Interview: Vertrag statt Vertrauen

Ehe ohne Trauschein Meldung

Ulrike Börger, Bonn, Vorsitzende des Ausschusses Familienrecht der Bundesrechtsanwalts-kammer.

Warum sollten sich Paare ohne Trauschein absichern?

Für freie Partnerschaften gibt es keine speziellen ge­setzlichen Regelungen, wenn die Lebensgemein­schaft aufgelöst wird. Die Gerichte lehnen es bisher ab, für freie Partnerschaften die Re­geln wie für Ehe­gatten und eingetragene Lebens­­partner an­zuwenden. Wer ohne vertragliche Bindung zusammenlebt, be­denkt meist nicht, dass Aufwendungen und persönliche Dienste, die für das Zusammenleben geleistet wurden, bei einer Trennung weder nachträg­lich vergütet noch zurückgefordert werden können.

Schaffen denn nur Verträge zwischen den Partnern klare Verhältnis­se?

Ja. Andernfalls bleiben beim Scheitern der Partnerschaft die Vermögenswerte bei dem, der Eigentümer oder Kontoinhaber ist. Als Faustregel gilt: Wer viel Geld in die Partnerschaft steckt, sollte das unbedingt vertraglich absichern und von einem Notar be­glaubigen lassen. Für kleinere Anschaffungen und Geschenke wie Möbel, Waschmaschine, Kühlschrank und anderen Hausrat reichen private Vereinbarungen ...

... die zusätzlich durch Vollmachten ergänzt werden sollten?

Vorsicht. Vollmachten für Banken, Behörden, Versicherungen oder Post sollten nicht unbeschränkt gelten, sondern genau festlegen, welche Geschäfte erlaubt sind. Mein Rat: Je mehr die Partner getrennt abwickeln, umso einfacher ist es.

Können Partner auch Zugewinnausgleich vereinbaren?

Nein, für eine solche Regelung müssten sie erst heiraten. Diese Möglichkeit besteht aber für eingetragene gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1530 Nutzer finden das hilfreich.