Ecstasy Meldung

Ecstasy hat die Techno-Szene längst verlassen. Doch es wird immer klarer: Die illegale Glückspille ist gut fürs Gefühl, aber schlecht fürs Gehirn. Es gibt jetzt erstmals spezielle Therapieangebote.

Fast eineinhalb Millionen Ecstasy-Tabletten beschlagnahmten Polizisten 1999 ­ mehr als dreimal so viel wie noch ein Jahr zuvor. Der tatsächliche Konsum der Glückspillen liegt wahrscheinlich um ein Vielfaches höher. Besonderen Zuspruch finden sie bei Jugendlichen zwischen 16 und 20, doch das Einstiegsalter verschiebt sich immer weiter nach unten. Viele nehmen Ecstasy nur am Wochenende ein, das aber regelmäßig. Diskotheken, "Raves", Partys und andere Tanz- und Großveranstaltungen bilden den Rahmen für den Konsum.

Der Wirkstoff MDMA gelangt über die Blutbahn ins Gehirn und überschwemmt es mit dem Wohlfühlstoff Serotonin. Die Wirkung setzt etwa eine halbe bis eine Stunde nach Einnahme ein und kann bis zu vier Stunden anhalten. Wichtigste Effekte sind innere Ruhe, euphorische Stimmung und Harmoniegefühl. Gleichzeitig wirkt Ecstasy körperlich anregend mit einem Anstieg von Körpertemperatur, Blutdruck und Pulsfrequenz.

Während die "saubere", wenn auch illegale Droge Ecstasy lange als harmlos galt ­ vor allem bei den Jugendlichen ­, kristallisieren sich inzwischen immer mehr Gefahren für die Gesundheit heraus. So haben die meisten Konsumenten die Erfahrung gemacht, dass mit dem Ausklingen des Rausches unerwünschte Begleiterscheinungen auftreten können, vor allem depressive Verstimmungen und Ängste.

Gravierende Folgen

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Doch auch die langfristigen Folgen sind gravierend. Das ergab eine Studie der Hamburger Universitätsklinik mit mehr als 100 Ecstasy-Nutzern. Internisten, Biochemiker, Neurologen, Psychologen und verschiedene andere Spezialisten prüften die Jugendlichen, die sie auf Techno-Partys und in Diskotheken angesprochen hatten, drei Tage lang auf Herz und Nieren, Hirn und Psyche. Im Vergleich mit drogenfreien Jugendlichen, aber auch mit denjenigen, die zwar Drogen, aber kein Ecstasy nahmen, stellte sich dabei heraus: Die Glückspillen sind Gift fürs Gehirn.

So erlebten mehr als ein Viertel der Ecstasy-Fans mindestens einmal schwere psychische Störungen wie Halluzinationen, Personenverkennung oder Wahnzustände. 60 Prozent der Dauerkonsumenten ­ die insgesamt mindestens 500 Tabletten geschluckt hatten ­ litten an Störungen des Kurzzeitgedächtnisses (zum Beispiel Merkfähigkeit von Zahlen oder Telefonnummern) "in einem das tägliche Leben beeinträchtigenden Ausmaß". Auch das mittelfristige Gedächtnis, das etwa Prüfungswissen, berufliche Fähigkeiten oder Verabredungen speichert, war beeinträchtigt. Und in bestimmten Bereichen war die Gehirnaktivität infolge zerstörter Nervenzellen in einem "über die Norm hinausgehenden Ausmaß" reduziert.

Die individuelle Verträglichkeit von Ecstasy schwankt erheblich. In der Regel sind aber die Gesundheitsrisiken für Dauerkonsumenten weitaus höher als für gelegentliche Nutzer. Ob die Schäden jemals wieder heilen, ist ungewiss. Bei häufigem Gebrauch leeren sich außerdem die Serotoninspeicher im Gehirn. Folge: Die erwünschte Wirkung tritt nicht mehr im vollen Umfang ein, und die Dosis wird dann meist erhöht ­ ein Teufelskreis.

