen zwischen mehreren Steuerklassen-Kombinationen wählen: IV/IV oder III/V oder IV/IV mit Faktor. Welche zur geringsten monatlichen Steuer führt, hängt von den Gehältern ab. Den finanziellen Vorteil gegen­über Singles bekommt das Paar mit der Kombination IV/IV zeit­verzögert, wenn es im nächsten Jahr eine Steuererklärung abgibt.

Wählen es statt­dessen die güns­tigere Kombination III und V, zahlt der Besserverdienende in der III monatlich besonders wenig Lohn­steuer. Der andere hat dafür zwar in der V hohe Abzüge, doch in der Summe bleibt für beide mehr Netto.

Als Faust­regel gilt: Die Kombination III/V bringt mehr Monats­netto, wenn die Gehalts­unterschiede hoch sind. Erzielt ein Partner rund 60 Prozent der Gesamt­einkünfte, empfiehlt sich für ihn Klasse III.

Beispiel: Verdient der eine 5 000 Euro, der andere 1 800 Euro, ergibt sich bei der Kombination IV/IV ein Steuer­abzug von 1 326 Euro. Bei III/V sind es nur 1 125 Euro.

Allerdings führt die Kombination III/V oft dazu, dass Steuern nach­zuzahlen sind. Alternative ist die IV/IV. Sie ist besser, wenn beide Partner etwa gleich viel verdienen.

Faktor gegen Nach­zahlung

Die dritte Möglich­keit ist das Faktorverfahren. Das bietet sich an für Paare, deren Gehälter sehr unterschiedlich sind, die aber mögliche Steuer­nach­zahlungen vermeiden wollen. Sie nehmen die Klassen IV/IV mit Faktor. Das Amt berück­sichtigt dann Entlastungen wie Grund­frei­betrag, Werbungs­kostenpauschale, Sonder­ausgaben­abzug, Vorsorgepauschale. Die monatlichen Steuer­abzüge entsprechen mehr der wahren Einkommens­verteilung bei den Eheleuten.

Beispiel: Für den Partner mit 5 000 Euro Gehalt wären das statt 742 Euro (Steuerklasse III) 1 055 Euro Steuer (Klasse IV mit Faktor), für den anderen statt 383 Euro (Klasse V) mit Faktor nur 161 Euro.

Tipp: Wie Steuerklassen das Gehalt beein­flussen, können Sie mit unseren Brutto-Netto-Rechner ganz leicht selbst ermitteln.

Mehr Eltern­geld mit Klasse III

Über die Steuerklasse können Arbeitnehmer­ehepaare auch Lohn­ersatz­leistungen beein­flussen. Arbeits­losen-, Mutter­schafts- oder Eltern­geld hängen vom zuletzt verdienten Netto ab. Und das ist in Klasse III am höchsten, in Klasse V am geringsten.

Ist Nach­wuchs unterwegs, zeichnen sich Kurz­arbeit oder ein Jobverlust ab? Wer in absehbarer Zeit Lohnersatzleistungen wie Elterngeld erhält, wechselt am besten in die Steuerklasse III, selbst wenn er oder sie weniger verdient. Das sichert höchst­mögliche staatliche Leistungen, da diese vom Netto­einkommen abhängen. Beim Arbeits­losengeld ist die Steuerklasse am Jahres­anfang maßgeblich.

Beispiel: Verdient eine Mutter 3 600 Euro brutto in Steuerklasse V, erhält sie in der Baby­pause 1 111 Euro Eltern­geld. In Klasse III bekäme sie 1 548 Euro. Ein Steuerklassenwechsel ist mehr­mals im Jahr möglich, bis zum 30. November.

Tipp: Sie erwarten Kurz­arbeit? Ermitteln Sie mit unserem Kurzarbeitergeld-Rechner wie viel Geld Sie bekommen.

Kurz vor Jahres­ende heiraten lohnt sich

Lässt sich ein Paar noch vor Silvester trauen, sichert es sich so den meist güns­tigeren Splitting­tarif noch für das ganze Jahr. Allein der 15-minütige Termin noch vor Jahres­wechsel besiegelt, ab wann der Staat seine Steuer­vorteile springen lässt. Und die gibt es nicht erst ab dem Hochzeits­tag, sondern rück­wirkend für das gesamte Jahr.

