Ehegatten­splitting Die besten Steuertipps für Paare

16.04.2021
Ehegatten­splitting - Die besten Steuertipps für Paare
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Der Trau­schein zahlt sich für die meisten Paare aus – sogar rück­wirkend fürs Hochzeits­jahr. Ziehen Ex-Partner an einem Strang, sparen sie auch noch nach einer Trennung.

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Steuertipps für Paare – die wichtigsten Tipps

Das Wichtigste in Kürze

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Heiraten oder Eintragen.
Nur Ehepaare und einge­tragene Lebens­partner können eine gemein­same Steuererklärung abgeben und zwischen einer Zusammen­ver­anlagung und Einzel­ver­anlagung wählen.
Ehegatten­splitting.
Kreuzen die Partner die Zusammen­ver­anlagung im Haupt­vordruck an, gilt für sie der Splitting­tarif. Meist bringt das Ehegatten­splitting gegen­über der Einzel­ver­anlagung einen Steuer­vorteil.
Faust­regel.
Je größer die Einkommens­differenz der Partner und je höher der Steu­ersatz, umso größer der finanzielle Vorteil durch das Ehegatten­splitting. Verdienen beide gleich viel, geht der Splitting­vorteil gegen Null.
Voraus­setzung.
Das Ehegatten­splitting gilt nur für in Deutsch­land nicht dauernd getrennt lebende Ehepartner.
Trennungs­jahr.
Im Jahr der Trennung können Paare noch einmal die steuerlich güns­tigere Zusammen­ver­anlagung wählen. Den Steuer­vorteil bekommen sie aber nur, solange sie offiziell noch zusammen­wohnen. Zieht einer aus, werden beide steuerlich wieder wie Singles abge­rechnet.

Diese Steuer­vorteile bringt die Ehe

Ja sagen und Steuern sparen? Für viele Paare lohnt sich der Gang zum Standes­amt finanziell enorm. Dabei macht es für die Einkommensteuer keinen Unterschied, ob das Paar als Lebens­gemeinschaft einge­tragen oder verheiratet ist.

Steuer­vorteile bei Ja-Wort

Wählen Sie im Haupt­vordruck die Zusammen­ver­anlagung. Das bringt jede Menge Steuer­vorteile wie das güns­tigere Ehegatten­splitting, bessere Steuerklassen, höhere Abzugs­beträge, etwa beim Sparen für die Alters­vorsorge, und oft doppelt so hohe Frei­beträge. Wann Sie sich das Jawort geben, ist dem Finanz­amt egal. Ein Tag Ehe im Kalender­jahr reicht. Selbst Verliebte, die an Silvester noch Ja sagen, profitieren für das gesamte Jahr noch rück­wirkend.

So funk­tioniert das Ehegatten­splitting

Der größte Steuer­vorteil ist für viele Paare das Ehegatten­splitting. Damit sind oft mehrere Tausend Euro Steuererstattung drin. Wie viel Sie als Ehe- und einge­tragene Lebens­partner bei der Einkommensteuer sparen, hängt von der Höhe Ihrer Einkommen und von deren Differenz ab (siehe Beispiel). Die maximale Ersparnis durch den Splitting­tarif lag 2020 bei 18 035 Euro.

Ehegatten­splitting – ein Beispiel

Je größer das Einkommens­gefälle zwischen den Part­nern, desto größer der Steuerbonus: Sie hat ein Brutto­gehalt von 60 000 Euro im Jahr, ihre Part­nerin 20 000 Euro. Haben die beiden Ende November 2020 geheiratet, sparen sie 1 200 Euro Einkommensteuer. Bei höherem Gesamt­einkommen des Paares und einem größeren Unterschied sind es noch mehr. Verdient ein Partner 100 000 Euro und der andere gar nichts, spart das Paar 8 680 Euro. Ist das Einkommen fast gleich hoch, zahlt sich der Gang zum Standes­amt hingegen kaum bis gar nicht aus. Verdienen beide 30 000 Euro im Jahr, bringt eine Hoch­zeit null Euro Steuerersparnis.

