Elektronische Bücher wiegen nichts und verstauben nicht. Sie kosten aber fast so viel wie das Buch aus Papier und sind schwierig zu verleihen.

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Ebooks Special

Virtuelle Bücherei. Der E-Book-Leser kann sich bequem zuhause seine Bücher kaufen oder ausleihen.

Der Koffer für den Strand­urlaub ist gepackt. Die Urlaubs­lektüre muss noch mit. Einfach elektronische Bücher auf Smartphone, Tablet oder das Lesegerät laden. Je nach Speicher passen mehrere tausend Bücher drauf. Das alles wiegt oft weniger als ein gedrucktes Buch und passt bequem ins Hand­gepäck.

Für Bücherwürmer könnte sich die Anschaffung eines E-Book-Lesegeräts lohnen zum Schnelltest Kindle Touch. Im Unterschied zu Tablets oder Smartphones können sie dank elektronischer Tinte, E-Ink, den Text auf den Readern auch bei Sonne besonders gut lesen. Der Akku hält oft mehrere Wochen. Der Nutzer kann Lesezeichen setzen und den Schrift­grad auf seine Bedürf­nisse einstellen.

Die Buch­preisbindung gilt

In den USA verkauft Versandhändler Amazon inzwischen mehr elektronische Bücher als gedruckte. In Deutsch­land sind E-Books trotz der vielen Vorteile noch ein Nischen­produkt. Ihr Markt­anteil beträgt nur rund 1 Prozent. Einer der Gründe: Viele sind nicht bereit, für ein virtuelles Buch ähnlich viel zu bezahlen wie für ein gedrucktes. E-Books sind zwar bis zu 30 Prozent güns­tiger, die Buch­preisbindung gilt aber auch für sie. Der Verlag bestimmt also den Preis und der Handel muss sich daran halten. Ein weiterer Punkt: Das Sortiment ist kleiner als das gedruckter Titel.

Tipp: Gerade Klassiker finden Sie oft kostenlos. Zum Beispiel auf der Internetseite www.gutenberg.org.

Epub gilt nahezu als Stan­dard

Ein anderes Hindernis sind verschiedene Dateiformate und Kopier­schutz­stan­dards. Nicht jedes Buch lässt sich auf jedem Gerät lesen. Ein beliebtes Format ist Epub (Dateiendung .epub). Viele Online­buch­händler, wie libri.de oder buch.de, aber auch Biblio­theken (siehe „Die virtuelle Bücherei“) bieten ihre elektronischen Schmöker in diesem Format an. Vorteil: Epub ist herstel­ler­unabhängig und funk­tioniert auf den meisten Readern. Es gilt nahezu als E-Book-Stan­dard, gäbe es nicht Amazon.

Amazon schottet sich ab

Der Internetriese Amazon verkauft seine Bücher in einem haus­eigenen Format namens mobipo­cket (Dateiendung .mobi) beziehungs­weise in dem darauf basierenden azw-Format (Dateiendung .azw). Amazons haus­eigenes Lesegerät Kindle lässt Epub nicht zu. Wer den Kindle will, muss Amazon mögen. Kindle-Nutzer sind auf Amazon fest­gelegt und können nicht in anderen Shops zuschlagen oder in Biblio­theken ausleihen. Viele mag das nicht stören, weil Amazon ein sehr großes Sortiment bietet. Nicht jeder will sich aber dauer­haft an einen Shop binden. Wie andere Shops auch preist Amazon eine eigene App an. Damit können Smartphone- oder Tablet-Besitzer die Bücher auf ihren Geräten lesen.

Tipp: Epub-Bücher können Sie in das Amazon-Format umwandeln, wenn die Bücher nicht kopier­geschützt sind. Umge­kehrt funk­tioniert das allerdings nicht.

PDF und TXT sind Altbekannte

Vom Computer bekannt sind PDF-Seiten (Portable Document File) und Text­dokumente (Plain­text, Dateiendung .txt). Auch sie lassen sich auf den meisten Geräten öffnen und darstellen, sofern kein Kopier­schutz besteht. Allerdings sind sie oft weniger komfortabel als Epub oder mobipo­cket. Der Grund: Nicht alle PDFs lassen sich so flexibel in der Größe anpassen und nicht alle Lesegeräte unterstützen die dafür notwendige „Reflow-Funk­tion“. Zwar kann der Nutzer in den Text hinein­zoomen, muss sich aber durch die Seite scrollen. Ungefähr so, als würde er das Buch mit einer Lupe lesen statt gleich in größerer Schrift.

Verleihen geht mit Kopier­schutz nicht

Gekaufte E-Books sind meist kopier­geschützt. Das soll Raubkopien verhindern, macht aber Verleihen an Freunde oder Verwandte schwierig. Der Kopier­schutz ist meist an dem Kürzel DRM für „Digital Rights Management“ zu erkennen. Als wäre die Verwirrung durch verschiedene Buch­dateiformate nicht groß genug, auch hier gibt es verschiedene Systeme.

Weit verbreitet ist Adept. Es erlaubt Leseratten, ein Buch auf bis zu sechs Endgeräten zu betrachten, wenn der E-Book-Reader ihn unterstützt und der Verlag es zulässt. Der entscheidet letzt­lich über die Anzahl. Theoretisch kann ein E-Book an fünf weitere Personen verliehen werden. Praktisch ist das jedoch nicht, weil sich alle Nutzer mit derselben Kennung einloggen müssen. Per E-Mail verschi­cken oder auf den USB-Stick laden können sie die Bücher nicht, ebenso wenig drucken. Ein kopier­geschütztes E-Book ist also deutlich schwieriger zu verleihen als ein gedrucktes Buch. Im Internet gibt es zwar Anleitungen, um den Kopier­schutz auszuhebeln, das ist aber illegal.

Eigener Schutz bei Amazon und Apple

Wenig über­raschend: Auch beim Kopier­schutz zeigt sich Amazon eigen. Bücher mit Adept-Kopier­schutz kann der Kindle-Besitzer nicht lesen. Der Kindle lässt das grund­sätzlich nicht zu. Das heißt aber auch: Der Kindle-Besitzer kann Bücher nicht an andere verleihen, wenn deren Geräte nicht mit Amazons Kopier­schutz kompatibel sind. Ähnlich bei Apple. Wer bei dieser Firma ein E-Book kauft, kann es nur auf einem Apple-Gerät lesen. Immerhin: Mithilfe zahlreicher Apps zeigen iPhone und iPad auch E-Books anderer Quellen an.

Was will ich?

Trotz unterschiedlicher Dateiformate und Kopier­schutz­systeme sollten sich Büchernarren nicht vom elektronischen Lesespaß abhalten lassen. Vor dem Kauf von Lesegerät und Buch steht aber die Frage: Was will ich? Wer in verschiedenen Onlineshops nach Büchern stöbern möchte, sollte einen E-Book-Reader nutzen, der Epub und Adobe Adept unterstützt. Wen das abge­schottete System nicht stört, der kann über Amazons Kindle nach­denken.

Gleiches gilt für Leser, die E-Books in der Biblio­thek leihen wollen. Wenigleser können die elektronischen Bücher auch zunächst am Computer, auf dem Smartphone oder Tablet ausprobieren, wenn sie die Geräte ohnehin besitzen.

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