Sind beide angestellt und heiraten vor dem 1. Dezember, können sie noch am selben Tag beim Finanz­amt ihre Steuerklassen ändern. Der oder die besser Verdienende wählt Klasse III. Alle Frei­beträge für beide werden dieser Person zuge­ordnet. Der oder die schlechter Verdienende bekommt Klasse V, ganz ohne Frei­beträge. Klappt der Wechsel recht­zeitig, bleibt schon im Dezember insgesamt mehr Netto übrig.

Weitere Steuer­vorteile durch eine Ehe

Ehepaare genießen weitere Vorteile:

  • Der Sparerpausch­betrag verdoppelt sich auf 1 602 Euro – Singles bekommen 801 Euro. Bis dahin werden keine Steuern auf Kapital­erträge erhoben. Ab 2023 sind 2 000 Euro auf Erspartes steuerfrei, für Singles 1 000 Euro.
  • Verheiratete können die Höchst­beträge zusammen für ihre Alters­vorsorge absetzen, etwa Beiträge zur gesetzlichen Renten­versicherung. Nicht ausgeschöpfte Frei­beträge kann der Partner nutzen. Von dieser Regelung profitieren Verheiratete genauso bei den absetz­baren Höchst­summen für Versicherungs­beiträge etwa für Haft­pflicht- oder Zusatz­kranken­versicherungen.
  • Steuerliche Verluste des einen Ehegatten können mit Einkünften des anderen verrechnet werden. Dadurch zahlen beide insgesamt weniger Steuern.
  • Selbst­ständigen oder nicht-erwerbs­tätigen Ehegatten steht die Riester-Zulage zu.
  • Eheleute zahlen keine Grund­erwerb­steuer, wenn einer vom anderen eine Immobilie kauft.
  • Eheleute können sich gegen­seitig 500 000 Euro steuerfrei vererben, Unver­heiratete nur 20 000 Euro. Hinzu kommen bei Eheleuten Frei­beträge für Hausrat und andere Güter sowie im Todes­fall ein Versorgungs­frei­betrag von 256 000 Euro. Für Eheleute gilt die beste Steuerklasse I.
  • Beim Schenken gelten dieselben Regeln wie beim Erben, den Frei­betrag gibt es alle zehn Jahre. Ehepaare dürfen dem Partner das selbst genutzte Eigenheim, unabhängig vom Wert, steuerfrei schenken.
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Profilbild Stiftung_Warentest am 04.11.2022 um 09:09 Uhr
Pflicht zur Steuererklärung

@Tol1: Die Wahl der Steuerklassen bedeutet nicht automatisch, dass keine Steuererklärung notwendig ist. Auch hier führen der Bezug von Lohnersatzleistungen etc. in bestimmter Höhe zur Abgabepflicht. Im Laufe eines Jahres evtl. zu viel entrichtete Lohnsteuer lässt sich mit der Steuererklärung ausgleichen.

Tol1 am 03.11.2022 um 18:52 Uhr
Nur kleiner Gedanke

Als mit letztem Satz hätte ich mir noch den Hinweis gewünscht, dass die Steuerklasse mit der Steuererklärung am Ende sowieso ausgeglichen wird. Auch hat man bei IV/IV keine Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung. Schönen Tag noch

Profilbild Stiftung_Warentest am 02.04.2012 um 14:33 Uhr
pdf-Download funktioniert

@Gonduron: Der pdf-Download funktioniert. Wir schicken Ihnen den Artikel per Mail zu.

Gonduron am 28.03.2012 um 17:19 Uhr
PDF-Download defekt

Auf meinem Notebook funktioniert der PDF-Download ebenfalls nicht. Ich benutze Windows 7 Professional (64-bit) mit dem Internet Explorer v9 (32-bit) und Adobe Reader v10.1.2 (32-bit), alle auf dem aktuellen Patch-Level. Die Adobe Plugins im Internet Explorer habe ich bewusst deaktiviert, da ich nicht das PDF-File innerhalb des Internet Explorer ansehen möchte, sondern die Datei auf meinen Rechner herunterladen und dort mit dem Adobe Reader öffnen möchte. Ich bin Abonnent von Stiftung Warentest und Finanztest. Ich bitte um Behebung dieses Problems auf Ihrer Webseite, sodass Ihr Angebot uneingeschränkt kompatibel zu obiger Systemkonfiguration ist.

Profilbild Stiftung_Warentest am 03.06.2011 um 14:54 Uhr
Download funktioniert

@Inficamphora und daBademeister: Wir haben Ihren Hinweis geprüft. Der Download funktioniert. Wir senden Ihnen den Artikel als pdf Datei zu.