Mehr Netto mit Steuerklassen rausholen

Keinen echten Steuer­vorteil, aber eine Liquiditäts­spritze sichern Sie sich als Eheleute mit der optimalen Wahl Ihrer Steuerklassen. Ab dem Tag der Trauung erhalten Verheiratete auto­matisch die Steuerklasse IV. Den finanziellen Vorteil gegen­über Singles bekommt das Paar damit zeit­verzögert, wenn es im nächsten Jahr eine Steuererklärung abgibt. Wählen Sie statt­dessen die für Sie güns­tigere Kombination III und V, zahlt der Besserverdienende in der III monatlich besonders wenig Lohn­steuer. Der andere hat dafür zwar in der V hohe Abzüge, doch in der Summe bleibt für beide mehr Netto. Die Steuerklassen bestimmen aber nur die Höhe des Lohn­steuer­abzugs durch den Arbeit­geber. Sie haben keine Auswirkung auf die wirk­liche tarifliche Steuerbelastung. Diese ist bei beiden Kombinationen gleich. Mit III und V zahlen Paare übers Jahr meist zu wenig Steuern, deshalb ist eine Steuererklärung Pflicht. Mit IV und IV zahlen sie monatlich meist zu viel.

Tipp. Der Trau­schein kann Ihnen auch Nachteile bringen, etwa wenn Sie allein­erziehend sind und den Entlastungs­betrag erhalten. Der entfällt voll­ständig, wenn die Voraus­setzungen für eine Zusammen­ver­anlagung vorliegen. Berechnen Sie vorher, was güns­tiger ist.

Das Einkommen beider Partner kann sich durch Jobwechsel, Baby­pause oder Gehalts­erhöhungen ändern. Prüfen Sie daher jedes Jahr, ob Sie mit der Zusammen- oder Einzelveranlagung güns­tiger fahren.

Tipps für Trennung und Scheidung

Ist Ihre Beziehung gescheitert? Sicher wollen Sie so schnell wie möglich getrennte Wege gehen. Für frisch Getrennte rechnet es sich aber, wegen der Steuer noch eine Weile weiter zusammen­zuwohnen. Denn ein über­stürzter Auszug kann teuer werden: Im Jahr der Trennung können Sie mit Ihrem Partner noch einmal die Zusammen­ver­anlagung wählen. Die Steuer­vorteile bekommen Sie aber als Verheiratete nur, solange Sie offiziell zusammenleben. Verlässt einer die Wohnung, werden beide steuerlich wieder wie Singles behandelt.

Die Steuer­vorteile im Trennungs­fall retten

Paare, die es dagegen schaffen, auch nur einen Tag über den Jahres­wechsel hinaus unter einem Dach zu wohnen, retten die Steuer­vorteile noch für das gesamte neue Jahr: Im Trennungs­jahr dürfen Sie die güns­tigen Steuerklassen behalten. Zum 1. Januar des Folge­jahrs ist dann endgültig Schluss. Getrennt Lebende müssen dann ihre Steuerklassen wieder ändern. Ex-Partner ohne Kinder werden wieder in Steuerklasse I abge­rechnet. Der Eltern­teil, bei dem die Kinder zum Haushalt gehören, kann die Klasse II mit integriertem Entlastungs­betrag für Allein­erziehende wählen.

Anspruch auf Zusammen­ver­anlagung

Trotz bester Vorsätze schaffen es Eheleute oft nicht, friedlich auseinander­zugehen. Sie streiten über Möbel, Unterhalt – und Steuern. Beide haben im Trennungs­jahr einen Anspruch auf die Zusammen­ver­anlagung. Stimmt einer aus Wut oder Enttäuschung nicht zu, kann der andere die Zustimmung notfalls einklagen.

Versöhnungs­versuch zahlt sich aus

Eheleuten, die sich ernst­haft versöhnen wollen, gewährt das Finanz­amt ausnahms­weise auch noch im Jahr nach der Trennung alle Steuer­vorteile für das ganze Kalender­jahr. Das gilt selbst dann, wenn sich nach kurzer Zeit abzeichnet, dass die Ehe nicht zu retten ist. Als Nach­weis für einen Versöhnungs­versuch erkennt die Behörde zum Beispiel einen Nach­sende­auftrag an die gemein­same Wohnung an oder Zeugen wie Nach­barn oder den Scheidungs­anwalt.

