Lohnende Verbindung. Geben sich zwei vor Silvester das Jawort, genießen sie Steuer­vorteile fürs ganze Jahr.

Aktuell ist ist die Corona-Pandemie eine Zerreiß­probe für viele Part­nerschaften: Familien­rechtler erwarten für die nahe Zukunft fünf­mal mehr Trennungen als üblich. Paare sollte das nicht davon abhalten, sich noch vor dem Jahres­ende das Jawort zu geben. Es lohnt sich finanziell mitunter enorm. Und für frisch Getrennte rechnet es sich, der Steuer wegen noch ein Weilchen zusammen­zuwohnen.

Das Steu­ersparmodell Ehe

Nur mit Trau­schein oder als einge­tragene Lebens­partner dürfen gleich- und verschieden­geschlecht­liche Paare in der Steuererklärung die Zusammen­ver­anlagung ankreuzen. Das bringt viele Steuervorteile wie das Ehegatten­splitting, güns­tige Steuerklassen oder höhere Abzüge.

Wann sich ein Paar das Jawort gibt, ist dem Finanz­amt egal. Ein Tag Ehe reicht. Selbst Verliebte, die Silvester noch "Ja" sagen, profitieren für das ganze Jahr rück­wirkend, wenn sie eine Steuererklärung abgeben.

Ehegatten­splitting bringt große Steuerersparnis

Der größte Steuer­vorteil ist für viele Paare das Ehegatten­splitting. Damit sind häufig mehrere tausend Euro Steuererstattung drin. Heiraten jetzt, groß feiern später – diese Strategie schafft eine gute Grund­lage für ein üppiges Fest nach Ende der Corona-Beschränkungen.

Wie viel Ehe- und einge­tragene Lebens­partner bei der Einkommensteuer sparen, hängt von der Höhe ihrer Einkommen und von deren Differenz ab. Faustformel: Je größer der Einkommens­unterschied, desto höher der Splittingvorteil.

Ein Gehalts­gefälle in der Ehe rechnet sich

Beispiel: Sie hat ein Brutto­gehalt von 60 000 Euro im Jahr, ihre Part­nerin 20 000 Euro. Heiraten beide noch 2020, sparen sie 1 200 Euro Einkommensteuer. Bei höherem Gesamt­einkommen des Paares und einem größeren Unterschied sind es noch mehr.

Liegt das Einkommen fast gleich hoch, zahlt sich der Gang zum Standes­amt hingegen kaum bis gar nicht aus. Verdienen beide 30 000 Euro im Jahr, bringt eine Hoch­zeit Null Euro Steuerersparnis.

Mit Steuerklassen­wechsel mehr Netto sichern

Ab dem Tag der Trauung erhalten Verheiratete auto­matisch die Steuerklasse IV. Den finanziellen Vorteil gegen­über Singles bekommen sie zeit­verzögert, wenn sie eine Steuererklärung abgeben. Wählen Ehepaare statt­dessen für sie güns­tigere Steuerklassen, bekommen sie schon mit dem Gehalt mehr Netto ausgezahlt.

Sind beide angestellt und heiraten vor dem 1. Dezember, können sie noch am selben Tag beim Finanz­amt ihre Steuerklassen ändern. Der oder die besser Verdienende wählt Klasse III. Alle Frei­beträge für beide werden dieser Person zuge­ordnet. Der oder die schlechter Verdienende bekommt Klasse V, ganz ohne Frei­beträge. Klappt der Wechsel recht­zeitig, bleibt schon im Dezember insgesamt mehr Netto übrig.

Steuerklassen­wechsel mehr­mals möglich

Ist Nach­wuchs unterwegs, zeichnen sich Kurz­arbeit oder ein Jobverlust ab? Wer in absehbarer Zeit Lohn­ersatz­leistungen wie Eltern- oder Kurz­arbeitergeld erhält, wechselt am besten in die Steuerklasse III, selbst wenn er oder sie weniger verdient. Das sichert höchst­mögliche staatliche Leistungen, da diese vom Netto­einkommen abhängen. Ein Steuerklassenwechsel ist mehr­mals im Jahr möglich, bis zum 30. November.