"Allerdings muss man ganz klar sagen, dass nicht alle Jugendlichen gefährdet sind, tatsächlich in den Drogenmissbrauch abzurutschen", erklärt Privatdozent Dr. Rainer Thomasius, Leiter der Hamburger Studie. "Wahrscheinlich probieren heutzutage 35 Prozent der Jugendlichen irgendwann einmal auch illegale Drogen. Aber nur etwa 6 bis 8 Prozent aller Jugendlichen sind behandlungsbedürftig, weil sie deutliche Zeichen von Abhängigkeit zeigen." Nach Erkenntnissen der Wissenschaftler sind das vor allem junge Leute mit Selbstwertkonflikten und Autonomiekonflikten ­ sie wünschen sich Nähe zu anderen Menschen und Verschmelzung mit ihnen und haben gleichzeitig Angst davor.

Therapieren...

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Illegal: Selbst der bloße Besitz oder Erwerb für den persönlichen Konsum ist strafbar.

"Die Drogenhilfe muss in Zukunft allerdings umrüsten", fordert Dr. Thomasius. Heute werden dem Zeitgeist entsprechend eher aufputschende als dämpfende Drogen genommen, doch herkömmliche Beratungsstellen wenden sich an Alkoholiker und Heroinsüchtige.

Die Drogenambulanz der Hamburger Uniklinik, die Dr. Thomasius leitet, versucht neue Wege zu gehen. "Wir machen spezialisierte Angebote für Ecstasy-Nutzer." Angefangen mit einem Beratungsgespräch über einen Ecstasy-Gesundheits-Check bis hin zu psychotherapeutischer Einzel- und Gruppentherapie. Unterschiedliche Probleme ­ etwa Konflikte in der Familie, Selbstwertprobleme, soziale Ängste oder Störungen der Gehirnfunktion ­ erfordern eine maßgeschneiderte Behandlung. Seit wenigen Wochen gibt es auch ein Informations- und Beratungsangebot im Internet.

Drogenambulanz der Uniklinik Hamburg

Martinistr. 52

20246 Hamburg

Tel. 0 40/ 4 28 03 42 17

www.ecstasy-forum.de

Die Designerdrogen-Sprechstunde der Uniklinik Rostock verfolgt ähnliche Ziele wie die Hamburger Drogenambulanz. Wie in Hamburg kommen manche Jugendliche aus Neugier, weil sie sich Sorgen um ihre Gesundheit machen oder weil sie Schwierigkeiten in der Schule oder am Arbeitsplatz haben. Andere werden von ihren Eltern geschickt oder sind sogar schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Designerdrogen-Sprechstunde

Uniklinik Rostock

Barnstorfer Weg 48

18057 Rostock

Tel. 03 81/4 59 00 86.

Auch der Therapieladen Berlin hat sich auf Partydrogen, hauptsächlich Ecstasy und Cannabis, spezialisiert. Er bietet psychologische und psychotherapeutische Therapien an.

Therapieladen Berlin

Potsdamer Str. 131

10783 Berlin

Tel. 0 30/21 75 17 41

www.Therapieladen.de

... und beraten

Zwei Beispiele für die zahlreichen Beratungsangebote: Das Ecstasy Project der Hamburgischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren informiert und berät und kooperiert in einem europäischen Präventionsnetzwerk mit den Städten Amsterdam und Manchester, erforscht Nutzungsgewohnheiten und psychosoziale Folgen.

Ecstasy Project

Hamburgische Landesstelle gegen die Suchtgefahren

Brennerstr. 90

20099 Hamburg

Tel. 0 40/28 49 91 80

www.ecstasy-project.de

Ecstasy-Hotline:

0 40/24 80 00.

Die Drogenberatungsstelle Hannover konzentriert sich seit Mitte der 90er Jahre auf synthetische Drogen und versucht Ecstasy-Konsumenten gezielt anzusprechen, zum Beispiel mit dem Drobs-Info-Mobil bei Techno-Veranstaltungen.

DROBS Hannover

Jugend- und Drogenberatungszentrum

Odeonstr. 14, 30159 Hannover

Tel. 05 11/70 14 60

www.step-hannover.de

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