Trennungs­kosten nicht absetz­bar

Sie müssen sich nach der Trennung eine neue Wohnung mieten, Möbel kaufen und hohe Anwalts- und Gerichts­kosten für das Scheidungs­verfahren zahlen? Diese Ausgaben behandelt das Finanz­amt als Privatsache. Immerhin können Sie Ihre Kosten für ein Umzugsunternehmen geltend machen.

Unter­halts­zahlungen abrechnen

Zahlen Sie nach der Trennung oder Scheidung Unterhalt an Ihren Ex-Partner, können Sie bis zu 13 805 Euro als Sonder­ausgaben absetzen. Daneben können Sie für den Ex-Partner über­nommene Basisbeiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung absetzen.

Allerdings muss der Zahlungs­empfänger auf der Anlage U dem Abzug des Unter­halts zustimmen. Tut er das ohne triftigen Grund nicht, kann ihn der Zahlende auf Zustimmung verklagen und notfalls Schaden­ersatz fordern (OLG Celle, Az. 21 UF 119/18). Den vom Zahlenden abge­setzten Unterhalt muss der Empfänger als sons­tige Einkünfte versteuern. Dadurch entstehende Nachteile bei der Steuer muss der Zahlende ausgleichen.

Ausgleichs­zahlungen für Versorgung

Leisten Sie bei der Scheidung Ausgleichs­zahlungen zur Vermeidung des Versorgungsausgleichs, der etwa bei Ihrer betrieblichen Alters­vorsorge durch­geführt wird, können Sie diese Zahlungen ebenfalls als Sonder­ausgaben absetzen.

Egal, um welche Ansprüche auf eine Alters­vorsorge es sich handelt: Ausgleichs­zahlungen für den Verzicht auf den Versorgungs­ausgleich sind steuerlich absetz­bar. Wie beim Unterhalt muss der Empfänger auf der Anlage U dem Abzug zustimmen und die Zahlung selbst versteuern. Seit der Steuererklärung für 2019 gibt es für Ausgleichs­zahlungen und Unterhalt eine neue Anlage Sonder­ausgaben.

Scheidungs­kosten nicht absetz­bar

Kommt es eines Tages zur Scheidung, können Sie Anwalts- und Gerichts­kosten für das Verfahren vor Gericht jetzt, anders als früher, nicht mehr absetzen. (BFH, Az. VI R 9/16).

Hier lohnt sich ein Einspruch

„Living-apart-together“ (LAT) – getrennt wohnen, aber trotzdem zusammenleben? Steuerlich ist das möglich. Das Finanzge­richt Münster entschied, dass seit Jahren räumlich getrennt lebende Ehegatten vom Splitting­tarif profitieren können (Az. 7 K 2441/15 E).

Das Kläger-Ehepaar konnte das Gericht über­zeugen, dass es zwar unter zwei Adressen wohnt, aber keinesfalls persönlich und geistig getrennt lebt. Sie hätten im Laufe ihrer Beziehung fest­gestellt, dass es belebend für ihre Ehe sei, wenn jeder einen Rück­zugs­ort habe. Beide seien finanziell unabhängig, jeder bestreite seine Haushalts­kosten allein. Reisen, Theaterbesuche sowie den Unterhalt für den gemein­samen Sohn, der über­wiegend bei der Mutter lebte, zahlten sie gemein­sam. Das Gericht sah keinen Grund, dem Paar den Status „zusammenlebend“ abzu­sprechen – und gewährte den Splitting­vorteil.

Ehe- und Lebens­partner, die eine moderne Art des Zusammen­lebens abweichend vom traditionellen Modell praktizieren, sollten die Diskussion mit dem Finanz­amt aufnehmen, wenn es um den Splitting­tarif geht. Das Urteil dient als Begründung, um das Finanz­amt zu über­zeugen. Gelingt das nicht, legen Sie Einspruch ein. Bei einer Ablehnung müssten Sie über­legen, ob Sie selbst den Klageweg beschreiten.

16.04.2021
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