Trennung: Auszug nach Möglich­keit verschieben

Getrennte Wege? Wer nicht vorschnell handelt, kann Steuer­vorteile retten.

Ist die Beziehung gescheitert und eine Scheidung in Sicht, wollen beide oft so schnell wie möglich getrennte Wege gehen. Doch ein über­stürzter Auszug kann teuer werden: Verheiratete bekommen die Steuer­vorteile nur, solange sie offiziell zusammenleben. Verlässt einer die Wohnung, werden beide steuerlich wieder wie Singles behandelt.

Paare die es schaffen, auch nur einen Tag über den Jahres­wechsel hinaus unter einem Dach zu wohnen, retten ihre Steuer­vorteile für das gesamte neue Jahr: Im Trennungsjahr dürfen sie die güns­tigen Steuerklassen behalten. Wie sehr es sich lohnt, den Auszug auf mindestens den 2. Januar zu verschieben, hängt vom Einkommen ab.

Zum 1. Januar des Folge­jahrs müssen getrennt Lebende ihre Steuerklassen ändern. Expartner ohne Kinder werden wieder wie Singles mit Steuerklasse I abge­rechnet. Der Eltern­teil, bei dem die Kinder zum Haushalt gehören, kann die Klasse II mit integriertem Entlastungs­betrag für Allein­erziehende wählen.

Versöhnung wird steuerlich belohnt

Paaren, die sich ernst­haft versöhnen wollen, gewährt das Finanz­amt ausnahms­weise auch noch im Jahr nach der Trennung alle Steuer­vorteile – für das ganze Kalender­jahr. Das gilt selbst dann, wenn sich nach kurzer Zeit abzeichnet, dass die Ehe nicht zu retten ist. Als Nach­weis für einen Versöhnungs­versuch erkennt die Behörde zum Beispiel einen Nach­sende­auftrag an die gemein­same Wohnung an oder Zeugen wie etwa den Scheidungs­anwalt.

Trotz bester Vorsätze schaffen es Ehepaare oft nicht, friedlich auseinander­zugehen. Sie streiten über Möbel, Unterhalt – und Steuern. Beide haben im Trennungs­jahr Anspruch auf die Zusammen­ver­anlagung. Stimmt einer der beiden aus Wut oder Enttäuschung nicht zu, kann der andere die Zustimmung notfalls einklagen.

nach oben

Vorteil 1: Das Ehegatten­splitting

Je größer das Einkommens­gefälle zwischen den Part­nern, desto größer der Steuerbonus. Wenn beide in etwa gleich viel verdienen, sinkt die Steuerbelastung kaum. Der Splitting­vorteil gilt im Heirats­jahr rück­wirkend und auch noch im gesamten Jahr einer Trennung.

Brutto­gehalt1im Jahr

Splitting­vorteil = Steuerersparnis gegen­über Singles (in Euro)

Ehepartner A (in Euro)

Ehepartner B (in Euro)

Brutto­gehalt1im Jahr

Splitting­vorteil = Steuerersparnis gegen­über Singles (in Euro)

Ehepartner A (in Euro)

Ehepartner B (in Euro)

 50 000

50 000

     0

 30 000

20 000

    60

 50 000

20 000

   661

 30 000

10 000

   946

 30 000

     0

 2 765

100 000

     0

 8 680

600 000

     0

18 035

    • 1 Zu versteuerndes Einkommen, ohne Soli und Kirchen­steuer nach den Tarif­werten für 2020.
    nach oben

    Vorteil 2: Sofort mehr Netto

    Eheleute und einge­tragene Lebens­partner verschaffen sich mit der Steuerklassen­kombination III und V sofort mehr Liquidität. Dem Beispiel­paar in der Tabelle bleibt so aufs Jahr gerechnet 1 613 Euro mehr Netto. Die Steuerklassen bestimmen, wie viel Lohn­steuer der Arbeit­geber jeden Monat vom Gehalt abzieht. Wie viel tatsäch­lich zu zahlen ist, zeigt die Steuererklärung. Zu der sind Paare mit der Kombination III und V verpflichtet.

    Gleiche Steuerklassen1

    Verschiedene Steuerklassen1

    Ehegatte A

    Ehegatte B

    Ehepaar (Summe)

    Ehegatte A

    Ehegatte B

    Ehepaar (Summe)

    Gleiche Steuerklassen1

    Verschiedene Steuerklassen1

    Ehegatte A

    Ehegatte B

    Ehepaar (Summe)

    Ehegatte A

    Ehegatte B

    Ehepaar (Summe)

    Steuerklasse

    IV

    IV

    III

    V

    Brutto pro Jahr

    50 000

    20 000

    70 000

    50 000

    20 000

    70 000

    Lohn­steuer

     8 655

     1 225

     9 880

     4 846

     3 489

     8 335

    Solidaritäts­zuschlag

        476

        51

       527

       267

       192

       459

    Sozial­versicherungs­beiträge

    10 087

     4 035

    14 122

    10 087

     4 035

    14 122

    Netto pro Jahr

    30 782

    14 689

    45 471

    34 800

    12 284

    47 0842

      • 1 Alle Beiträge sind in Euro angegeben. Berechnung ohne Kirchen­steuer mit den Tarif­werten für 2020.
      • 2 Je nach Verhältnis der beiden Einkommen und abzugs­fähigen Ausgaben wie Jobkosten, Spenden oder Kinder­betreuung kann es zu einer Nach­forderung kommen.
      nach oben

      Vorteil 3: Doppelter Sparerpausch­betrag

      Auf Zinsen, Dividenden und andere Kapital­erträge fallen Steuern an – bis auf einen Frei­betrag: Singles dürfen 801 Euro behalten, Ehepaare doppelt so viel, also 1 602 Euro.

      Reste mitnehmen. Zwar wird bei jedem Ehepartner der Pausch­betrag mit 801 Euro angesetzt. Nimmt aber einer von beiden weniger als 801 Euro an Kapital­erträgen ein, kann der oder die andere den nicht benötigten Rest ausschöpfen. Das gilt auch für getrennte Paare, die sich im Trennungs­jahr weiter zusammen veranlagen lassen.

      nach oben

      Vorteil 4: Sparen bei der Alters­vorsorge

      Verheiratete können die Höchst­beträge zusammen für ihre Alters­vorsorge absetzen, etwa Beiträge zur gesetzlichen Renten­versicherung oder zu Basisrenten­verträgen. Nicht ausgeschöpfte Frei­beträge kann der Partner nutzen. Für das Jahr 2020 liegt der gemein­same Höchst­betrag bei 50 092 Euro.

      Frei­beträge ausschöpfen. Von dieser Regelung profitieren Verheiratete genauso bei den absetz­baren Höchst­summen für Versicherungs­beiträge etwa für Haft­pflicht- oder Zusatz­kranken­versicherungen.

      nach oben

      Vorteil 5: Verluste unter­einander teilen

      Steuerliche Verluste des einen Ehegatten können mit Einkünften des anderen verrechnet werden. Dadurch zahlen beide insgesamt weniger Steuern – auch noch im Jahr der Trennung.

      Beispiel. Sie verdient als Angestellte abzüglich ihrer beruflichen Kosten 40 000 Euro im Jahr. Er ist selbst­ständig und macht 10 000 Euro Verlust. Das Paar muss so nur noch Einkünfte in Höhe von 30 000 Euro versteuern, da der Verlust des Mannes mit den Einkünften seiner Frau verrechnet wird.

      nach oben

      Dieser Artikel ist hilfreich. 5 Nutzer finden das hilfreich.